Merkels nützliche Idioten

Ein Idiot ist der, der Idiotisches tut! – nicht erst seit Forest Gump kann man sich auf eine solche Theorie der »Idiotie« verständigen. Sie mögen nun ob der giftigen Worte Idiot und Idiotie erzürnen. Das kann ich verstehen. Doch dass einzelne Menschen (und manchmal die Menschen in großen Gruppen) von Zeit zu Zeit idiotisch handeln, das stimmt, oder nicht? Der Mensch ist zur Vernunft wie zur Idiotie begabt, in jeweils individueller Gewichtung.

Kluge Handlungen sind Folge einer Entscheidung, idiotische Handlungen ebenfalls – zumindest sollten wir sie so behandeln. Ein kluger Mensch ist ein Mensch, der nachhaltig klug handelt. Ein Idiot ist einer, der beständig idiotisch handelt. (Wichtig: ich rede vom Handeln, nicht vom Reden. Wir kennen reichlich Idioten, die klug zu reden wissen, nur eben nicht zu handeln – und einige Kluge sind in solchem Maße klug, dass es ihnen gelingt, ihre Klugheit hinter idiotisch scheinendem Gerede zu verbergen.)

Das sagt doch alles

Die Physiker (und an ihren Rockschößen die Philosophen) debattieren noch, wie viele Welten existieren. Ist diese Welt die einzige? Gibt es weitere Welten, unendlich viele Welten gar? Sind einige der »anderen« Welten nur in einem Detail von unserer Welt unterschiedlich, und andere vollständig?

In einer möglichen Welt hat die deutsche Regierung das Beste des deutschen Volkes allezeit im Blick. Jene ist nicht diese Welt. In Deutschlands Straßen demonstrieren Menschen, die sich damit nicht abfinden möchten.

Die Berichte von Menschen, die in diesen Monaten gegen Merkel und ihre Politik demonstrieren, sind andere Berichte, als die »Meinungsstücke«, welche bei der Tagesschau, der TAZ et cetera laufen. (Deutsche Journalisten mit »Haltung« beteiligen sich ja selbst nicht selten an Pro-Merkel-Demonstrationen, das sagt doch alles!)

Im Fernsehen werden Sie nicht davon hören, wie junge Frauen von männlichen Verwahrlosten angepöbelt, bedroht und beschimpft werden, weil sie Merkel kritisieren. Sie werden in den 20-Uhr-Nachrichten nicht von Bürgern hören, die von Pro-Merkel-Demonstranten mit einer nach Diesel stinkenden, teer-artigen Flüssigkeit übergossen wurden. Sie werden keine Interviews mit Bürgern sehen, die sich gegen Übergriffe der regierungsfreundlichen Pöbler verteidigten. Will man die Wahrheit erfahren, muss man schon selbst mit den Menschen sprechen, die teils trotz hohen Alters und beschwerlicher Anfahrt die Strapazen und das Risiko auf sich nehmen, zu einer Demonstration für die Demokratie, für den Rechtsstaat und gegen die Kanzlerin buchstäblich »Flagge zu zeigen«.

Menschen berichten wie selbstverständlich davon, wie sich bei Übergriffen von Linken der Selbstverteidigungskurs bewährt, und mir stellen sich die Nackenhaare auf. Das ist nicht selbstverständlich, das darf nicht selbstverständlich sein! Die Deutsche Flagge zu tragen, so scheint es, ist in Deutschland bald gefährlicher als die Flaggen der Terrororganisation ISIS zu präsentieren, von fast-schon-akzeptierten Terror-Gruppen wie Hamas oder PKK ganz zu schweigen. Gefährlicher als die deutsche Flagge zu tragen, ist bald nur noch die Flagge Israels – die könnte den ein oder anderen »Israelkritiker« triggern.

Was sind das für Individuen, die brav im Geiste der Regierung auf alles einschlagen, was staatsnahe Medien für »böse« erklärt haben? Ich nenne sie »Merkels nützliche Idioten«.

Teils sind sie Täter

Wir alle kennen sie, diese Online-Pöbler. Sie posten ihren digitalen Dreck meist anonym. Was den Antifa-Terroristen die Vermummung, das sind den Online-Pöblern ihre Pseudonyme und Mehrfach-Accounts.

Auffallend häufig nehmen die Online-Pöbler ihre Stichworte von öffentlich-rechtlichen Hassprofis und von steuerfinanzierten Propagandisten. Eine Zeit lang kam der meiste (bei mir aufschlagende) Online-Hass von JuSo-Sympathisanten. Es konzentrierte sich vor allem auf Wochenenden, es waren wohl Schüler und Studenten. Das ist anders geworden. (Aber sind auch die Täter andere geworden? Ich habe Zweifel.)

