15.4.2019

Wählt uns – oder die Welt geht unter!

von Dushan Wegner, Lesezeit 5 Minuten, Bild von Nhia Moua
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Greta trifft Papst und jeder Fünfte kann sich Habeck als Kanzler vorstellen. Der Weltuntergang ist seit jeher ein lukratives Business, ich weiß – jedoch: Die Propheten der Ökokalypse bereiten mir mehr Angst als ihre Prophezeiungen!
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Gut, dass es die ernsthaften Nachrichten gibt, die uns von den ernsthaften Dingen berichten, wie etwa diese eindringliche-ernsthafte Mahnung, direkt und unverblümt in Dachzeile und Überschrift:

BULGARISCHE SEHERIN – 2016 wird Europa „aufhören zu existieren“ (welt.de, 11.12.2015)

Im jenem Qualitätstext erfahren wir wichtige Details über »Baba Wanga«, aber auch über Vorhersagen des Nostradamus; erst der letzte Satz (»Wie schön, wenn Wahrsager danebenliegen! Für 2016 macht das Hoffnung.«) deutet an, dass man wohl weiß, mit was für einem Humbug man da die Zeilen füllt – doch, es ist an dem Punkt bereits egal: Der Leser hat geguckt, die Werbung wurde geschaltet, beehren Sie uns bitte bald wieder!

Immer wieder das Ende

Endzeitstimmung ist wieder modern, doch sie ist nicht neu.

»Wahrlich, ich sage euch: Es sind etliche unter denen, die hier stehen, die werden den Tod nicht schmecken, bis sie den Menschensohn kommen sehen in seinem Reich«, so sagt Jesus in Matthaeus 16:28 voraus (it didn’t work), Luther plante den Weltuntergang für 1525 ein, und auch Greta »fast wie Jesus« Thunberg sieht das Ende der Welt nahen – der nächste Weltuntergang, bunt aufbereitet für die Smartphone-Generation (wobei selbst die erste Zweifel bekommt – verlinken wir einfach mal bento.de, 1.4.2019). The End of the World will be televised (aber vorher noch ein Date mit dem Papst).

Das Ende der Welt ist Business: Der Weltuntergangs-Film »2012« setzte in den ersten 101 Tagen weltweit 769.679.473 US-Dollar um (sagt boxofficemojo.com). Eine PR-Firma hinter der Heiligen Greta soll jüngst Anteile im Wert von 1 Million US-Dollar ausgegeben haben. Diverse Firmen setzen viele Millionen Dollar um, etwa mit dem Verkauf von Bunkern an Leute, die Angst vor Donald Trump haben (siehe cnbc.com, 25.4.2017).

Laut einer neuen Umfrage kann sich jeder fünfte Deutsche den Herrn Robert Habeck als Bundeskanzler vorstellen (siehe etwa welt.de, 15.2.2019), also den vor allem vom Staatsfunk nach vorne gedrängten Chef der grünen Weltuntergangspartei. – Sicher, solche Umfragen sind Schlagzeilenfutter und als solches bewerte ich sie zuerst, und doch: Einige von uns erinnern sich noch an die Weltuntergangs-Ängste nach Fukushima; auch damals träumten die Grünen für ein paar Wochen vom Kanzleramt – es zerlief sich, doch heute scheint es mir weniger unrealistisch: Wer anti-deutsch und postdemokratisch auftritt, wird von Leitmedien gepushed – und niemand wird mehr gepushed als Habeck.

Einst sahen die Grünen den Untergang der Welt im Bildschirmtext »BTX« (von »Rationalisierungsdrogen« war die Rede, siehe etwa heise.de, 22.10.2016), die Angst vorm Weltuntergang durch Atomenergie ist eines der bekanntesten grünen Markenzeichen, und 2019 wird von Medien und NGOs irrationale Panik vorm Weltuntergang durch Kohlenstoffdioxid geschürt.

Es ist einigermaßen beliebig, was es ist, wovor hysterische Angst geschürt wird; ob BTX, Kohlendioxid oder Andersdenkende – erstaunlicherweise bezieht sich die Angst der Guten selten auf akute, reale Gefahren, die bereits jetzt Todesopfer fordern, sondern meist oft auf eingebildete, »geglaubte« und »gefühlte« Gefahren. (Man fürchtet heute etwa die »nicht politisch korrekte« Reaktion auf Terror weit mehr als den Terror selbst.)

