Hütet euch vor Leuten, die den Planeten ordnen wollen

11. Dezember 2018, von Dushan Wegner; Bild von Ryan Lum
Merkel will »den Planeten besser machen«, doch Bürger daheim haben Angst, und Polizisten bekommen die neuen Krisen immer schwerer in den Griff. Merkel ist wie einer, der sein Haus in Flammen setzt und die Nachbarschaft einlädt, sich am Feuer zu wärmen.
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Es gibt die Menschen, die sehr schnell »Verschwörungstheoretiker« brüllen und auch sonst jede Hinterfragung von Regierungshandeln mit den Phrasen abtun, die ihnen Journalisten und Propagandisten vorsagen. Und dann gibt es die Leute, welche sich selbst die Quellen vornehmen und eigene Gedanken dazu machen, die neuen Häretiker und Ketzer. Wir wollen versuchen, zur Kategorie der Selbstleser zu gehören, Mitläufer und Nachschwätzer gibt es genug.

Beispiel: Anders etwa als mancher Politiker, der sich öffentlich auf Jesus beruft, habe ich die Bibel studiert, und ich habe sie auch heute als E-Book stets auf meinem Reader dabei und lese regelmäßig in ihr – es wirkt auch wenn man nicht dran glaubt. Anders als wohl die meisten Migrationspakt-Hinnehmer habe ich das Dokument sorgfältig gelesen (siehe meine Anmerkungen) und mir Meinungen von unabhängigen Experten eingeholt. Und, anders als mancher Soros-Fan habe ich immerhin mehrere (wenn auch nicht alle) der Bücher von ihm und über ihn gelesen. (Notiz: Wissen Sie, wer mir mehr Sorgen bereitet, als Menschen, die Soros huldigen, aber seine Bücher nicht gelesen haben? Menschen, die seine Bücher gelesen haben und ihm folgen.)

Ich halte George Soros und auch Angela Merkel nicht für die »Strippenzieher«, als die sie sich selbst gelegentlich darstellen, dagegen spricht schon jene kluge Regel des Laotse: Der Name, den du nennen kannst, ist nicht der richtige Name. (andere Übersetzung: »Der Name, der sich nennen lässt, ist nicht der ewige Name.«, siehe Tao te king von Laotse.) – Hier und mir geht es um Ideen. Auch politische Ideen werden von Menschen vertreten und verbreitet, also bleibt uns nichts anderes übrig, als von der Idee und ihrem Träger zugleich und zusammen zu sprechen, zumal die hier behandelten Ideen-Verbreiter nachdrücklich sicherstellen, dass sie selbst und die von ihnen verbreitete Idee untrennbar verwoben sind (zum Beispiel wenn sie persönlich bei Politikern vorstellig werden, und dann stolz der Welt davon berichten – siehe z.B. @AlexanderSoros, 11.11.2018).

Im Buch »Alchemy of Finance« (1987, 2003) findet sich eine interessante Passage, die ich hier aus dem englischen Original frei übersetze. (Sie können sie selbst via Google Books nachlesen.)

»Ich betrachtete mich als eine Art von Gott oder als ein ökonomischer Reformer wie Keynes (jeder mit seiner General Theory), oder, noch besser, als ein Wissenschaftler wie Einstein (Reflexivität klingt wie Relativität). Mein Realitätssinn war stark genug, mich einsehen zu lassen, dass diese Erwartung übertrieben war und ich behielt sie als sündiges Geheimnis. Als ich mich in der Welt durchsetzte, kam die Realität der Fantasie nahe genug, mein Geheimnis zu gestehen, zumindest mir selbst gegenüber. Es muss extra nicht betont werden, dass ich mich als Ergebnis viel glücklicher fühlte.« (George Soros, »Alchemy of Finance« (1987, 2003), S. 372)

Ein reicher Mann, der sich als Reformer, Gott und größter Wissenschaftler aller Zeiten sieht? Ein sehr reicher Mann, der meint, die Realität sei nah genug an der Idee, dass er Gott und/oder Einstein sei? – Im Englischen fragt man ironisch: What could go wrong? – Na, immerhin fühlt sich Soros jetzt glücklich.

Den Planeten!

In Hollywoodfilmen wollen, warum auch immer, die Schurken immer selbst vor Ort sein, wenn sie ihr zerstörerisches Werk vollenden. Das macht es den Drehbuchschreibern einfach, den Helden erst das Unglück verhindern und dann den Übeltäter zur Verantwortung ziehen zu lassen.