Die im ZDF angestoßene neue Anti-Regierungskritiker-Welle geht organisierter vor. Man weiß, dass sie intern Anleitungen verteilen, wie einzelne Pöbler sich mehrfache anonyme Online-Accounts anlegen können, um ihre gezielte Belästigung über mehrere Accounts zu verteilen und im Fall des Blocks weiterzupöbeln. Es werden, wie inzwischen auch jenseits der üblichen Filterblasen bekannt ist, de facto Listen allzu kritischer Bürger verteilt, gegen die es anzugehen gilt.

Totalitäre Ansätze aller Zeiten und Weltteile kennen Kampfgruppen, die regierungskritische Gespräche und Debatten unterbinden wollen. Teils sind sie Täter (und verdienen daran), teils nützliche Idioten. Die neuen Online-Pöbler sind so eine Gruppe. Die Online-Pöbler sind für Merkel nützlich und ihr Tun würgt demokratische Debatte, wenn es erfolgreich ist. Sie sind Gegner des demokratischen Gedankens. Doch diese vom ZDF finanzierten Strippenzieher (natürlich sind die Zahlungen für etwas anderes) sind nützlich, aber keine Idioten. Sie bringen ihre Schäfchen ins Trockene, und täglich kommen neue Schäfchen dazu. Die Menschen aber, die sich als Propaganda-Zombies instrumentalisieren lassen, die erfüllen alles, was es braucht, ein »nützlicher Idiot« genannt zu werden – sie schaden sich selbst, haben aber anders als ihre Chefs nicht die Mittel, sich später etwa in die Schweiz abzusetzen.

Jene Leute finden sich nicht selten witzig und ironisch (nicht ihr einziger Irrtum – es würde mich nicht wundern, wenn die nächste im ZDF angestoßene »Bewegung« sich »Nützliche Idioten e.V.« nennt), doch was sie verbreiten, das ist Wortmüll, der offene Debatte verhindert – oder verhindern soll? Sie blocken und melden abweichende Meinung, und bis der Block gelingt, kippen sie Wortmüll in die digitalen Kanäle. Sie fühlen sich wie Helden, kleine, anonyme, unbeholfene Helden, die auch wochentags am Vormittag freie Zeit übrig haben. Sie machen sich selbst zu nützlichen Idioten.

Verantwortung des Untergebenen

Ich habe, in früheren Texten, die Dummheit als das Nichtwahrhabenwollen von Zusammenhängen kritisiert, oder, kürzer: die Zusammenhangsblindheit.

Erlauben Sie mir, in der Theorie (!) einen Schritt weiter zu gehen, von der Dummheit zur Idiotie.

Eine Handlung ist dumm, wenn sie offensichtliche Zusammenhänge ignoriert; eine dumme Handlung wird idiotisch, wenn der Handelnde offensichtlich sich selbst dabei schadet – besonders aber dann, wenn er es wiederholt tut.

Es genügen bereits kleine Schritte, um auf die glatte Rutschbahn von Dummheit zur blanken Idiotie zu gelangen. Beispiel: Sich am frisch gekochten Kaffee zu verbrennen ist dumm – der Zusammenhang zwischen frisch gekocht und heiß sollte jedem Kaffeefreund bekannt sein – nach dem ersten Verbrennen aber sogleich einen zweiten brennend heißen Schluck zu nehmen, und den Gaumen ein weiteres Mal leiden zu lassen, und dann noch einmal, solches Verhalten, das wäre doch gewiss idiotisch!

Unsere Theorie des Idiotischen ist selbstverständlich aufs Politische anwendbar, auch und besonders auf die politische Verantwortung des Untergebenen, ob dieser nun gerade einen wählenden Steuerzahler, einen Delegierten oder einen Journalisten spielt. Einen Politiker zu unterstützen, weil er eine sanfte Stimme und moralische Sprüche bietet, doch später dem Land und seinen Bügern schaden wird, das ist dumm, aber als Sünde lässlich – einmal, vielleicht zweimal, allerhöchstens dreimal. Diesen Politiker aber weiter zu unterstützen, ja sogar auf seine Gegner und Kritiker einzuschlagen, nachdem es längst offensichtlich ist, dass er dem Land schadet und seine Politik zu Leid und Tod führt, könnte man solches Verhalten nicht idiotisch nennen?

Teile, herrsche und lasse demonstrieren!

