Warum ignorieren wir heute die Rolle kindlicher Prägung?

18. November 2018, von Dushan Wegner; Bild von Brut Carniollus
Vor kurzem war allgemein bekannt, wie frühe Prägung den Menschen fürs Leben, eben: prägt. Wenn heute junge Männer aus Krisenzonen einwandern, gilt das angeblich nicht mehr? Sind die nicht »geprägt«? – Der Westen wird dümmer – und damit verwundbarer.
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Vieles erscheint uns heute rätselhaft am Mittelalter – genauer: an unseren Erzählungen vom Mittelalter. Der Glaube wie der Aberglaube. Die Geringschätzung des menschlichen Lebens. Und, vor allem: Wie kann es sein, dass ein ganzer Kontinent vergaß, was er zuvor wusste?

Auch die Geschichte des Geistes wird von den Gewinnern geschrieben. Das Mittelalter war in vielen Aspekten »dunkel«, kein Zweifel, doch die Renaissance hat als kultureller Gewinner manchen Schatten der überwundenen Epoche nochmal nachgedunkelt.

Inzwischen revidieren Historiker einige Aspekte unseres Bildes vom Mittelalter – freilich nicht alle. Nach dem Kollaps des Römischen Reiches sank das Bildungsniveau in weiten Teilen Europas tatsächlich dramatisch, und neue Erkenntnis wurde (wenn überhaupt) eher im Landwirtschaftlichen gefunden – mit knurrendem Bauch und Angst vorm Krieg philosophiert es sich schlecht.

Selbst wenn wir heute grob skizzieren können, wie Machtverschiebung das Mittelalter einleitete, so hilft das Verstehen nicht über die schmerzhafte Frage hinweg, was alles hätte sein können. Wo wäre die Menschheit heute, wenn das Wissen Europas nicht jahrhundertelang in Klöstern und Kirchen weggeschlossen gewesen wäre? – Es ist eine kontrafaktische Frage: sie fragt nach etwas, was nicht war, aber hätte sein können … wenn, ja wenn die Welt eine andere gewesen wäre.

Eine andere Frage, nicht minder ausgedacht, doch eben auf diese Möglichkeits-Dimension zielend, ist diese: Was dachten und wie fühlten sich eigentlich die letzten denkenden Gelehrten zu Beginn des Mittelalters (so die eindringenden Stämme sie am Leben gelassen hatten). Was sagten sie zu sich selbst, als die Gesellschaft um sie herum mit der materiellen auch in die geistige Armut verfiel?

Widerspruch und Glaubenssatz

Wenn wir an Mittelalter denken, denken wir an Glauben und an Dogmen. Die heiligsten der Dogmen können komplett widersprüchlich sein, und gerade an diese zu glauben erfüllt manchen Gläubigen mit einem wohligen Vernunftgruseln. Masochismus ist die Freude an Schmerz und Unterwerfung, an widersprüchliche Dogmen zu glauben ist der Masochismus der Vernunft.

Ich habe immer wieder davor gewarnt, dass das sogenannte »Gutmenschentum« eine Rückabwicklung der Aufklärung darstellt (siehe etwa »Ja, es gibt Kulturen, die sind besser als andere«, »Nehmt Abschied, nehmt Abschied vom alten Europa« oder »Gutmenschen riskieren das Leben anderer Leute«).

»Jesus ist Gott und Mensch zugleich«, »Brot ist Fleisch« oder »Gott ist allgütig und allmächtig, und dennoch gibt es Leid auf der Welt« – diese und viele weitere Widersprüchlichkeiten soll der Gläubige akzeptieren.

Es ist ein Zeichen der Loyalität und Unterwerfung, seinen Verstand zum Glauben eines Widerspruchs zu verbiegen. Es erfüllt den Gläubigen mit geradezu erotischem Machtgefühl, dem »Ungläubigen« unter Androhung von Gewalt oder Ausstoßung, aufzwingen zu können, sich öffentlich zu einem Widerspruch zu bekennen.

Auch heute gibt es neue unbewiesene und widersprüchliche Glaubenssätze, die nicht zu glauben gefährlich ist. Einer davon war: »In Chemnitz fanden Hetzjagden statt« (siehe: »Berliner Inquisition, Maaßen und die Scheiterhaufen des Wahrheitssystems«).

Der neueste widersprüchliche Glaubenssatz, den anzuzweifeln dich zum Ketzer macht, lautet: Der UN-Migrationspakt ist rechtlich unverbindlich, darum kann Deutschland ihn unterschreiben – und er verpflichtet alle anderen, sich besser um Migranten zu kümmern.