Als Deutschland in Marrakesch dem Migrationspakt unterworfen wurde, ließ Merkel es sich nicht nehmen, persönlich anzureisen (diesmal funktionierte das Flugzeug immerhin), Islamisten zu grüßen und ihre Vision für die Welt darzulegen. Nun ist das Leben kein Hollywoodfilm und Merkel kein Schurke (lediglich eine Frau, die sich sehr gründlich verlaufen hat), beides zusammen schließt aber auch aus, dass kurz vor Filmschluss ein Held kam und den großen Fehler verhinderte.

Viele deutsche Bürger fragen sich, was Merkel um aller höheren wie niederen Mächte willen denn antreiben mag, doch in Marrakesch gab sie Einblicke in ihr Denken, welche die Geschichtsbewussten und Rationalen unter uns erschaudern lassen.

Sie implizierte, ganz im Stil halbwahrer Propaganda, wer »Gegner dieses Paktes« sei, würde »Falschmeldungen in Umlauf« bringen (@RegSprecher, 10.12.2018) – all die Juristen und Politiker, von Israel bis hin zu manchen jener Länder, in welche Deutschland letztes Jahrhundert einmarschierte, alle ihre Einschätzungen basieren also auf Falschmeldungen? Warum bloß greift die einstige FDJ-Sekretärin auf die unehrliche Sprache der Propaganda zurück? Etwa weil sie weiß, dass sie falsch liegt?

Merkel spricht zur UN, sagt sie, als »Repräsentantin eines Landes, das in der damaligen Zeit durch den Nationalsozialismus unendliches Leid über die Menschheit gebracht hat« (@RegSprecher, 10.12.2018). – Ich dachte, Merkel sei zuerst die Repräsentatin und Kanzlerin der heute lebenden Deutschen, und Staatschef des NS-Regimes sei jemand anderes gewesen, aber gut, die Diktatoren und Journalisten werden es mögen. Oder bezieht sie sich gar auf die Theorien, wonach das Deutsche Reich nie unterging (siehe z.B. faz.net, 17.11.2016)? Nein, nein, wir wissen schon, was sie meinte.

(Übrigens, sollten Sie doch zu denen gehören, die sich am Schillern wilder Theorien erfreuen, achten Sie einmal auf das offizielle Logo des »Global Compact for Migration«: Es sind die Umrisse des islamischen »Rub al-hizb« (siehe Wikipedia), mit welchem, unter anderem, im Koran das Ende eines Abschnitts angezeigt wird. Soll etwa der demokratisch fragwürdige Pakt einen Abschnitt beenden? Welchen? Ts, ts, tz, verlaufen wir uns nicht!)

Merkel will ein »klares Bekenntnis zum Multilateralismus« ablegen, sprich, die gewohnheitsmäßige Verpflichtung mehrerer Staaten auf ein gemeinsames Ziel. Nur durch Multilateralismus, sagt sie, werde man »unseren Planeten besser machen können, dem fühlt sich Deutschland verpflichtet« (@RegSprecher, 10.12.2018).

Räusper, einen Moment bitte, eine Rückfrage, falls wir noch dürfen: Deutschland fühlt sich wem verpflichtet? Nur dem Multilateralismus oder gleich dem Anliegen, den »Planeten besser machen« zu können?

Es wurde versucht

Sorry, es wurde in der Geschichte schon versucht, dass Deutschland »den Planeten besser macht«, und ich rate, davon so weit zu bleiben wie irgend möglich. (Die Ironie könnte gar nicht bitterer sein: Wenn Deutschland den Planeten im Blick hat, leiden bei ihr daheim Juden unter den Folgen deutscher Politik. Im Deutschland der Planetenretterin Merkel haben manche Juden es inzwischen aufgegeben, antisemitische Übergriffe überhaupt der Polizei zu melden, siehe z.B. faz.net, 11.12.2018.)

Es gibt ja Figuren, denen wir zuschreiben, den ganzen Planeten retten zu können, zumindest metaphysisch, im Christentum berühmterweise etwa Jesus aus Nazareth. Ich bin mir nicht sicher, ob es für einen deutschen Politiker – oder irgendeinen anderen Politiker, wenn wir schon dabei sind – eine gute Idee wäre, sich in die Reihe der Erlöser und Weltenretter einreihen zu wollen.