Divide et impera! Teile und herrsche! – ein altes Motto. Für Frau M. und ihr mediales Vorfeld könnte es lauten: Teile, herrsche und lasse demonstrieren!

Selbstverständlich ist die Links-Rechts-Aufteilung lächerlich. Wenn überhaupt die alten Vokabel »links« und »rechts« im politischen Kontext heute noch für etwas stehen, dann für das exakte Gegenteil dessen, was man darunter noch vor einer halben Generation verstand. Noch 2005 machten sich CDU und SPD tatsächlich Sorgen um Lohndumping durch ausländische Arbeiter (siehe etwa Der Spiegel 14.2.2005, FAZ 3.5.2005) – heute würde es in Deutschland als »rechtspopulistisch« gelten, dem deutschen Steuerzahler, der das deutsche Parlament und Sozialwesen finanziert, in irgendeiner Hinsicht den Vorzug zu geben gegenüber Menschen, die »zufälligerweise« woanders geboren wurden. Der Bürger , der solches unterstützt, der handelt beim ersten Mal dumm, vielleicht träge oder sogar gutgläubig. Spätestens aber, wenn er auf die Straße geht, um teils mit Hass und Gewalt gegen seine eigenen Interessen zu demonstrieren, könnte man sein Verhalten nicht idiotisch nennen?

Wenn in Berlin und anderswo Menschen auf die Straße gehen, dann stehen die Merkel-Positionen von 2002 (grob gesagt: das, was im Amtseid geschworen wird), gegen die Merkel-Positionen von 2015 (grob gesagt: das Gegenteil von 2002).

Die Positionen der Merkel-Gegner und der Merkel-Gegner-Gegner sind nicht symmetrisch. Die einen wollen, einfach nur leben – die anderen haben wiederholt klar gemacht, dass sie bereit sind, demokratische Werte, Sicherheit, Wohl und Zukunft, ja in Einzelfällen selbst das Leben ihrer Kinder zu riskieren, um einer vulgär primitiven »Moral« zu folgen.

Die ersten Herrschaften, denen das Etikett »nützliche Idioten« angeheftet wurde, waren sogenannte »Nihilisten« (ein schillernder Begriff durch die Jahrzehnte hindurch). Auch heute haben Merkels nützliche Idioten etwas moralisch Wurzelloses an sich. Sie rebellieren gegen guten Rat und bewährte Weisheit (sie sagen: gegen »alte weiße Männer«), doch sie haben keine bessere Moral anzubieten. Sie folgen ihrem »Herzen« und ihrem »Gefühl«, sprich: was ihnen gerade so einfällt plus den tagesaktuellen Vorgaben der Propaganda. Das kann heute das Gegenteil dessen sein, was es gestern war, und nicht selten ist es das auch.

Anzug, Krawatten und Pseudomoral

Ich spreche mit Bürgern, die setzen sich seit Jahren für in Not geratene Menschen ein, und damit meine ich nicht Hashtag-Spam in den Sozialen Medien, sondern ehrenamtliche Mitarbeit etwa in Kirchen, Sozialverbänden und auf privater Ebene, vor Ort, am Abend, am Wochenende, stunden- und jahrelang. Einige dieser Menschen finden sich nun auf der Straße wieder, und demonstrieren gegen diese Regierung, denn sie sehen, welchen konkreten, unwiderruflichen Schaden die Kanzlerin ihrem Land zufügt.

Sie wollen einfach nur leben. Sie haben Angst um Deutschland und Europa, weil sie sehen, was schon jetzt passiert. Erschreckend viele sind aus realem Anlass traurig, dass ihre Kinder aus dem Land, in das sie so viel Hoffnung legten, wegziehen wollen und werden – und doch legen sie es ihnen selbst nahe. Also protestieren sie, so wie das Grundgesetz und demokratische Tradition es vorsehen.

Und dann werden sie von Merkels nützlichen Idioten bedroht, mit Teer überschüttet und, vor allem gehasst.

In Berlin schrien Merkels nützliche Idioten letztes Wochenende: »Ganz Berlin hasst die AfD«. Sie hätten nach dem »hasst« aufhören können, denn der Satz war an dem Punkt bereits fertig. »Ganz Berlin hasst« war die (nachweislich falsche) Behauptung (es waren nicht »alle«), doch der Anlass war austauschbar und beliebig. Würden diese Leute denn nicht hassen, wenn es die AfD nicht gäbe? Würden sie nicht gegen die Polizei (»Bullen«), »das Kapital«, »den Zionismus«, die FDP oder andere klassisch linke Hassobjekte vorgehen?