Deutschland dem UN-Migrationspakt zu unterwerfen wird wohl Merkels letzter großer Akt sein – drei Tage nachdem beim CDU-Parteitag ihr Nachfolger gewählt wurde, stets voraussetzend, dass sie nicht doch an der Macht bleibt, wegen »Pflichtgefühl« und »alternativlos« und so. Merkel tingelt mit postlogischen Sätzen wie »Dieser Pakt lässt uns alle Souveränität, und gleichzeitig verpflichtet er andere, sich besser gegen Menschen zu verhalten« durch die Republik, noch nie war ein Politiker so nah am »2 plus 2 gleich 5«.

Doch, das sind alles Momentaufnahmen. Es gibt ein penetranteres Dogma, das so selbstverständlich vorausgesetzt wird, dass wir a) es kaum noch sehen, und dass wir b) vergessen könnten, dass alle Evidenz und einige wissenschaftliche Forschung diesem Dogma widersprechen.

Geprägte Eigenschaften

2006 gab der Psychologe Wolfang Schneider der ZEIT ein Interview, das trug den Titel:

»Der Weg ist vorgezeichnet – Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans oft nur schwer«. (zeit.de, 13.7.2018)

Der Forscher kommt zum Ergebnis, dass für den Erfolg im Leben die frühkindliche Prägung weit wichtiger ist als spätere Erziehung oder sogar Genetik. Selbst Menschen mit einem durchschnittlichen IQ (ich verstehe »IQ« einfach als rohe Rechenleistung) können überdurchschnittliche Mathematiker werden, wenn die Prägung stimmt (die Prägung wäre so etwa wie das BIOS des Menschen, das Betriebssystem unterm Betriebssystem).

Es passt gut zur Theorie meiner Relevanten Strukturen, wenn der Psychologe den Zusammenhang des Verhaltens im Kindesalter mit dem Verhalten als Erwachsener feststellt:

Schneider: (…) Aber ansonsten tut sich zwischen 16 und 23 Jahren erstaunlich wenig. Wir dachten, da verändert sich mehr.

ZEIT: Wo zum Beispiel?

Schneider: Etwa in der Moralentwicklung. Da unterscheidet man zwei Dinge: das Wissen um Regeln und die innere Motivation, nach ihnen zu handeln. Wann wissen Kinder also, dass man eine Schokolade nicht stehlen darf? Und wie lange sagen sie: Der Dieb fühlt sich aber dennoch gut? In den Lehrbüchern steht, dass beides – Regelwissen und Regelmotivation – gleichzeitig wächst. Die Annahme hat sich aber so nicht ganz bestätigt. Bei allen Kindern steigt zwar die Kenntnis über das, was erlaubt ist und was nicht. Auch wächst die moralische Motivation, die Normen nicht zu übertreten. Bei einer nicht kleinen Gruppe von Kindern entwickelt sie sich im Zeitraum zwischen 8 und 17 Jahren nicht weiter, sie sinkt sogar. (zeit.de, 13.7.2006)

Lesen Sie das Interview selbst, zeit.de, 13.7.2006, ich wäre nicht sicher, dass es heute noch so abgedruckt werden dürfte.

Junge Männer

Ich habe eine schlichte Frage, welche den ganzen tödlichen Irrsinn linksgrünen Gutmenschentums merkelscher Spielart offenbart: Wenn Menschen im Kindesalter fürs Leben geprägt werden, was bedeutet es für die Zukunft Deutschlands und Europas, wenn hunderttausende oder gar millionen junger Männer via NGOs und Schleppern nach Europa gebracht werden?

Das obige Interview schließt mit den Worten:

»Die Basis an Grundfähigkeiten lässt sich besonders gut in den ersten Jahren legen. Da müssen wir ansetzen.« (zeit.de, 13.7.2006)

Im Text »23% für die Grünen ist ein Alarmsignal« habe ich dargelegt, wie die Grünen einer Sekte ähneln, und Sekten haben die Eigenschaft, logisch widersprüchliche oder schlicht irre Dinge zu glauben. Solange sie »nur« die Umwelt retten wollen, indem sie Wald roden und Vogeltötungsmaschinen installieren, sind es eben »nur« Vögel; sogar wenn Solaranlagen die Vögel im Flug grillen, handelt es sich »nur« um Tiere – spätestens aber wenn Menschen sterben, sollten wir genauer auf die Widersprüche schauen, die Linksgrüne und Globalisten glauben.

  1. Wissenschaftler (und Globalisten/Linke im Hinblick auf die eigenen Kinder) sind sich einig, dass frühe Prägung ganz wesentlich den späteren Lebensweg bestimmt.
  2. Was junge Männer aus anderen Kulturen angeht, tut man, als spiele frühe Prägung keine wichtige Rolle.

Der Realität ist es egal

Die Schwaben essen bekanntlich gern Maultaschen (Proteine und tierisches Fett eingewickelt in Kohlenhydrate, wer würde das nicht mögen?), und wissen Sie, wie dieses leckere Gericht auch noch genannt wird? »Herrgottsbscheißerle«!

