Ich verstehe Philosophie als die Kunst, Fragen richtig zu formulieren. Was sind »richtige Fragen«, fragen Sie? Ausgezeichnete Frage! Eine »richtige Frage« ist eine »beantwortbare Fragen«! Nicht alle Fragen lassen sich beantworten, bloß weil sie gestellt wurden.

Ob es »dumme Fragen« gibt, überlasse ich anderen Instanzen. Es gibt aber definitiv Fragen, die»nicht richtig« sind. Manche Fragen sind bereits in Ihren Prämissen oder Formulierungen fehlerhaft. Das sind dann keine »fertigen« Fragen.

Eine solche »fehlerhafte« Frage ist: Kann Gott einen Stein erschaffen, der so schwer ist, dass er selbst ihn nicht heben kann? (Der Denkfehler an dieser Frage: Selbst wenn Gott das könnte, so könnten wir nicht sinnvoll darüber sprechen. Dieser Stein ist eine logische Unmöglichkeit, gegeben das Konzept eines allmächtigen Gottes. Die Frage ist also vergleichbar mit: »Kann Gott machen, dass 1+1=3 ist?« Die korrekte Antwort wäre: »Selbst wenn er es könnte, würden wir noch immer die Aussage nicht verstehen. Wir verstehen eigentlich nicht mal diese nicht-richtige Frage.«)

Die Philosophie (wie ich sie verstehe) versucht, Fragen »richtig« zu formulieren. Manche Fragen sind moralischer Natur. (Etwa: »Soll ich lügen, um ein Menschenleben zu retten?«) Andere sind fast schon praktisch. (Etwa: »Woher weiß ich, dass ich weiß, was ich weiß?«)

Es gibt eine simple, (hoffentlich) richtige Frage, in welcher die Philosophen eine schmerzhafte Wissenslücke der Wissenschaft aufgespitzt haben: Was ist Bewusstsein?

Der Philosoph David Chalmers hat es »the hard problem« genannt, frei übersetzt »das harte Problem«: Wir wissen nicht, was »Bewusstsein« ist.

In Ihrem Kopf »läuft ein Film« sagt Chalmers. Eine Stimme liest Ihnen vor, was ich hier schreibe. Wer ist diese Stimme? Wenn Sie sich umschauen an dem Ort, an dem Sie jetzt gerade sind, sehen Sie die Umgebung und werden sich der Umgebung bewusst. Was bedeutet das aber? Was ist Bewusstsein?

Wir wissen es nicht.

Aber es gibt einige »verrückte Ideen«, Bewusstsein zu erklären. Dazu zählen die Idee, dass das Bewusstsein einhergeht mit verbundener Information. Oder dass Bewusstsein eine eigene, fundamentale Zutat der Welt ist, und man sie hat oder nicht. Andere sagen, dass Bewusstsein erklärt sein wird, wenn man nur alle Eigenschaften des Gehirns wissenschaftlich erklärt haben wird. Eine dritte, attraktive Erklärung: Alles hat Bewusstsein, der Mensch wie der Stein, die Pflanze wie die Mikrobe – der »Panpsychismus«.

Vielleicht haben Sie selbst eine Idee, woraus Bewusstsein besteht, also was es ganz konkret ist.

Ich möchte an dieser Stelle aber auf dieses fast unerträgliche Nichtwissen hinweisen. Ihr Bewusstsein ist Ihr »Ich« – und Sie haben keine Ahnung, woraus Ihr Ich besteht.

An anderer Stelle sagte ich, dass Ich sei eine »Perspektive auf die Welt«. Das ist eine nützliche Erklärung, aber sie beantwortet nicht, was dieses »Sehen« aus einer bestimmten Perspektive ausmacht.

Sie wissen nicht, was Ihr Bewusstsein ist. Betrachten Sie dieses Nichtwissen als Übung. Sie wissen viel weniger, als Sie denken dass Sie wissen. Und doch arbeiten Sie an Ihrem Glück. Arbeiten Sie weiter am Glück, lassen Sie sich nicht davon abhalten, dass Sie nicht wissen, wer und was da eigentlich arbeitet.

Soweit es die größte aller Fragen, »wer oder was bin ich«, angeht, sind wir Zinnsoldaten in einer Nuss-Schale, schwimmend auf dem offenen Meer. Genießen wir den Wellengang, denn noch ist kein Ufer in Sicht.

Bonus: Video zu »The Hard Problem«