Warum bist du nicht wahnsinnig?

Angeblich soll es die Definition von Wahnsinn sein, irgendeine Handlung wieder und wieder durchzuführen – und andere Resultate zu erwarten. (- An anderer Stelle hielten wir fest, dass dies keine „Definition“ sei, eher ein mögliches Symptom, aber gut.)

Es gibt eine verwandte Verhaltensweise, die ebenso eine Handlung wieder und wieder wiederholt. Es ist die Übung. Malcolm Gladwell spricht in „Outliers“ berühmterweise von den „10000 Stunden“ an Übung, die es angeblich zur Meisterschaft in einem Fach braucht.

Der Unterschied zwischen einem Wahnsinnigen und einem Übenden auf dem Weg zur Meisterschaft ist oft nur aus der Innenperspektive erkennbar. Der Übende nimmt sich andere, etablierte Meister zum Vorbild. Wenn sie es geschafft haben, kann er es auch. Der Übende prüft sich, ob er Fortschritte spürt. Dann weiß er, dass er auf dem richtigen Weg ist.

In den guten alten Zeiten ließen Menschen stolz ihre Berufe auf Grabsteine meißeln. Seht her, hier ist einer, der es zur Meisterschaft in seinem Fach gebracht hat. Man erlangt ja noch heute den Grad eines „Meisters“. (In Deutschland wurde an den Universitäten dagegen der „Magister“ abgeschafft. Wie schade!) Germanistik-Magister schrieben Bücher, drehten große Filme, Was-mit-Medien-Bachelors machen Hashtag-Hetze für die Generation Bildungskrise.)

Wirken Sie „wahnsinnig“ auf ihre Mitmenschen? Wenn nein, wieso nicht?! Es soll ungeheuer befriedigend sein, sich in ein Fachgebiet zu vertiefen, und eines Tages sogar die Meisterschaft darin zu erreichen.

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5 Gedanken zu “Warum bist du nicht wahnsinnig?

  1. >>Angeblich soll es die Definition von Wahnsinn sein, irgendeine Handlung wieder und wieder durchzuführen – und andere Resultate zu erwarten.<< Geänderte externe Bedingungen ermöglichen dass dieses Verhalten zum Erfolg führt.

  2. Lothar Wölfels Hinweis gilt insbesondere für die Evolution.
    Beispiel: weiße Bären erfolglos am Äquator versus konkurrenzlos in der Arktis.
    So, nun aber genug geklugscheißert, was?
    Dass damit das engstirnige, individuelle Experiment unter sonst gleichen Bedingungen gemeint war, wissen wir auch.
    Übe zengleich, seit 9994 Stunden Replies zu leaven – bin nah dran, oder?

  3. Als Kind musste ich lernen ein wenig Mehl mit Wasser anzurühren um damit eine Soße zu binden. Zuviel Wasser und es wird klumpig – zuwenig Wasser und es wird klumpig, zu schnell rühren und es klumpt, zu langsam und es klump. Ich habe sicherlich sehr viele Versuche benötigt, bis es klappte – jeder Versuch aber war ein wenig (ok, manchmal viel) anders als der Versuch zuvor.
    Ich bin auch heute noch immer kein Meister darin, aber jeder, der Meister in irgend etwas werden will, wird nie etwas zweimal genau gleich machen – je besser man wird, desto kleiner werden die Abweichungen. Wärend der Wahnsinnige versucht äußere Einwirkungen sogar noch zu kompensieren, und trotzdem glaubt, dass es nun für andere ein anderes Ergebnis wird.

  4. Der Wahnsinn scheint heute Normalität zu sein. Wahnsinn ist aber, per definitionem ein eklatant von der gesellschaftlichen Norm abweichendes Denk- und Verhaltensmuster. Insofern wären heute alle, die konservativ denken und fühlen, nach den heutigen Maßstäben wahnsinnig. Oder sind es nicht eher diejenigen, die den Mainstream bestimmen???

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