Wasser auf die Mühlen der Falschen

21. Dezember 2018, von Dushan Wegner; Bild von Sead Dedić
Vielzitierte Aussagen im Interview mit der 99-jährigen Weiße-Rose-Überlebenden gelten jetzt auch offiziell als Fake. – Ab dem wievielten »das ist Wasser auf die Mühlen der Falschen« gestehen Linke sich ein, dass ihr Weltbild auf Lügen gebaut ist?
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Am 24. September 2018, mitten im Wahlkampf vor den Bayerischen Landtagswahlen, als das gesamte politische Berlin vor dem »Erstarken der Rechten« zitterte, verlautbarte ZDF Heute via Twitter eine jener Meldungen, die auffällig gut ins Weltbild linksgrüner Einheitsmeinung passen:

Traute #Lafrenz, letzte Überlebende der Widerstandsgruppe #WeisseRose hat in einem Interview vor dem Wiedererstarken der Rechten in #Deutschland gewarnt: »Die Art, in der jetzt über Flüchtlinge geredet wird wie über Kriminelle oder Vieh, da werde ich hellhörig. Ich weiß auch, was Politiker im Bundestag nun wieder so sagen. ‚Lügenpresse‘, ‚Volksverräter‘, ‚Stolz auf die Wehrmacht‘? Diese Leute wissen ja gar nicht, wovon sie reden, aber sie benutzen die gleichen Tricks. So fängt es an.

Traute Lafrenz

Letzte Überlebende der „Weißen Rose“

Quelle: Spiegel
(@zdfheute, 24.9.2018)

Das Zitat selbst ist als Grafik gestaltet, dramatisch weiß auf schwarzem Hintergrund gesetzt, die Hervorhebungen der Triggerwörter via Fettschrift sind vom ZDF so gesetzt.

Die recht unverhohlene Parteinahme des ZDF bezog sich auf ein Interview im Spiegel mit einer 99 Jahre alten letzten Überlebenden der »Weißen Rose«, Traute Lafrenz. Das Interview wurde vom inzwischen einigen mehr Lesern auch namentlich bekannten Claas Relotius geführt. Viele, sehr viele Journalisten und Aktivisten teilten das Interview, es war ja das »wichtigste Interview des Jahres«.

Wie würdigt der interviewende Spiegelreporter das Leben einer Widerstandskämpferin gegen ein Regime, das die Propaganda gegen seine Gegner auf ganz neue Stufen hob? Richtig, indem er Propaganda gegen die Gegner der aktuellen Regierung mit ins Interview mogelt.

Am 20.12.2018 meldet der Spiegel, im Zuge des Claas-Relotius-Skandals:

Kaum ein Text von Claas Relotius wurde so gelobt wie sein Gespräch mit Traute Lafrenz, der letzten Überlebenden der „Weißen Rose“. Jetzt zeigen erneute Recherchen: Auch in diesem Text sind Passagen offenbar erfunden. (spiegel.de, 20.12.2018)

Zu den erfundenen Passagen zählen wohl unter anderem die Aussagen mit Bezug auf Chemnitz; Frau Lafrenz schloss aber explizit nicht aus, dass es weitere erfundene Passagen gibt (Zitat Spiegel 20.12.2018: Lafrenz wiederholte während des zweiten Gesprächs am Mittwoch mehrmals: „Das habe ich bestimmt nicht gesagt.“ Nach weiteren Beispielen für falsche Zitate gefragt, sagte sie: „Ja, reicht Ihnen das denn nicht?“).

Teile des Interviews wurden z.B. von den Aktivisten mancher Nachrichtredaktion als gezielt gegen »die Rechten« – auf deutsch: die AfD – verwendet, und auch die erstaunlich detailreichen Bezüge auf die wahlkampfrelevanten – teils ebenfalls frei erfundenen – Ereignisse in Chemnitz. (Anlehnend an den Film Inception könnten man fast von Fakeception reden: Wenn in einem teilweise wahren Interview später Fake-Aussagen eingebaut werden, die sich auf Ereignisse beziehen, die zum Teil – aber eben wieder nur zum Teil – ebenfalls erfunden und aufgeblasen sind – wow! Solche ineinander geschachtelten Fake News aus Berlin erinnern strukturell an die schrottwertigen Derivate von Derivaten, welche mit zur Bankenkrise von 2008 führten – und dazu gleich zwei Filmtipps: Margin Call und The Big Short; beide großes Kino, und obwohl sie als Fiktion gelten, enthalten sie, wie nun auch offiziell feststeht, wohl mehr Wahrheit als manche Spiegel-Reportage – ob Qualitätsjournalismus oder Hollywood, stellen Sie Popcorn bereit!)

