Preis der Toleranz: Wenn Grundschüler kein Deutsch sprechen

8. Februar 2019, von Dushan Wegner; Bild von Michał Gałężewski
Schulanfänger ohne Deutschkenntnisse, Clans als Staat im Staate, und Migranten, die Integration komplett ablehnen – die totale Toleranz scheitert krachend! – These: Die Welt könnte so viel besser sein, wenn die »Guten« sie nicht so verhunzen würden.
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Nehmen wir an, Sie wünschen sich ein warmes, gemütliches Zuhause – wer würde sich das denn nicht wünschen?! – und Sie haben auch nichts gegen romantisch brennende Kerzen!

Nehmen wir aber weiter an, Sie hätten seit Wochen und Monaten alle Ihre Familienangehörigen davor gewarnt, immer wieder Kerzen unbeaufsichtigt im Regal brennen zu lassen, und die haben es doch getan, und nun brennt Ihr Haus – was tun Sie?

Sie könnten sagen: »Ich habe euch gewarnt, ihr habt es dennoch getan, und jetzt ist es zu spät!« – Dann würden Sie Ihre Mundwinkel nach oben kräuseln und Sie würden mit den Schultern zucken, und während Sie so Ihre zweifellos gerechten Vorwürfe signalisierten, würde Ihr einst schönes Haus niederbrennen.

Wäre das wirklich, was Sie tun würden? Oder würden Sie vielleicht schnell Ihre dummen Lieben samt Ihrer selbst in Sicherheit bringen, um dann gleich Ihr Bestes zu geben, zu löschen und zu retten, was noch zu löschen und zu retten ist? Würden Sie nicht, noch während es brennt, erwägen und planen, was und wo wieder aufgebaut werden kann?

In einigen Städten und Ecken Deutschlands, so kann man metaphorisch sagen, brennt es – und diejenigen, die richtig davor gewarnt haben und fürs Warnen übelst beschimpft wurden, müssen sich die Frage stellen, wie sie darauf reagieren.

»Tolerant und vielfältig«

Oberbürgermeister Sören Link (SPD) ist stolz: »Duisburg ist eine tolerante und vielfältige Stadt« (duisburg.de). Duisburg erhält Mittel im Rahmen der Propaganda-Kampagne »Demokratie leben!«; Zitat eines Dezernenten: »Ich bin stolz darauf, dass sich so viele Menschen in unserer Stadt für eine tolerante und weltoffene Gesellschaft einsetzen und hoffe auf weitere Fördermittel für dieses Programm«, siehe duisburg.de.)

Die Toleranz ist eine Münze mit zwei Seiten; die glänzende Seite ist das wohlige Gefühl im linken Bäuchlein, wenn es sich selbst für »tolerant« erklärt und damit moralisch maximal über jede andere Sicht erhebt – die andere Seite der Toleranzmünze, die Seite die immer erst einige Jahre später entdeckt wird, aber dann zuverlässig, ist etwa diese:

Immer weniger Kinder in Duisburg beherrschen die deutsche Sprache. (…) Der Anteil der Kinder, die bei den Schuleingangsuntersuchungen ein fehlerfreies Deutsch vorweisen konnten, lag demnach im Jahr 2017 stadtweit nur noch bei 8,2 Prozent. Der Anteil angehender i-Dötzchen, die überhaupt kein Deutsch beherrschen, lag dagegen bei 16,4 Prozent. (rp-online.de, 8.2.2019)

Das Problem ist recht einfach zu benennen: Man hat Menschen nach Duisburg geholt, in deren kulturellem Code eben das Lernen nicht denselben Stellenwert hat wie in anderen Kulturen – via Toleranz und politische Korrektheit hat man sich in die Illusion hineingezwungen, alle Kulturen seien gleich viel wert, gleich gut, gleich förderlich – eine Lüge.