In gewissen Menschen und Gruppen scheint eine Leerstelle des Hasses zu schwelen. Sie wollen etwas hassen, irgend etwas. Es muss nur jemand vom Staatsfunk kommen, und ihnen sagen, was sie hassen dürfen und sollen – und sie sagen brav Danke! und hassen gleich los. Der Hass der nützlichen Idioten ist sein eigener Zweck, das Objekt ihres Hasses ist beliebig austauschbar. Wenn der Staatsfunk morgen erklären würde, dass Merkel zu hassen sei, würden plötzlich ganz andere Leute »Merkel muss weg!« rufen. Der nützliche Idiot ist ein leicht drehbares Wesen.

Glauben Sie, die teer-werfenden Linksautonomen, die Antifa-Schläger und all die anderen, die 2018 gegen die Merkel von 2002 demonstrieren, würden aufhören zu hassen, wenn plötzlich niemand mehr ihre Kanzlerin kritisierte? Wir wissen, dass dem nicht so ist.

Ich kann mich noch an den Hass erinnern, welcher der FDP entgegenschlug, bis sie 2013 fürs Erste erledigt war. Es hatte wenig Inhaltliches. Sie wollten hassen, und die Bildschirme sagten ihnen, dass sie die FDP zu hassen haben.

Der nützliche Idiot steht heute gegen Mittag auf und fleht die schwarzen Spiegel an: Wen darf ich heute hassen? Die schwarzen Spiegel sagen ihm: Hier, hasse diesen, hasse ihn, denn erst wenn du ihn genug gehasst hast, bist du unserer Liebe würdig. Ist der Hass der Idioten nur ein stummer Schrei nach Liebe? Es macht keinen Unterschied.

Die nützlichen Idioten schaffen es nicht

Die nützlichen Idioten erreichen nicht, was sie erreichen wollen – oder was sie erreichen zu wollen sich selbst einreden.

Wer heute wählt – und wir reden bereits von der politischen Selbstverortung, die Wahl kommt ja später – der muss sich entscheiden zwischen »Augen zu und BAMF, tschakka, wir schaffen das, keine Obergrenze (und nebenbei dem Antisemitismus den Weg bereiten)« auf der einen Seite, und »Mut zur Wahrheit (und gelegentlich Flirts mit dem Rassismus)« auf der anderen Seite.

Die nützlichen Idioten, die heute laut Tagesbefehl auf Merkels Gegner loshassen, was hoffen sie denn zu erreichen? Sicher, es gelingt ihnen, ausreichend viele Menschen einzuschüchtern, so dass sie es nicht wagen, mit demonstrieren zu gehen. Umso überzeugter werden aber jene, die von den nützlichen Idioten bedroht wurden, am Wahltag ihr Kreuzchen setzen.

Durch Hass auf die merkelkritische Opposition schweißen Merkels nützliche Idioten jene, für welche Wahrheit ein höherer Wert ist als politische Korrektheit, erst recht zusammen. Mancher, der eher wenig mit dem rechten Flügel der AfD anfangen kann, wird geradezu hineingedrängt, ihn zähneknirschend mitzutragen. (Das ist eines der wiederkehrenden Themen in privaten Gesprächen mit Ex-CDU-Wählern und Ex-FDP-Wählern, die heute die AfD mittragen.)

Es schmerzt ja, wie sollte es nicht? Merkels nützliche Idioten werfen Schmutz und Teer auf die deutsche Flagge. Jene aber, welche die deutsche Flagge in der Straße tragen, wissen: Ja, es gab schon Alternativen zur deutschen Flagge, die eine war Schwarz-Weiß-Rot, und die andere trug Hammer und Zirkel. Was also wollen jene, welche auf die deutsche Flagge urinieren, welche Teer und Schmutz auf Schwarz-Rot-Gold werfen, erreichen? Zurück zu der einen Flagge oder zu der anderen? Wären sie zufrieden, wenn sie die Gold-auf-Blau-Sterne der EU bekämen? Oder eine ganz andere? Es soll ja selbst Rot mit Hammer und Sichel gesehen worden sein, unter diesen Gestalten. Werden die nützlichen Idioten jede andere Flagge nicht ebenso hassen, sie nicht ebenso beschmutzen, wenn ein Gesicht auf dem Bildschirm es ihnen befiehlt?

Wie überwinden?

Wie soll man den nützlichen Idioten begegnen? Soll man ihnen mutig entgegentreten? Soll man es mit Argumenten versuchen? Soll man sich in Selbstverteidigung üben?