Die Passagen erschienen schon damals Lesern, die noch nicht vollständig ins Haltungskoma abgeglitten waren, als mindestens verdächtig – um es höflich zu sagen –aber selbstredend nicht den Spiegel-Verantwortlichen.

Was den Haltungscheck besteht, dafür wäre auch nur der Check auf Plausibilität die blanke Ketzerei! Doch, insgesamt ist die Sache dann doch ein Skandal, oder wie wir dieser Tage hören – und bei dieser Formulierung sollten wir hellhörig werden: Es ist »Wasser auf die Mühlen der Falschen«.

WadMpT

Das auf Lügen gebaute linksgrüne Weltbild und die reale Realität driften immer weiter auseinander. Ich schlage eine Maßeinheit für die Messung des Realitätsdrifts vor, nämlich Wasser-auf-die-Mühlen-pro-Tag, abgekürzt WadMpT.

Wie es sich für kühl und gänzliche unironisch denkende Wissenschaftler wie uns gehört, wollen wir unsere neue großartige Maßeinheit definieren, etwa so:

WadMpT bezeichnet, wie oft pro Tag insgesamt von Bürgern mit Haltung* ausgerufen wird, ein Ereignis sei »Wasser auf die Mühlen der Falschen**«.

Erklärungen: * »Haltung« bezeichnet natürlich, ähnlich wie schon bei Goebbels, einen Bürger, der innerlich der Parteilinie bzw. Einheitsgeisteshaltung folgt; ** die »Falschen« bezieht sich auf Bürger, welche linksgrünen/globalistischen Suizidalismus kritisieren bzw. nicht euphorisch begrüßen.

Der tatsächliche gesamte WadMpT-Wert ist wahrscheinlich bislang nur schätzbar, dank Suchfunktionen lässt er sich aber zumindest für Soziale Medien und Internet-Nachrichten durchaus messen, indem man nach »Wasser auf die Mühlen« sucht, und dann die Suchstellen auswertet.

Eine solche Fundstelle könnte etwa der anonyme Tweet eines @erfolgstrainer9 sein, sich auf den Skandal um den (nun ehemaligen) Spiegel-Starreporter Relotius beziehend:

Daran kann man wohl leider nix machen. Wasser auf die Mühlen der falschen Leute. (@erfolgstrainer9, 20.12.2018)

Der Absender ist zwar anonym, ordnet sich via »#wirsindmehr«-Hashtag allerdings augenscheinlich selbst als linientreu ein. Falls dieser Tweet verschwinden sollte, liefert eine einfache Twitter-Suche nach »Wasser auf die Mühlen« viele weitere Beispiele.

Der Deutsche-Journalisten-Verband NRW schreibt zum selben Fall:

Die gefälschten Reportagen des gefeuerten @DerSPIEGEL-Journalisten sind Wasser auf die Mühlen von Medienhassern, Pegidisten und anderen Populisten. (…) (@DJV_NRW, 20.12.2018)

Wenig überraschend stimmt die New York Times sinngemäß ein:

Far-right activists and populist politicians in Germany are seizing on a case in which a journalist at Der Spiegel magazine fabricated stories, calling it an example of the „lying press“ … (@nytimes, 21.12.2018)

(Meine Übersetzung: Rechtsaußen-Aktivisten und populistische Politiker in Deutschland nutzen den Fall, in welchem ein Journalist des Spiegel Geschichten erfand, und nennen es ein Beispiel von »Lügenpresse«.)

Die Notwendigkeit einer Messung des WadMpT-Wertes ergibt sich bereits aus der völligen Unfähigkeit solcher Journalisten, für eine Sekunde darüber nachzudenken, ob wenn die Realität wieder und wieder und wieder »Wasser auf die Mühlen der Falschen« ist, es vielleicht nicht eventuell der Fall sein könnte, dass sie selbst es sind, welche falsch liegen.

Nicht alle Such-Ergebnisse stammen von Haltungsbürgern, und manche sind ironisch oder fallen aus anderem Grund nicht unter diese Kriterien, diese Aspekte gilt es dann, für die Berechnung des aktuellen WadMpT-Wertes zu berücksichtigen.

Die Schere messen

Der praktische Nutzen des WadMpT besteht darin, einem Bauchgefühl und einem konkret Beobachtbaren eine messbare Einheit zuzuordnen. Manche sagen ja: »Wissenschaft ist, was sich messen lässt.« – Kritische Bürger haben schon länger und täglich stärker den Eindruck, dass berichtete und tatsächliche Realität auseinandergehen, und durch die Feststellung und Veröffentlichung eines tagesaktuellen WadMpT-Wertes könnte dieses Bauchgefühl auf eine Zahlengrundlage gestellt werden.

