Verwirre ihre Sprache, lasse sie ihren eigenen Augen misstrauen

10. November 2018, von Dushan Wegner; Bild von Nathan Dumlao
Wenn ich eine Zivilisation in die Knie zwingen wollte, würde ich zuerst a) ihre Sprache verwirren (Babel), und b) ihr beibringen, sich selbst zu belügen (1984). Fallen Ihnen Meinungsmacher ein, die so etwas tun?
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Als ich zwei Jahre alt war, zog meine Familie nach Australien. Meine Familie wollte in Freiheit leben, wollte glauben dürfen, was sie glauben wollte, sagen dürfen, was sie sagen wollte. Wir Kinder sollten studieren dürfen, was wir studieren wollten.

Meine Schwester wurde in Melbourne geboren. Ich erinnere mich an den Besuch der ersten Klasse in Australien, an einige der Spielplätze. An das wilde Meer (das mir damals Angst machte) und an die Parks und die Bäume mit den weißen Baumstämmen. Ich habe noch immer Familie in Australien. Als wir weiterzogen, war ich noch ein Kind, und dennoch bleibt Australien ein Baustein meiner Identität. In Australien erlebte meine Familie, dass ein Staat auf deiner Seite sein kann, statt – wie im verfluchten Sozialismus – dein Gegner.

Sisto Malaspina

Wenn ich Nachrichten aus Australien höre, merke ich immer auf, klar. Und wenn ich die Zahl 1974 höre, ebenfalls, denn das ist das Jahr, in dem ich geboren wurde.

1974, so lesen wir, also zwei Jahre bevor wir dem Kommunismus entkamen und nach Australien zogen, war Sisto Malaspina bereits dort und übernahm das 1954 gegründete Café Pellegrini’s Bar in Melbourne. Sein Café war das erste Café in Melbourne, das eine Espressomaschine besaß (siehe heraldsun.com.au).

Seine Gäste beschrieben ihn als den freundlichsten, lebensfrohesten Menschen, den sie jemals getroffen hatten. 2018, also viereinhalb Jahrzehnte später, arbeitete Sisto noch immer bis zu 70 Stunden pro Woche. »Es ist nicht mehr so intensiv«, sagte er im Oktober, »ich bewege mich nicht so schnell, und ich mache nicht mehr so viele Schritte. Aber es macht mir noch immer Freude, ich fühle, dass man mich braucht.«

Manche Gäste bezeichneten ihn als »Großvater ehrenhalber« (»honorary grandfather«). Auf der Facebook-Page von Pellegrini’s Espresso Bar posten derzeit Gäste ihre Erinnerungen an Sisto Malaspina; besonders berührend sind etwa die Fotos eines Brautpaares, das als Teil ihres Hochzeitstages bei Sisto vorbeikam.

Am 9. November 2018 sah Sisto Malaspina ein Auto vor seinem Café in Flammen aufgehen.

Nach dem heutigen Stand der Informationen lief Sisto Malaspina nach draußen, um dem Menschen, dessen Auto brannte, zu helfen.

Im Auto hatte ein Somalier namens Hassan Khalif Shire Ali gesessen. Hassan Khalif Shire Ali erstach Sisto Malaspina (theguardian.com, 10.11.2018).

Nach den Aufnahmen, die im Internet kursieren, war Hassan Khalif Shire Ali ein großer, starker, körperlich gesunder Mann. Wir sehen ihn auf Videos, wie er messerschwingend in der Straße weitere Menschen bedroht, bis ihn schließlich ein Polizist erschießt. Mittlerweile hat der Islamische Staat (ISIS) das Attentat für sich reklamiert (siehe z.B. zerohedge.com, 9.11.2018).

Die Familie des Angreifers war laut Medienberichten in den 1990-ern nach Australien eingewandert. Sie war schon länger, liest man, für mit Terror zusammenhängende Aktivitäten bekannt. Der Bruder war wegen »terrorism offenses« verhaftet worden (cnn.com, 10.11.2018) – und so weiter, und so fort.

Sisto Malaspina wurde ein weiteres Opfer westlicher Toleranz.