Was unterscheidet denn jene Kinder etwa von meinen (Deutsch, Englisch und Spanisch gesprochen, gelesen und geschrieben, außerdem etwas Tschechisch und Chinesisch)? Es ist gewiss nicht die Genetik und auch nicht die »Chancen« – wir kamen bettelarm nach Deutschland und für uns gab es keine milliardenschweren Integrationsprogramme, keine Tschechenkonferenz, keine Willkommenskomitees am Bahnhof – nein, zu lernen ist eine tägliche Entscheidung: Lernen oder TV aus der Heimat? Lernen oder am Smartphone daddeln? Den Abend mit Buch und Wörterbuch (heute: dict.leo.org) daheim am Tisch verbringen, oder mit anderen Ausländern über Deutschland jammern, in der Muttersprache natürlich? Sich über Jahre hinweg mühsam gewissen Respekt erarbeiten wollen, oder mit Gewalt und Einschüchterung einen substanzlosen Gratis-Respekt einfordern? Et cetera.

Es gilt: Je tolerant, desto Lernprobleme. »Schwere Defizite bei Berlins künftigen Erstklässlern« heißt es etwa aus dem rot-rot-grünen Berlin (tagesspiegel.de, 7.2.2019).

Die automatische Verbindung von »tolerant und vielfältig« ist eine oft wiederholte orwellsche Unwahrheit. Wer zu sehr liebt, der wird den oder die Geliebte bald vergraulen. Wer zu sehr toleriert, der wird bald alle Vielfalt verlieren. In der totalen Toleranz setzt sich am Ende stets der Intoleranteste durch. Wo man alle Kulturen gleich »respektiert«, da setzt sich eben die Kultur und Denkweise durch, der es gelingt, mit dem geringstem Aufwand die größte Machtfülle zu erreichen, und das gilt für alle konkurrierenden Systeme, von Weltreichen bis hin zu Tierarten, und für Denkweisen sowieso.

In Duisburg und Berlin passiert, was wir ahnten, dass passieren würde – die Kinder sind auch die Opfer linker Toleranz, und allein deshalb verbietet sich mir jeder Hohn.

Die armen Kinder, die mit schwerer Last ins Leben starten, sie sind zuerst die Opfer von delirierenden Gutmenschen, welche im Geist des »Multikulti« lernabstinenten Kulturen gegenüber »tolerant« waren.

Null-Toleranz gegen Folgen von Super-Toleranz

Aus NRW und anderen Hochburgen der Toleranz lesen wir von Clan-Kriminalität, und die Familiennamen dieser Clans sind weder Maier noch Müller, auch nicht Pipovic oder Kulitschka. Die Ermittler sehen »familiäre Zusammenhänge« (welt.de, 7.2.2019), und sie sind recht ratlos: »In einen Clan werde man hineingeboren und in ihm sozialisiert«, sagen sie, und: die Clans »fordern den Rechtsstaat auf offener Straße heraus und demonstrieren so ihre Verachtung« – daher »dürfe nicht das Faustrecht herrschen, sondern das Recht«. (Man könnte fragen, ob Merkels Grenzpolitik von 2015 nicht auch eine Art von »Faustrecht« war, ober eben ein »Anwesenheitsrecht«.)

Welche Strategie fahren nun, wo es fast zu spät sein scheint, die Staatsanwälte? Eine »Null-Toleranz-Strategie« (übrigens auch gegen Islamisten in Moscheen, siehe etwa welt.de, 13.11.2018) – Die »Null-Toleranz-Strategie« gegen die supergefährlichen Folgen der Toleranz? Mit der Toleranz ist es wie mit dem Ignorieren von Karies: Je länger Sie es versuchen, umso schmerzhafter und teurer wird die Reparatur werden.

Kein Interesse?

Integration ist ein Millionen-Business, und es gibt wenig Mangel an Angeboten:

Im Jahr 2014 hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) 244 Millionen Euro für die Finanzierung von Deutsch-Integrationskursen ausgegeben. 2015 waren es 269 Millionen. Jetzt soll sich dieser Betrag beinahe verdoppeln: Im Haushalt für 2016 sind 559 Millionen vorgesehen. Hinzu kommen zusätzliche Gelder von der EU und unzählige Einzelinitiativen. (faz.net, 18.2.2016)

Wie es aber so ist mit Angeboten – sie sind am Ende des Tages nur so viel wert wie die Nachfrage.