Wie alle wissenschaftlichen Ansätze sollte auch der WadMpT-Wert in Definition und Messmethode weiterentwickelt werden, zum Beispiel sollten semantisch gleichwertige Formulierungen berücksichtigt werden, wie etwa »das liefert nur den Hetzern neue Munition«, »das wird von den Rechten instrumentalisiert werden« und andere Feststellungen der sich täglich weiter öffnenden Schere zwischen linkem Weltbild und realer Realität; der Einsatz von auf künstlicher Intelligenz basierter Sprach- und Sentiment-Analyse könnte hier helfen. Das linksgrüne Denken mag vor Jahren zum Stillstand gekommen sein und sich seitdem in der Wer-mir-widerspricht-ist-Rääächts-Schleife drehen, die Wissenschaft hingegen halten weder Ochs noch Esel auf!

Vorsicht, Geisterfahrer!

Witzige Witze sind immer zugleich schmerzhaft und wohltuend. (Siehe auch: »Dušan Grzeszczyk gegen die Witzpolizei«) – Ein Witz hilft uns, einen Schmerz in der Differenz zwischen Weltwahrnehmung und Realität aufzulösen, indem er den Schmerz etwa durch Übertreibung oder Verfremdung verdaubar macht. (Deshalb sind Linke, Staatsfunk-Comedians, etc heute so unlustig: via politischer Korrektheit verbieten sie sich die Benennung von Schmerz und damit die Grundlage von Witzigkeit.)

Wenn Witze uns wieder und wieder begegnen, dann sind sie ein Zeichen der Zeit, dann sagen sie etwas über die Realität aus.

Ein bekannter und (auch von mir gern wiederholter) Witz geht so:

Egon hört eine Durchsage im Autoradio: Vorsicht, Geisterfahrer auf der Autobahn A3!
Egon, im Auto auf der A3, ruft: Einer? Nein, Tausende!

Haltungsbürger werden Tag für Tag nicht müde, den deutschen WadMpT-Wert in die Höhe zu treiben. Mit dem Gedächtnis eines Goldfisches rufen sie täglich neu: Oh, das ist jetzt Wasser auf die Mühlen der Falschen! Oh, das stärkt die Populisten! Oh, das wird von den Rechten instrumentalisiert werden! – Ähnlich wie Egon sind sie nonstop verwundert, dass die Realität ihnen entgegen kommt, und ganz wie Geisterfahrer Egon kommen sie nicht darauf, dass sie selbst es sind, die falsch liegen.

Wie viele Straßen muss ein Mann abgehen, fragte Bob Dylan, bis man ihn einen Mann nennen kann, wie oft kann er seinen Kopf wegdrehen, und so tun, als sähe er nichts? – Wir müssen fragen: Wie oft kann ein Haltungsbürger feststellen, dass jene, die ihm widersprechen, ein weiteres Mal richtig lagen und er selbst falsch, bis er sich eingesteht, dass sein Weltbild auf Lügen gebaut ist?

Ist der täglich neue Kampf gegen die Realität denn nicht schmerzhafter als sich einmal konsequent einzugestehen, dass man Lügen aufgesessen war, dass die »Bösen«, die von Regierung und Staatsfunk als »Populisten« und Übleres verunglimpft wurden, schlicht richtig lagen?

Immer.

Die Erfindungen beim Interview der 99-jährigen Traute Lafrenz sind zweifelsohne »Wasser auf die Mühlen der Falschen« – nur wenn die Meldungen Tag für Tag für Tag neues Wasser auf die Mühlen der Falschen liefern, sollte auch der nur minimal kritische Geist sich irgendwann zu fragen beginnen, ob nicht er es ist, der falsch liegt – und zwar grundsätzlich.

Was bisher nur die Mutigen, und die, die nichts zu verlieren haben, zu sagen wagten, dokumentiert sich inzwischen ganz von allein: Das linksgrüne Weltbild ist auf Lügen gebaut, auf Falschmeldungen, Auslassungen und blanken Märchen. Wie sehr driften das linksgrüne Weltbild der Berliner Einheitsmeinung und die reale Realität auseinander? Wir können es anhand des Wasser-auf-die-Mühlen-pro-Tag-Wertes (WadMpT) nun wissenschaftlich messen und erfassen.

Nein, die neue Maßeinheit ist nicht ganz ernst gemeint, wenn auch die Messung interessant und das Ergebnis heute wohl recht hoch wäre. Vollständig ernst gemeint sollte dagegen unser Bemühen sein, unsere Vorstellung von der Realität mit der realen Realität zusammenzubringen.

Wenn alles immer nur Wasser auf die Mühlen der Falschen ist, kann es sein, dass der ganze Fluss woanders fließt?

Es gilt, weiterhin: Wenn die reale Realität und deine Vorstellung von der Realität auseinandergehen, wird am Ende die Realität gewinnen – immer.

 

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