Babel

Wenn ich eine Zivilisation in den Suizid treiben wollte, wenn ich ein gemeinsames Projekt zerstören wollte, wie würde ich es anstellen?

Ich muss nicht raten, es gibt mehrere »Anleitungen« dafür. Ich will hier zwei Anleitungen nennen (beide sind als Mahnungen notiert), die beide in Werken mit kanonischem Status enthalten sind.

In der Bibel, 1. Mose 11, beschließen die Menschen, einen Turm zu bauen, der »bis in den Himmel reiche«. Gott möchte da oben lieber nicht gestört werden; Er braucht eine effektive Art, den Erfolg des Projekts zu verhindern.

Gemeinde, lesen Sie mit mir, heute mal inklusive Kontext:

Und der HERR sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen und dies ist der Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun. (1. Mose 11:6)

Beachten Sie: Gott selbst stellt fest, dass einer Gruppe von Menschen, die eine gemeinsame Sprache sprechen, nichts verwehrt werden kann.

Also, was tut Er?

Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des andern Sprache verstehe! So zerstreute sie der HERR von dort über die ganze Erde, dass sie aufhören mussten, die Stadt zu bauen. (1. Mose 11:7,8)

Wir lernen: Wenn du Menschen schwächen willst, wenn du Menschen verwirren willst, sorge dafür, dass sie nicht mehr dieselbe Sprache sprechen, dass ihre Kommunikation misslingt, dass sie keine gemeinsame Sprache haben, dass ihre Sprache nicht mehr zur zuverlässigen Kommunikation taugt.

1984

Von der Bibel zum nächsten Eckstein unseres Kanons:

The Party told you to reject the evidence of your eyes and ears. It was their final, most essential command. (1984)

(Es gilt das perfekt formulierte Original, daher nur eine schnelle, ungenaue Übertragung: »Die Partei befahl dir, zu ignorieren, was deine Augen und Ohren wahrnahmen. Es war ihr finaler, essentieller Befehl.«)

Wenn ich Menschen kontrollieren und unterwerfen wollte, würde ich sie indoktrinieren und demütigen, manipulieren und einschüchtern, bis sie sich nicht mehr trauen, zu sehen, was sie sehen, zu hören, was sie hören – und letzten Endes: zu denken, was sie denken.

Wenn in Deutschland wieder einmal ein Toleranzempfänger mordet, was ist die erste Reaktion der suizidalen Klasse? Richtig: Sie organisieren »Proteste gegen Rechts« – und mit »rechts« meinen sie uns Häretiker, welche wir die Dreistheit besitzen, zu sehen, was wir sehen – und zu denken, was der Verstand gebietet.

Es gibt weitere Aspekte, von denen man sagen könnte, dass sie ein Volk oder eine Kultur erst in die Knie und dann in den Staub der Geschichte zwingen können. Man denke nur an die Dekadenz und den Verlust von Moral! Doch, das Menschsein beginnt mit Worten, mit Bedeutung, mit Wahrheit und mit Sprache. Was ist der Mensch ohne Sprache?

Ein paar Schraubenmaße

Wenn an einem Raumschiff ein paar Schraubenmaße ungenau berechnet werden, explodiert das Raumschiff – und Menschen sterben. Wenn auf einer Schienentrasse eine Weiche ungenau umgelegt wird, entgleist der Zug – und Menschen sterben.

Wenn die Politiker und öffentlichen Denker in einem Staat ungenau denken und reden, werden falsche Entschlüsse gefasst – und Menschen sterben. Das ungenaue schönfärberische, gefühls- statt logikbetonte Denken ergreift den gesamten Westen, doch in Europa ist es durch Merkel zur maximal gefährlichen Blüte gekommen. Um zu verstehen, wie es zur importiertem Gewalt wie in Melbourne kommen kann, muss man zunächst das ungenaue Denken verstehen, das solche Gewalt nicht nur zulässt, sondern direkt und indirekt einlädt.

Manche Journalisten verniedlichen Merkels Hang zur Ungenauigkeit; das ist gefährlich, und man muss fragen, ob sie dadurch nicht mit Schuld tragen an den schrecklichen Folgen.

