Paris, es war schön, dich gekannt zu haben

Wenn man heute von Paris hört, richtet man erschrocken den Blick auf die Nachrichtenseiten. Das war nicht immer so. Paris war unbeschwert und romantisch und leicht. Danke dafür, Paris!

Paris im Frühling. Die Barden singen davon. Kirschbäume blühen am Eiffelturm, Kastanienbäume überall. Meine Kinder spielen im Park und lassen Boote fahren. Rodins Denker schaut auf mich hinab. Ich lerne schnell, einen Café zu bestellen, wenn ich einen Espresso möchte. Und irgendwo hinter all den Touristen sehe ich in der Ferne dieses rechteckige Fleckchen, die Mona Lisa. Ganz früher konnte man einfach so zu ihr hingehen, ein entspanntes Tête-à-tête mit La Gioconda abhalten. Ohne Glas dazwischen! Das höre ich zumindest. So alt bin ich auch wieder nicht.

Einmal, da waren wir im Jardin du Luxembourg unterwegs. Wir hatten eine Flasche Wein gekauft und guten Käse. Wir waren Studenten. Das war unser Luxus. Wir hatten Pappbecher dabei, aber keinen Flaschenöffner. Wir fragten den Kellner eines Park-Bistros, ob er uns die Flasche öffnen könnte. Wir würden auch ein Trinkgeld zahlen. Er öffnete sie. Das Trinkgeld lehnte er ab. Er bestand aber darauf, uns zwei Weingläser zu leihen, wir sollten sie nur zurückbringen.

Meine kürzesten Aufenthalte in Paris waren immer nur ein Wochenende lang. Mein längster Aufenthalt dauerte einen Monat. Wie viele es waren? Ich weiß es nicht. Viele. Andere Leute waren längere Zeit dort, manche sogar für Jahre. Ich beneide sie.

In meinem Paris konnte man abends durch die Straßen schlendern und rein zufällig in ein Klavierkonzert stolpern, in einem Hinterhof mit Blumen in Kübeln an den Wänden.

Ja, Paris ist schmutzig, laut und arrogant. Aber es war auch romantisch, unbeschwert und erhaben.

Heute, wenn ich von Paris höre, dann höre ich vom Terror. Ich höre von Morden und Horden, von Maschinengewehren und Angst am Flughafen. Ich höre all die Heuchelei, von Stings halbweisem Auftritt bis hin zu den Je-Suis-Charlie-Plapperern. Das Paris, das ich geliebt habe, stirbt. Ich gebe die Schuld all den Wegschauern und Propagandisten. Sie haben der Gewalt den Teppich ausgerollt.

Doch, was soll Zorn heute und hier schon bringen? In einer Perversion allen Anstands sehen sich jene, die Schuld tragen, durch meine Wut und meine Traurigkeit eher bestärkt. Es ist nicht deine Schuld, Paris. Es waren deine Politiker und ihre populistischen Illusionen. Imbéciles!

Ich will versuchen, dankbar zu sein. Paris, es ist schön, dass ich dich kennen durfte. Ich habe dich meinen Kindern vorgestellt, als sie noch klein waren – und du unbeschwert und frühlingshaft, selbst bei Nieselregen im Herbst. Immerhin das, immerhin so viel. Merci.

Was ist Ihre liebste Erinnerung an Paris?