Während Merkel ihre Visionen für den Planeten darlegt, leidet Deutschland ganz unvisionär weiter an den Folgen von Merkels Welteinladung. Im Ankerzentrum Bamberg waren heute morgen immerhin 100 Polizeibeamte im Einsatz und neun Männer wurden festgenommen. » Flüchtlinge bewerfen Polizisten mit Pflastersteinen«, heißt es, und: »Spezialeinheit im Einsatz« (bild.de, 11.12.2018). Und dann die viele »kleinen« Meldungen, etwa: Die Polizei sucht Zeugen für den Überfall auf eine 81-Jährige (Polizei Dortmund, 10.12.2018), in Ludwigsburg rätselt man, was zur Messerstecherei im Flüchtlingsheim führte, die anschließend den Rettungsdienst beschäftigte (Polizeipräsidium Ludwigsburg, 10.12.2018), und so weiter, und so fort.

Es soll ja passieren, dass Machthaber ihren Macht- und Einflussbereich ausdehnen wollen, doch dass sie es tun, während der eigene Laden nicht ganz ohne ihr Verschulden brennt, das ist dann doch kontrovers (um es höflich zu sagen).

Sagen wir es so: Linke sollten sich damit zurückhalten, das Reden und Handeln eines Donald Trump »größenwahnsinnig« zu nennen.

Zuerst durchs eigene Haus

Ich habe vor das Buch »Relevante Strukturen« (quasi »das Dushan-Wegner-Buch«) ein bestimmtes Motto gesetzt:

»Wer die Welt in Ordnung bringen will, der gehe zuerst durchs eigene Haus.« (Chinesisches Sprichwort, Motto zu Beginn der Relevanten Strukturen)

Es ist ja an sich nicht verwerflich, die Welt besser machen zu wollen – im Gegenteil! Ich möchte ein Mensch gewesen sein, der die Welt besser hinterließ, als er sie vorgefunden hatte – Sie etwa nicht?

Wenn du die Welt und das Leben deiner Mitmenschen nicht besser gemacht hast, wenn du nicht das Leiden der Menschen gemindert, wenn du nicht ihren Schmerz gestillt und ihnen etwas Freude geschenkt hast, wenn du dich nicht bemüht hast, zum Glück und zur Weisheit der Welt beizutragen, wofür bist du dann hier gewesen?

Aber, und hier kommt das große, laute, maximal deutliche Aber: Es gibt eine richtige, bewährte und nützliche Art, die Welt in Ordnung zu bringen – und es gibt eine gefährliche, dumme und immer wieder tödliche.

Die bewährte Art, die Welt in Ordnung zu bringen, ist es, zuerst seine eigenen »Kreise zu ordnen«, also die Welt unmittelbar um sich herum in Ordnung zu bringen, und dann als Beispiel, Freund und kluge Partner voranzugehen.

Merkel ist wie einer, der sein Haus in Flammen setzt und dann die Nachbarschaft einlädt, sich am Feuer zu wärmen.

Wer die Welt von innen nach außen ordnet, wer zuerst durch sein Haus geht, der hat auch wirklich Chancen, in kleinen Schritten die Welt besser zu machen.

Wenn deine Ordnung gut und nachahmenswert ist, vertraue den übrigen Völkern, dass sie sich ein Beispiel nehmen werden, wenn deine Ordnung für ihr Land und ihre Geschichte taugt. Merkel hat in den Ländern um Deutschland herum »wir wollen keine deutschen Verhältnisse« zum geflügelten Wort gemacht – und so eine will »den Planeten besser machen«?

Es gibt einen Grund, warum ich »Ordne deine Kreise« zu meinem Motto gemacht habe, und warum ich Tag für Tag über Relevante Strukturen rede.

Meine Philosophie ist auf gewisse Weise das Gegenteil der Planeten-Phantasien von Leuten wie Soros und Merkel: Jene scheinen zu glauben, nach ungezählten Irrtümern von vielen anderen Mächtigen und Einflussreichen seien zufälligerweise genau sie diejenigen, welche die »richtige« Ordnung des Planeten und seiner Völker wüssten, die richtige Denkweise, die wahre Ethik. In ihrem missionarischen Sendungsbewusstsein stört sie – und ihre Anhänger – wenig, dass ihr bisheriges Handeln an der Realität gescheitert ist. Dass Israel und Ungarn beide Soros fast wie einen Staatsfeind behandel(te)n, was sagt uns das? Dass Deutschland den Planeten organisieren will, während die Deutschen daheim ihren Glauben an die Aufrechterhaltung von öffentlicher Ordnung und Rechtsstaat verlieren, was sagt uns das?