Der Präsident des Städte- und Gemeindebundes klagt:

Der Großteil der Zugewanderten hat an unseren Angeboten kein Interesse. (welt.de, 8.2.2019)

Kann es sein, dass es eine kulturelle Sache ist? Die einen Familien besuchen Bibliotheken und Kurse der Volkshochschule, und sind euphorisch ob der Möglichkeit, die anderen nicht – warum?

Während man anderswo in Deutschland noch ringt, haben in NRW einige den Anschluss an weltweite Bildungsstandards bereits aufgegeben. Tayfun Keltek (SPD) plädiert dafür »den Englisch-Unterricht an Grundschulen ganz abzuschaffen – nicht nur in den ersten beiden Schuljahren« (ksta.de, 8.2.2019); Keltek ist Vorsitzender des Landesintegrationsrats NRW, doch ich bin nicht sicher, ob es der Westen ist, in den er die neuen Grundschüler integrieren will.

Im Nachhinein

Selbstverständlich hat derjenige, der vorm Feuer warnte, ein Recht darauf, im Nachhinein jene zu beschimpfen, die das Feuer zuließen! Schimpft! Flucht! Grimassiert und haltet freche Finger in Luft! – Doch sollten wir nicht zuerst helfen, das Feuer zu löschen? Und: retten, was noch zu retten ist?

Wir könnten es uns einfach machen, und wir könnten sagen: »Wir lagen richtig, die lagen falsch, und jetzt ist es zu spät.« – In mindestens einer Hinsicht würden wir auch darin wieder richtig liegen, keine Frage, doch was wäre gewonnen?

Ich teile ja mit den selbsternannten Guten und Toleranzbesoffenen die Sehnsucht nach einer guten, friedlichen Welt, in der die Menschen einander verstehen, einander wertschätzen und in Harmonie jeder sein Glück finden darf – so weit sind wir uns einig!

Nicht die Sehnsucht nach Frieden und Harmonie unterscheidet mich von den Gutmenschen, sondern die Prämissen und die Methoden für den Weg dorthin.

Prämissen und Methoden

Ich teile die Prämissen der gefährlichen Toleranzträumer nicht. Ich halte nicht alle Kulturen für gleich gut, gleich respektabel oder auch nur für ungefährlich. Eine Kultur, in der Frauen zu Objekten degradiert werden und man sich Respekt mit Einschüchterung statt mit Dienst an der Gesellschaft erarbeitet, ist nicht gleich gut wie eine, die Frauen und Männer als gleichwertig behandelt, und das Lernen und den Dienst an der Gesellschaft fördert.

Ich teile die Methoden der Gutmenschen nicht. Ich könnte kaum lauter gegen die Prämisse der politischen Korrektheit anschreien, wonach Probleme und Unterschiede verschwinden, wenn man nur ihre Benennung verbietet; das Gegenteil ist der Fall – fragen Sie die Grundschulen in Duisburg oder Berlin

Nur etwas Wärme

Das Haus wurde angezündet von Leuten, die sich einfach nur etwas Wärme wünschten, doch die lästigen Warnungen vor den Flammen als »Populismus« abtaten. Wollten die Gutmenschen denn, dass es brennt, dass Clans einen Staat-im-Staate betreiben, dass Schüler mit schwerer Last ins Leben starten, dass Rettungskräfte um ihr Leben fürchten? Nein, sie wollten es nicht, sie wollten aber auch nicht hören, wenn man sie darauf hinwies, dass es passieren könnte.

»Ist mir egal, ob ich die Kerzen habe brennen lassen«, sagen die aggressiv Unvorsichtigen, »jetzt ist das Feuer halt da.«

Ich bin zuerst einmal von derselben Sehnsucht erfasst wie jene, welche Deutschland und Europa dieses Leid eingebracht haben, oh ja! Doch gerade, weil es mir ernst ist, verweigere ich mich gutmenschlicher Moral-Besoffenheit und prämissenfalschen Toleranz-Illusionen.

Es wird derzeit täglich schlechter, weil die Guten das Böse nicht wahrhaben wollten. Ja, wir sind die, die richtig lagen, doch was wird es uns bringen, darauf herumzureiten?

Eine bessere Welt ist möglich – und die Arbeit an einer besseren Welt beginnt heute damit, die »Guten« davon abzuhalten, die Welt schlechter zu machen!

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