Notiz zu Weidels Skandal-Passage am 16.5.2018

An meinem Text »Die Zukunft in Zeiten der Merkelisierung« wurde vereinzelt moniert, ich wäre »auf Schäuble reingefallen«, Weidel habe nämlich nicht von »Kopftuchmädchen und anderen Taugenichtsen« gesprochen.

Nein. Ich habe die Rede live verfolgt und mir war bereits beim Schreiben des Textes sehr wohl bekannt, was Weidel gesagt hatte, nämlich: »doch, ich kann Ihnen sagen: Burkas, Kopftuchmädchen und alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse werden unseren Wohlstand, das Wirtschaftswachstum und vor allem den Sozialstaat nicht sichern«. (ab ca. 7:30 im Video auf bundestag.de)

Meine Bewertung: Nach üblicher Sprechweise und meinem Sprachverständnis hat sie damit »Kopftuchmädchen« mit »sonstigen Taugenichtsen« auf eine Stufe gesetzt. Sie wird behaupten, vor »und alimentierte« sei ein Komma zu setzen. Ich kaufe das nicht, zumal ihre Stimme nach »Messermänner« nach unten geht, womit der Nachsatz »und andere Taugenichtse« von »Messermänner« abgetrennt wird.

Stellen Sie sich vor, ich würde sagen: Müller, Maier und Schmidt und sonstige Verbrecher – hätte ich dann nicht alle drei als Verbrecher bezeichnet? Selbstverständlich hätte ich das, zumindest für den durchschnittlichen Hörer.

Eine Parlamentsrede ist kein ziseliertes juristisches Konstrukt – und soll es auch nicht sein! Es zählt, was der durchschnittliche Hörer bei mittelmäßig aufmerksamem Zuhören wahrnimmt, nicht, was sich mit Spitzfindigigkeiten herauswringen lässt.

Nicht nur teile ich in diesem Fall die Rüge Schäubles, ich gehe darüber hinaus: Einen Menschen mit seiner Bekleidung gleichzusetzen (»Burkas«) ist problematisch, es noch dazu bei Kindern zu tun (»Kopftuchmädchen«) sollte außerhalb der Debatte stehen.

Weidels Rede wird dennoch wirken, aus einem simplen Grund: Sie hat als einzige Rednerin gewagt, Probleme anzusprechen, die Deutschland und Europa in den nächsten Jahren zerreißen könnten. Ob sie es in einer Sprache tun muss, die Menschen reduziert und diskriminiert? Ich fürchte, Sie würde die Gegenfrage stellen: »Wie sonst soll ich mir Aufmerksamkeit verschaffen? Welche Medien hören denn auf merkelkritische Argumente, wenn man nicht den Skandal mitliefert?«

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