An Gründonnerstag oder Karfreitag sollte der anständige schwäbische Katholik kein Fleisch essen – wehe wenn der liebe Herrgott so etwas sähe! Also, damit der allwissende, aber erstaunlich kurzsichtige Alte-Mann-im-Himmel nicht sieht, dass man Tierkörper zu sich nimmt, wickelt der »Cleverle« es in Nudelteig ein, daher der Name »Herrgottsbscheißerle«. – Die Logik und die Realität sind weniger flexibel als der Gott der Schwaben.

Die Migrationsfantasien von Linksgrünen und Globalisten führen bereits zu Spaltung, Unruhe und Leid – und sie werden zu noch viel mehr Leid führen. Wenn Nachrichtenmeldungen den Ausdruck »junge Männer« enthalten, erwarten wir schon jetzt, dass bald der Aufruf folgen wird, dass es »gerade jetzt« sehr wichtig sei, »gegen Rechts« zusammenzuhalten, damit »die Populisten« »diese abscheuliche Tat nicht für ihre Hetze instrumentalisieren«.

Man ahnt ja, dass »etwas nicht stimmt«, doch was man dagegen tut, ist so hilflos, dass es fast schon niedlich ist. In der Schweiz gibt es »Hip-Hop-Workshops« für Flüchtlinge (bernerzeitung.ch, 15.9.2017), in Deutschland macht man gleich »Flirtkurse« (Zitat 1: »Küsst erst mal ihren Hals, bevor ihr ihre Brüste berührt.« – Zitat 2: »… wie könnte Integration besser gelingen als mit einer deutschen Freundin?« – Zitat 3: »Heiraten wollen die nur eine muslimische Jungfrau«, siehe: faz.net, 13.7.2017).

Wir sind einst so viel klüger gewesen. Wir haben einst wichtige Dinge gewusst, die uns heute via Dogma abtrainiert werden sollen – man kann es unter dem Stichwort »Prägung« noch immer nachlesen: »Prägung nennt man in der Verhaltensbiologie eine irreversible Form des Lernens« beginnt heute (18.11.2018) der deutsche Wikipedia-Artikel zur Prägung – wann wird er politisch korrekt in politisch korrekte Gegenteilwahrheit umgekehrt?

Die neue, postfaktische Wahrheit sollte sein: »Prägung, wie auch das Geschlecht, sind jederzeit frei wählbar; Wissenschaft, die etwas anderes feststellt, ist rechtspopulistische FakeNews.« – Beim Deutschlandfunk wird etwa unter Titeln wie »Warum unsere Identität sich ständig wandelt« geschwurbelt, der Mensch könne sich »immer wieder neu erfinden«, was angeblich vor allem »rechtspopulistische Gruppen« nicht wahrhaben wollen, weil sie » soziale Identitäten von Menschen häufig auf individuelle Charaktereigenschaften« zurückführen – bewerten Sie den Text selbst: deutschlandfunkkultur.de, 17.8.2017. – Ich bin mir nicht sicher ob sich solche neuen fluiden Identitäts-Konzepte auch bei den Erdoğan-Wählern herumgesprochen haben, die in dritter Generation in Deutschland leben und dennoch eher traditionell geprägt sind…

Und nun?

Im Text »Was ist die wichtigste menschliche Fähigkeit« habe ich ein Denkexperiment gewagt, und gefragt, welche Fähigkeiten man Menschen nach einer Apokalypse beibringen sollte. Als erste Fähigkeit hatte ich die Kunst des präzisen Denkens vorgeschlagen.

Als durchaus verwandte zweite Fähigkeit schlage ich vor: Die Gewohnheit, Fakten auch dann anzuerkennen, wenn sie uns nicht passen – oder, kürzer: Sei realistisch!

Wenn du dich im Streit mit der Realität befindest, wird die Realität gewinnen – immer und ausnahmslos.

Ich teile mit jenen, die sich »gut« finden, den Wunsch, gemeinsam in einer friedlichen Welt zu leben, wo ein Mensch den anderen respektiert, wo »alle Menschen Brüder werden« – und Schwestern. Doch ich bin mir ganz sicher, dass es mehr Realitätssinn braucht, um auch nur in der Richtung dieses Zieles voranzukommen, nicht weniger.

Die Realität ist, dass frühe Entwicklungen uns prägen. Sicher, eingebettet in großen Gruppen können einzelne Menschen ihre Prägung unterdrücken und die nächste Generation kann – wenn die Eltern sich aktiv darum bemühen! – bereits »westlich« geprägt sein.

Zwei und zwei ist nicht fünf, egal wie oft Merkel oder das GEZ-TV es uns einbläuen. Die Bedeutung kindlicher Prägung ist nicht plötzlich aufgehoben, nur weil Globalisten beschlossen haben, Migration zu pushen.

Dies scheinen mir zwei gute Regeln zu sein, die ersten zwei Denkwerkzeuge für den geistigen Wiederaufbau: 1.: Denke präzise!, und 2.: Sei realistisch!

Guter Text?

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