Zu Beginn der Plenarsitzung wurde im Deutschen Bundestag der Opfer der Terroranschläge gedacht. Bundestagspräsident Lammert fand deutliche Worte: »Wem unter den Muslimen über rhetorische Floskeln hinaus tatsächlich an Aufklärung gelegen sei, müsse sich als Muslim mit der Frage auseinandersetzen, warum noch immer im Namen Allahs Menschen verfolgt, drangsaliert und getötet werden.«

Menschen seien »skrupellos ermordet« worden, »andere zum Teil lebensgefährlich verletzt«.

An die Familien der Toten sagte Lammert: »Unser tiefes Mitgefühl ist bei allen Angehörigen der Getöteten und den vielen Verletzten.«

Die Abgeordneten hatten sich von den Plätzen erhoben, im Gedenken an die Opfer.

Auch die Bundeskanzlerin erinnerte in der »Gedenkveranstaltung aller Verfassungsorgane« an die Opfer, »deren Leben ausgelöscht wurde – ausgelöscht durch kaltblütigen Mord«. Überall, wo „an den »Grundfesten der Menschlichkeit gerüttelt wird«, sei Toleranz fehl am Platz, so Angela Merkel.

– Das, wovon Sie eben lasen, passierte am 15. Januar 2015 und war das Gedenken zum Terror-Anschlag von Paris und am 20. Februar 2012, in der Gedenkveranstaltung zu den NSU-Morden.

Für die Toten von Berlin 2016 wird es keine zentrale Veranstaltung des Bundestags geben, berichtet der Deutschlandfunk.

Warum nicht? Die möglichen Erklärungen sind alle fürchterlich. Vor allem jene Erklärung, welche unter Zynikern die Runde macht: Die Toten von Berlin könnten Merkels Wahlkampf stören. Soll »das Volk« die Toten möglichst schnell vergessen? Deshalb würden sie auch nicht gezeigt, anders als etwa jener ertrunkene Flüchtlingsjunge. (Warum bekommt in Berlin nur der Attentäter ein Gesicht?) Schrecklich, wenn das die Motivation wäre. Ich mag es nicht glauben.

Wenn es keine würdige, zentrale Gedenkveranstaltung des Bundestags für die Opfer von Berlin gibt – und ich meine kein lächerliches, von Ex-Stasis inspiriertes Kritiker-Bashing – dann muss man fragen: Wen vertreten die deutschen Volksvertreter?

Ich bin sicher, ich hoffe zumindest, der Deutsche Bundestag lässt dieses Spiel nicht mit sich spielen. Sie sind Volksvertreter, tun Sie endlich Ihren Job!

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