18.4.2019

Wenn Beilagen tun, als wären sie Hauptgericht, darf man es »Burger« nennen?

von Dushan Wegner, Lesezeit 4 Minuten, Bild von Erik Odiin
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Brüssel will nicht, dass Veggie-Burger so genannt werden. Männer sind jetzt Frauen (außer bei Quote), Unterwerfung ist Toleranz, Unrecht ist Recht, nur wenn gebratene Beilagen tun, als seien sie Hauptgerichte, das ist der Rubikon, da zieht die EU die Grenze!
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Wir haben es uns ja alle gefragt! Tag, Nacht und in der Dämmerung dazwischen haben wir uns gefragt: Wo ist die nicht-zu-überschreitende Linie, wo die Allwissenden, die über uns herrschen, die Reißleine ziehen?

Es verschwimmt ja alles immer mehr. Mitläufer nennen sich Rebellen. Hurra zu brüllen, wenn die Regierung es so will, nennt sich jetzt Zivilcourage und Jetsetter nennen sich Umweltretter. Männer werden jetzt Frauen genannt (und dürfen dann etwa im Sportkampf einer biologischen Frau den Schädel brechen), die politisch korrekte Illusion gilt als offizielle Wahrheit, und Unrecht wird zu Recht, wenn und weil das gesunde Elitenempfinden es so will. – Seit Jahr und Monat fragten wir uns: Wo ist die Grenze, wo verläuft der Rubikon, den zu überschreiten selbst ein ischiasgeplagter Caesar nicht wagen sollte? – Wir dürfen aufatmen. Wir dürfen unser Grübeln und damit endlich auch uns zur Ruhe legen – die Antwort, Bürger des Reiches europäischer Nation, die Antwort ist gefunden!

Abgeordnete des Landwirtschaftsausschusses im Europäischen Parlament, so wird berichtet (etwa in welt.de, 17.4.2019) wollen nicht mehr dulden, dass »Veggie-Burger« fürderhin »Veggie-Burger« heißen. Erwachsene Männer gehen mit kleinen Mädchen aufs Klo? Kein Problem, solange sie sich als ebensolche Mädchen »identifizieren«. Dreißigjährige werden als Minderjährige eingeschult? Geht klar. Das Symbol weiblicher Unterdrückung als neues Zeichen der Toleranz? Ja, das alles ist politisch korrekt, das muss so. Aber vegetarische Bratlinge einen Burger zu nennen? Das geht nicht. Das ist der Punkt, an dem die Weisen von Brüssel die Reißleine ziehen.

Dabei haben die armen reichen Veggie-Burger-Esser haben wahrlich schon genug eigene Probleme! Mal wird Kunststoff-Folie im Gesundbratling gefunden (produktwarnung.eu, 11.3.2019), mal nimmt sich FJ Wagner des Veggie-Burgers an (»Noch ist nichts beschlossen, aber es liegt in der Luft.«, bild.de, 21.1.2019) – man weiß nicht, was schlimmer ist – und nun das: Am 1. April 2019 (wann sonst?) beschlossen die Hohen Herren im fernen Brüsseler Schloss, dass es ganz doll schlimm gefährliche Irreführung sei, dass und wenn »Veggie-Burger« sich eben solche nennen. (Randnotiz: Die Schlagzeile »EU-Parlamentarier wollen „Veggie-Burger“ verbieten« ist auch nicht ganz richtig, passt aber in den Zeitgeist politischer Korrektheit, wo man den Begriff und dessen Realität verwechselt: Einen Begriff zu verbieten bedeutet nicht, das Phänomen selbst zu verbieten.)

Hat denn keiner Mitleid mit den Lebensabschnitts-Veganern? Dem Menschen ist es doch angeboren, nach tierischem Eiweiß zu verlangen! Ja, es ist ein Kuriosum, dass der Mensch sogar den Geruch verbrannten Fleisches – also etwa den Grill – als anregend empfindet, während andere Tiere davor fliehen würden. Fleischkonsum, so sagen Forscher, machte erst die Entwicklung des menschlichen Gehirns möglich. Als der Affe vom Baum stieg, da war er Pflanzenfresser, das stimmt, doch als sein Gehirn wuchs, und als er Werkzeuge und Schrift und Symphonien erfand, da fraß er Fleisch (siehe »Nur durch Fleischkonsum war die Menschwerdung möglich«, welt.de, 31.3.2016 – mehr zur Evolution des menschlichen Gehirns bei der Max-Planck-Gesellschaft, mpg.de). Wir wissen nicht genau, woran das Jahrtausendgenie Mozart starb, doch wenn es an Gegessenem lag, dann ist er womöglich an Trichinen (Fadenwürmern) im so sehr geliebten Schweinefleisch gestorben (siehe etwa bbc.co.uk, 11.6.2001) – Mozart ist nicht an Grünkernbulletten erstickt, so viel steht fest, so viel ist sicher, zumindest das.

Die Lust des Menschen am Verzehr von tierischen Eiweiß ist wahrlich groß! In ihrer Not vergreifen sich Mitbürger vegetarischen Glaubens an den Beilagen auf ihrem Teller, formen sie um, wie einsame Gefangene sich aus Pappmaché dies und das formen, und sie erklären den gebratenen Beilagenbrei zum Hauptgericht, wie der Pfarrer bei der Eucharistie das Trockengebäck zu einer ganz anderen Substanz erklärt.

Ich kann ja verstehen, dass solches Verhalten irritiert – ich weiß (gut gemachtes) Tofu und Falafel und diverse vegetarische Gericht indischer Herkunft durchaus zu schätzen – als eben solche! – und ich schmunzele zugleich über die Kuhfutterverwertung, und manchmal kaufe ich selbst einen Beilagen-Burger, und wenn er eben »Burger« heißt, warum nicht?

Doch, so viel Toleranz gelingt den gelangweilten Schlossbewohnern im fernen Brüssel nicht!

»Ordnung muss sein!«, so rufen sie schließlich und endlich – es ist Zeit, eine rote Linie zu ziehen, und die rote Linie verläuft beim Bratling!

Die grünen Besserwisser im Zeichen der Sonnenblume und die blauen Verbieter im Zeichen des Sternenkranzes geraten aneinander im Kampf über die Deutungshoheit ob gebratener Pflanzenklöße – wer sagt denn, dass EU-Politik nicht amüsant sein kann? Gelegentlich sinnlos und ressourcenverschwendend, sicher, aber amüsant!

Liebe Brüsseler Bratlingpolizei, entspannt euch mal. Beim Essen gilt, dass das, was man nicht isst, ebenso wichtig ist für die Gesundheit, wie das, was man isst – bei guter Politik ist ebenso.

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