Wir erleben derzeit diverse Aktivitäten, teilweise mit vielen Millionen vom deutschen Staat und/oder von ausländischem Geld finanziert, unsere Sprache ungenau, unscharf und zuletzt unwahr zu machen. Wir kennen solche Bemühungen etwa aus der »politischen Korrektheit«, die als einziges Ziel verfolgt, Probleme nicht zu benennen und sie nicht wahrzunehmen, selbst wenn wir sie mit eigenen Augen sehen (man vergleiche das letzte Ziel der Partei in 1984).

Erlauben Sie mir, Ihnen an einem aktuellen und von Melbourne unabhängigen Beispiel zu zeigen, wie sich auch in Deutschland die Ungenauigkeit in die alltägliche politische Sprache eingeschlichen hat, wie sie quasi »normalisiert« wurde.

Alles ist verbunden. Am selben Tag wie das Melbourne-Attentat sprach Angela Merkel in einer Berliner Synagoge bei einer Veranstaltung zum 80. Jahrestag der Reichspogromnacht. Es war eigentlich ein anderer Anlass, doch Merkel kennt nur ein Thema, und so wurde es über Kontinente hinweg verbunden.

Laut welt.de sagte Merkel an eben jenem, demselben 9. November 2018:

Der Rechtsstaat darf keine Toleranz zeigen, wenn Menschen aufgrund ihres Glaubens oder ihrer Hautfarbe angegriffen werden. (Merkel, welt.de, 9.11.2018)

Das klingt zunächst richtig und wichtig. – Das Problem ist: Antisemitismus hat nicht unbedingt mit Glauben und meist auch nichts mit Hautfarbe zu tun. Die Nazis betrieben großen Aufwand, nach »jüdischem Blut« zu suchen, eben weil »Jude-sein« nicht zwingend anhand von Glaubensritualen oder Aussehen erkennbar ist.

Man konnte als Jude noch so säkularisiert sein, ja sogar konvertiert und Christentum praktizierend, man wurde dennoch verfolgt. Es half nicht (und es war kein allzu schweres Unterfangen), weit »arischer« auszusehen als die gesamte Nazi-Führungsclique zusammen, man wurde dennoch verfolgt.

Wenn Angela Merkel im Kontext einer Veranstaltung sagt, dass der Rechtsstaat nie wieder Gewalt wegen Glauben oder Hautfarbe zulassen dürfe, hat sie damit praktisch den gesamten Holocaust durch Auslassung weiter zugelassen.

Aber, aber, aber

»Aber, aber«, mögen nun Konsens-Junkies rufen, »aber, wir wissen doch, wie sie es gemeint hat!«

Ich antworte energisch: 1. Nein, 2. Nein, und: 3. Nein.

  1. Nein: Wenn wir wissen, wie sie es eigentlich meinte, warum sagt sie es nicht? Ist sie zu dumm oder gar zu senil, zu sagen, was sie eigentlich meint? Oder ist es Teil des Prinzips Merkels, die öffentliche Debatte aktiv zu verdummen? (Ich tippe auf Letzteres.)
  2. Nein: Wahrscheinlich war diese Rede vorbereitet. Das heißt, dass mehrere Fachkräfte versuchten, eine Rede in Merkels Duktus zu verfassen. Für Merkel gibt es nur ein einziges Thema: Deutsche breitzuschlagen, auch anti-westliche Kulturen via »Toleranz« an sich geschehen zu lassen – und in dieses Schema ordnet sie eben auch die Judenverfolgung des Dritten Reiches ein.
  3. Nein: Menschen sterben, weil geschichtslose Politiker, gewissenlose NGOs und hirnlose Journalisten unsere Sprache zerstören. Wäre das Wort »Flüchtling« nicht ungenau für »unkontrollierter illegaler Einwanderer« verwendet worden, würden einige Menschen noch leben und weniger Frauen wären fürs Leben traumatisiert.

Später im Text, soweit welt.de berichtet, geht es darum, dass Merkel »nicht nur auf rechtsradikale Täter« verwies sondern auch »antisemitische Tendenzen bei Muslimen in Deutschland« »nicht akzeptiert« werden dürften. Soweit man den Berichten entnehmen kann, ist es offensichtlich, dass Merkel den Antisemitismus komplett nicht begreift – weder den alten noch den neuen.