Manche Sicherheitsmaßnahmen sind unausweichlich, kein Zweifel. Erste Politiker müssen ihre Privathäuser vor den Angriffen der nützlichen Idioten schützen, müssen Panzerglas einsetzen und ihre Zäune erhöhen. Orte, an denen sich die »falsche« Opposition trifft (also jene, die nicht sowieso gefühlt mitregiert), werden attackiert und müssen sich schützen. (Etwa, aktuell: In Charlottenburg wird eine Gaststätte, die von der AfD gemietet wird, von Unbekannten attackiert. Zeitgleich bedrohen SPD und Grüne den Pächter und nutzen ganz offen die Sprache der Mafia: »Wir bedauern sehr, dass sich der Pächter nicht auf unsere dringlichen Bitten einlässt, sich politisch mehr zurückzuhalten«, tagesspiegel.de, 28.5.2018) Die nützlichen Idioten werden immer professioneller: Sie geben etwa bereits eine Art »Reiseführer« heraus, wo und wie Oppositionelle einzuschüchtern seien (bild.de, 30.5.2018). Auf von nützlichen Idioten frequentierten Internet-Seiten werden Listen von Oppositionellen inklusive Privat-Adressen verbreitet (ich werde es nicht verlinken).

Wenn es irgendwie möglich wäre, wenn es uns irgendwie gelingen könnte, wäre es vorzuziehen, nicht in diesen kräftezehrenden Kampf einzusteigen!

Während nützliche Idioten auf Regierungskritiker einprügeln, während vom Staatsfunk inspirierte Propaganda-Zombies kritische Online-Debatten mit digitalem Wortmüll zu ersticken versuchen, während die kleinen Bürger einander die Köpfe einhauen, können Merkel, Juncker und all die anderen lupenreinen Demokraten durchregieren.

Das praktische Ziel der nützlichen Idioten (also das Ziel, auf welches sie de facto zusteuern, nicht das Ziel, das sie angeben oder sogar glauben), ob sie nun als Propaganda-Zombies oder vermummt als Antifa in den Straßen auftreten, ist eben nicht, via Argument zu gewinnen. Es ist ein bewährter Spaß für gestandene Redner, lärmende nützliche Idioten zur offenen Debatte aufzufordern – die Schreihälse geraten schnell ins Stammeln, und ihre Argumente sind wenig mehr als dünne Parolen von den Klowänden des Internets. Wer Kritik unterbinden will, braucht nicht Argumente, wenn Lautstärke und Brutalität genügen. Zu oft gelingt ihnen die Verhinderung von Debatte, durch Gewalt und Lärm, durch Einschüchterung oder Drohungen.

Die Kanzlerin steht stärker da, wenn kritische Debatte gar nicht erst stattfindet, es könnte ihr kaum egaler sein, ob auch nur ein Wähler von ihren wechselnden Positionen überzeugt ist. Es genügt ihr faktisch, wenn die Zahl der Menschen, die über die Argumente der Kritik nachdenken, ausreichend klein bleibt.

Ich versuche, jene lärmenden anonymen Mitläufer zu ignorieren. Manchmal gelingt es diesen Leuten, die ihre eigene Lebenszeit dermaßen gering schätzen, auch meine Zeit zu verschwenden. Ich versuche, die auf diese Weise verschwendete Zeit und Energie gering zu halten – und dennoch im Gespräch mit Menschen zu bleiben, die tatsächlich Argumente haben und mein Denken schärfen könnten.

Wenn die nützlichen Idioten, ob online oder im»richtigen« Leben, uns mit ihrem Spam und ihrer Gewalt beschäftigen, machen sie uns mit ihnen zu »nützlichen Idioten«. Solange wir mit den Hassprofis und den Gleichschritt-Fans ausgelastet sind, haben wir weniger Zeit und weniger Energie, die Regierung zu kritisieren und nach besseren Lösungen zu suchen.

Was also tun?

Der klügste Kampf gegen Merkels nützliche Idioten besteht darin, gar nicht erst zu kämpfen, sondern sie nach Möglichkeit zu ignorieren – so gut es geht, ohne durch Unachtsamkeit sein Leben zu riskieren. Nützliche Idioten rauben uns Zeit und Energie; es liegt an uns, es ihnen nicht zu gestatten.

Ein Idiot ist einer, der Idiotisches tut – und ich wäre ein Idiot, wenn ich mich in den Strudel seiner Idiotie hinabziehen ließe.

Ich erlaube mir, Goethe zu zitieren: »Töricht, auf Beßrung der Toren zu harren! Kinder der Klugheit, o habet die Narren eben zum Narren auch, wie sich’s gehört!«

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