Ich glaube, dass die Welt besser wird, wenn Menschen und Völker ihre relevanten Strukturen selbst erkennen und selbst ordnen können – und sich vor anderen Ordnungen schützen und schützen dürfen. Ich glaube genau gar nicht an selbsternannte Planetretter.

Ich halte weder Merkel noch Soros für die eigentlichen Macher, für dunkle Zaubermeister hinter den Kulissenm, wahrlich nicht. Die Hinweise dagegen beginnen damit, dass beide nicht hinter den Kulissen sind. Beide suchen sie beständig die grellen Lampen des öffentlichen Lichts. Die beiden Namen stehen vielmehr für eine Idee. Die gemeinsame Idee hinter Merkel und Soros könnte man damit umreißen, dass einzelne Player (wie sie selbst, klar) wissen (und damit: wissen können), was gut ist für die Nationen und die Menschen in diesen, und zwar besser als die Menschen und Nationen selbst. Nebenbei setzen manche Planetretter regelmäßig ihre angeblich »humanistischen« Werte vor das Wohl der Menschen selbst. Ab wie vielen Toten ist eine humanistische Idee nicht mehr human?

Das also sind die Ideen, die man gegeneinanderstellen könnte: Ideologischer Zentralismus vs. Relevante Strukturen.

Bürger, Familien, Völker und Nationen

Auf der einen Seite steht der Gedanke der Relevanten Strukturen: Bürger, Familien, Völker und Nationen, welche ihre eigenen Kreise ordnen, nach eigener bester Erkenntnis, und dann freundschaftlich miteinander handeln und voneinander lernen. Wer Fehler macht, macht sie allein, wer etwas lernt, von dem können die übrigen Menschen, Völker und Nationen dazulernen, wenn es zu ihrer Tradition und Moral passt.

Dem gegenüber steht der Ideologische Zentralismus: Supranationale, postdemokratische Player und Organisationen, die umso selbstbewusster im Großen auftreten, je spektakulärer sie im Kleinen scheitern; sie geben eine einheitliche Moral vor, sie (wollen) bestimmen, was gesagt werden darf und was angeblich »Hass« ist. Fehler werden automatisch auf das Gesamte aufgezogen und so millionenfach multipliziert, und ein Dazulernen wird weitgehend verhindert, weil es in der ideologischen Welt der Globalisten und Postdemokraten keine Konkurrenz von Denkmodellen gibt, keine Alternative etwa zu ihrer Ideologie der »Open Borders« (andere Ideen sind ja »Hass« und bekommen als solche ja sogar den einstigen Schutz als Meinung entzogen, siehe etwa die Lügen der aktuellen »Hass ist keine Meinung«-Propaganda).

Ich halte wenig von Gottesstaaten, denn eigentlich erheben sie nur die Mängel und Vorurteile einiger weniger Strippenzieher in einen unantastbaren, fake-heiligen Status. Ich halte wenig von Globalisten und Politikern, die sich für Eine-Art-von-Gott oder Planetenretter halten. Ich bin sicher, dass der Weg nach vorne in der freundlichen Konkurrenz liegt, nicht in der immer und immer wieder gescheiterten Idee des Zentralismus. Eine neue PEW-Studie zeigt gerade dieser Tage, dass Völker weltweit ganz und gar nicht zur Aufnahme von Migranten bereit sind (siehe welt.de, 10.12.2018) – doch solche Details sind für den wahren Globalisten wenig mehr als eine zu überwindende »Herausforderung«, und keinesfalls ein Grund, sein Tun und Streben ganz grundsätzlich zu hinterfragen. Was versteht der Pöbel schon vom Humanismus?!

Kommunisten und Globalisten sind wie Trinker, die meinen, ihr Besoffensein durch noch mehr Schnaps beheben zu können. »Du bist ja betrunken, tödlich nah am Koma!« rufen die Menschen, und die Zentralisten lallen zurück: »Das Trinken wurde nur noch nicht richtig probiert!«

Wenn ich heute zwei Ratschläge geben darf, bescheiden und als Angebot: Hütet euch vor Leuten, die mehr Macht als Weisheit haben, die den Planeten ordnen wollen, während ihnen daheim das Dach brennt. Und, dann, zuerst und zuletzt: Ordnet eure Kreise!

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