Mal gefährlich, mal wichtig

Die Angst vorm Weltuntergang hat eine gefährliche und eine nützliche Seite.

Wer glaubt (oder behauptet), dass die Welt untergeht, der kann daraus alle beliebigen Handlungen moralisch rechtfertigen, und das ist maximal gefährlich. Wenn man glaubt, dass das Nichtausführen einer Handlung zum Weltuntergang führt, dann sieht man sich in der durchaus nachvollziehbaren Pflicht sie ausführen, selbst wenn sie mit sämtlichen sonstigen bislang erklärten und befolgten moralischen Regeln bricht.

Weltuntergangs-Szenarien sind eine reale Gefahr für die Demokratie: Einzelne flirten ja bereits offen mit einer Öko-Diktatur nach chinesischem Vorbild, wenn sie nur den von ihnen imaginierten Weltuntergang abhält.

Doch, Endzeitstimmung hat auch etwas Gutes: Man bereitet sich vor, und bei der Vorbereitung stellt man wichtige Überlegungen an, die auch dann nützlich sind, wenn es doch nicht »klappt« mit dem Weltuntergang. – Wer einen Bunker baut oder sich auf die Flucht vorbereitet, der überlegt, was ihm wirklich wichtig ist.

Wenn Sie Ihr Zuhause in 24 Stunden verlassen müssten, was (und wen) würden Sie mitnehmen? Wenn Sie nur ein oder zwei Kontexte Ihres Lebens schützen könnten, welche wären diese? Anders gefragt: Was sind Ihre relevanten Strukturen?

Der Weltuntergang blieb aus

Kurz nach den US-Wahlen 2016 titelte man wieder etwas von Baba Wanga, diesmal ominös raunend:

Wird Donald Trump womöglich doch nicht Präsident? (welt.de, 11.16.2016)

Im selben Artikel steht allerdings auch über jene »bulgarische Seherin«:

Baba Wanga, die sich mit dem kommunistischen Regime offenbar gut stand, arbeitete seit 1967 als Staatsangestellte am Suggestologie-Institut. Der Staat kassierte auch die Honorare, die sie für ihre Beratungen bekam. Die Frau, die in Bulgarien als Heilige verehrt wurde, wird eine gute Einnahmequelle gewesen sein. Bis zu 100 Ratsuchende sollen täglich bei ihr gewesen sein (welt.de, 11.16.2016)

Donald Trump wurde dann doch Präsident, und er ist es bis heute. Der Weltuntergang blieb aus, die von Zeitungen prophezeite Absetzung Trumps in Folge des Mueller-Reports ebenso. Das Geld allerdings, das Baba Wanga und ihre Vermittler kassierten, wurde nicht zurückgezahlt; dass New York Times oder CNN irgendwas zurückgezahlt hätten, nachdem ihre Prognosen wieder und wieder falsch lagen, ist ebenfalls nicht bekannt. Ich habe Zweifel, ob die grünen Bonzen ihre fetten Diäten zurückzahlen, falls und wenn der Weltuntergang wider Erwarten ausbleibt.

Gründlich anders

Die Propheten des Weltuntergangs sind in den allermeisten Fällen ein weit größeres Risiko als der Weltuntergang selbst.

Die Welt wird so bald nicht untergehen. Dank der Clique der Kinderlosen – Merkel, Juncker, Macron – könnte die EU als freiheitlich demokratisches Projekt ins Schlingern geraten (manche sagen, das sei schon der Fall – man schaue einfach dieser Tage nach Paris) – doch das ist eine reale Bedrohung, also wird sie ignoriert; die populären Propheten des Weltuntergangs reden bekanntlich nur von ausgedachten Bedrohungen.

Die Welt wird noch für ein paar Jahre nicht enden, so oft auch irgendwelche blinden Seherinnen oder kindliche Prophetinnen uns davon erzählen. Alte weiße Männer im Hintergrund werden an der Panik verdienen, das ist alles, und dann wird die Welt sich weiterdrehen.

Die Welt wird anders werden, gründlich anders, das ist wahr, aber sie wird nicht enden.

In diesem Geiste: Lasst euch nicht panisch machen. Prüft alles, glaubt wenig, denkt selbst. Und: Ordnet eure Kreise!

»Weiterschreiben, Wegner!«

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