Eine Frau (und eine linksgrüne Meinungselite), die selbst simpelste kulturelle Zusammenhänge nicht begreift, bestimmt (noch immer und auf Jahrzehnte) das Schicksal Europas – und genauso sieht es derzeit aus.

Eine kritische, denkende Presse hätte Merkel ihre Ausführung um die Ohren gehauen, doch die Debatte ist längst viel zu kaputt. Im Internet wurde einst scherzhaft der Ausdruck »Faktennazi« gebraucht für Menschen, die auf Fakten, Logik und Wahrhaftigkeit in der Debatte bestehen – wir sind so weit, dass das »Nazi« darin ernst gemeint ist.

Zunächst begriffen werden

Das ungerechte Leid, das in Deutschland, Frankreich, Australien und all den anderen »toleranten« Staaten passiert, hat immer denselben Anfang: Ungenaues Denken, Schönfärberei und Illusionen über das Zusammenleben mit Menschen, die den Westen hassen und verachten.

Worte bedeuten nichts mehr, Sprache ist ungenau, Begriffe lösen sich auf, Menschen werden erzogen, nicht zu sehen, was sie sehen: Importierte Gewalt beginnt mit politischer Korrektheit.

Das letzte Ziel der Partei in 1984 und der »regressive left« heute ist das Verbot, zu sehen, was man sieht und zu schützen, was man liebt; ihre erste Waffe ist das Auflösen von Sprache.

Könnte Sisto heute noch leben, noch Kaffee ausschenken und mit seinen Gästen etwas Lebensfreude teilen, wenn der Attentäter zuvor weniger »Toleranz« empfangen hätte?

Solange es in der öffentlichen Debatte akzeptiert (oder sogar gefeiert und belohnt) wird, wenn Politiker und Prominente ungenau reden, wird das Leid mehr werden.

Solange im Westen getan wird, als könne man sogar bekennende Terror-Freunde durch Willkommenskultur und Toleranz irgendwie »integrieren«, solange wird es im Westen mehr Terror und mehr Tränen geben.

Solange man nicht zugibt, dass eben nicht alle Kulturen und Denkweisen gleich »gut« sind (siehe auch: Ja, es gibt Kulturen, die sind »besser« als andere), und solange man aus solcher Erkenntnis nicht wirksame Konsequenzen zieht, solange werden die Konflikte zwischen den Kulturen mehr, heftiger und tödlicher werden.

Der Westen steuert auf seinen eigenen Untergang zu, wenn und weil er nicht das Ausmaß dessen begreift, was seine »Eliten« ihm durch Ungenauigkeit und politisch korrekte Lügen angetan haben. Das Überleben des Westens hängt an einer simplen Frage: Werden wir es schaffen, das Geschwafel der Linken und Lügner zu überwinden, bevor es zu spät ist?

Ein Problem, das durch Ungenauigkeit, (Selbst-) Lügen und süße Illusionen entstanden ist, wird gewiss nicht durch mehr Ungenauigkeit, mehr Lügen und noch klebrigere Illusionen gelöst!

Je länger wir in die finstere Höhle von Unwissen, Unehrlichkeit und Ungenauigkeit marschieren, umso länger wird der Weg zurück.

Es heißt: Eure Rede aber sei »Ja, Ja« und »Nein, Nein« (Mt 5:37) – alles andere, alles Geschwafel, alle Ungenauigkeit, alle politische Korrektheit, alle Verharmlosung und alle Beschwichtigung, all das ist vom Bösen – und führt zum Bösen.

»Ein Vorgang muss zunächst begriffen werden, damit man auf ihn einwirken kann«, sagt Ernst Jünger im Waldgang. Wenn wir die Richtung wechseln wollen, wenn wir auf die Welt einwirken wollen, dann ist es notwendig, zunächst den Vorgang zu begreifen – um aber den Vorgang zu begreifen, muss man sich genaue Sprache und ehrliche Begriffe angewöhnen.

Willst du die Welt zum Besseren verändern? Sprich genau, denke präzise, und fordere eben solches von den Mächtigen!

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