Was hülfe es dem Menschen?

Es rumort an der Basis der CDU. Ach was, „rumoren“ ist ein schwacher Ausdruck – eine ausgewachsene Rebellion gegen die Vorsitzende bahnt sich in den Reihen der Christdemokraten an!

Man liest es in der Presse:

„Selten zuvor ist Angela Merkel an der CDU-Basis ein solch eiskalter Wind ins Gesicht geschlagen.“ – „Merkel entthronen!“
spiegel.de

Die Bürger rufen es ihr sogar ins Gesicht!

Ein weiterer sagt mit nüchterner Stimme: „Sie wollen ihre Pflichten als Kanzlerin offensichtlich nicht mehr ausfüllen. Sind Sie überhaupt noch bereit, Deutschland zu dienen?“
n-tv.de

Nein, Moment! Diese Zitate stammen aus 2015.

Aber auch heute, 2018, soll es „rumoren“. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass es heute klappen wird, aus der CDU heraus Merkel zu stürzen. Wenn es 2015 nicht gelang, als man noch die frische Wut über Merkels Selfiepolitik im Bauch trug, wie soll es heute gelingen, wenn jeder in der CDU weiß, dass Neuwahlen die AfD recht sicher an der SPD vorbeiziehen lassen würden, was die ganze Angelegenheit noch komplizierter gestalten würde?

Twitterer @drhuch stellt amüsiert fest:

Auch in der CDU rumort es erheblich. Einzelne Mitglieder wurden dabei beobachtet, wie sie aus Protest gegen den Ausverkauf konservativer Grundüberzeugungen ihre Milch empört gegen den Uhrzeigersinn in den Kaffee rührten.
@drhuch

Wir sind heute weiter.

Wir sind heute um einen Weihnachtsmarkt-Terror-Anschlag, einige Tote und viele Messerstechereien klüger. Die Verlierer der Bundestagswahl basteln an der Regierungsbildung. Wir haben eine geplatzte Jamaika-Sondierung erlebt und erfreuen uns gerade an einem Affenzoo von Groko-III-Verhandlung.

Journalisten, die sich noch vor der Wahl keine Welt ohne Angela vorstellen konnten, tun nun ganz erschüttert und desillusioniert, erkennend, dass ihre Schutzherrin bereit ist, das Land und die eigene Partei dranzugeben, nur um sich hinter den Gitterstäben des Kanzleramt-Zauns verstecken zu dürfen, nur um weiter mit der Bereitschaft der Luftwaffe durch die Welt zu fliegen.

Besonders früher!

Was hatten die Journalisten für Loblieder auf Merkel gesungen – besonders früher!

Stellvertretend sei mein Nachnamensgenosse Jochen Wegner zitiert, 2014 auf zeit.de:

Gerade die größten Erfolge der Kanzlerin bleiben bei einer derartigen Management-Methode unbesungen. Es sind jene Katastrophen, die nicht eingetreten sind, weil vorsichtiges, iteratives Agieren sie verhindert hat. Merkels größter Verdienst ist letztlich jene lang anhaltende Phase der Langeweile, an der Intellektuelle gerade wieder so lautstark leiden.
zeit.de, 16. Juli 2014

Schon damals ließen die Bürger-Kommentare unter dem Text diesen journalistischen Freudenschweiß schnell gerinnen: „Reine Lobhudelei“, „Habe herzlich gelacht, erst zum Schluss habe ich gemerkt, dass es KEINE Satire war!“ und „wie völlig verdreht die ‚Argumentation‘ in diesem kriecherischen Loblied ist“.

Während die Redaktion der Tagesschau in 2018 bei Trump-Auftritten die Buhrufe schon mal künstlich hochdreht, vollbrachte man im Wahlkampf 2017 teils an Musikvideos erinnernde Schnitt-Höchstleistungen, um die praktisch jeden einzelnen öffentlichen MerkelAuftritt begleitenden Buhrufe auszublenden. Beim ZDF habe ich immerhin Buhrufe gefunden, aber dort werden sie natürlich „eingeordnet“: Merkel schlage „oft gezielt organisierter Hass von rechten Demonstranten entgegen“ – deutschlandweit wohlgemerkt. Rechte, Rechte überall, nur mit dem Rechtsstaat hapert es.

Na ja, Merkel hat sich für diesen Sonntag (11.2.2018, 19:10) beim Hayali-Böhmermann-Sender angekündigt, wo sie die Werbung in eigener Sache wieder selbst in die Hand nimmt. Alles muss man selbst machen! Gutes Personal ist so schwer zu finden. (Übrigens, ein schönes Video von 2011: Trump „arbeitet“ für ein paar Stunden als Angestellter in seinem eigenen Hotel.) Nach unbestätigten Meldungen mussten im Vorfeld vier verschiedene Jurys davon abgehalten werden, der Kanzlerin im Anschluss an ihren PR-Auftritt bei Berlin Direkt sogleich einen Journalismuspreis zu verleihen.

Und doch: Quer durch die Medienlandschaft hört und liest man heute, 4 Monate nach der Wahl, Äußerungen, die verdächtig nach gestelzten Umformulierungen des bekannten „Merkel muss weg!“-Schlachtrufs klingen. They are all Pegida now.

Nicht ein halbtotes Wrack

Merkel-Erklärer Nikolaus Blome zitiert gegen Ende seines Buches Die Zauder-Künstlerin die Merkel von 1999, im Gespräch mit Herlinde Koelbl:

„Ich möchte irgendwann den richtigen Zeitpunkt für den Ausstieg aus der Politik finden. Das ist viel schwerer, als ich mir das früher immer vorgestellt habe. Aber ich will nicht ein halbtotes Wrack sein, wenn ich aus der Politik aussteige.“
– aus: Blome: Die Zauder-Künstlerin

Politisch gesehen hat Merkel diesen Augenblick verpasst. Wie nahe läge hier irgendein blöder Witz, ungefähr in die Richtung, dass Zombies bekanntlich Hirne fressen, die FDP sich also nicht schon wieder fressen lassen wollte – doch warum bloß gestaltet sich die Verschmelzung mit der SPD so schwer? – Die SPD ist ihr eigener Witz – ein milliardenschwerer Witz wohlgemerkt.

Merkel überwinden

Viel hilfloser Frust äußert sich in diesen Tagen. Bis vor kurzem verteidigten die abhängigsten der Merkel-Abhängigen die Kanzlerin noch traurig: „Sie macht nicht alles richtig, aber wer könnte es besser?“ – Inzwischen nicht mal das. Peter Altmaier erinnert zunehmend an Saddam Husseins Pressesprecher Muhammad as-Sahhaf, auch „Comical Ali“ genannt, der „We will defeat them!“ verkündete, als die Amerikaner schon längst das Land eingenommen hatten. Es stellt sich kalter Machtzynismus ein: Wir sind an der Macht, ihr seid es nicht. Was wollt ihr machen? Uns zum Rücktritt zwingen? Ihr traut euch doch nicht mal, die GEZ nicht zu bezahlen!

Mit Merkel ist es wie mit der Gier und der Faulheit. Wenn Deutschland die Merkel-Phase endlich überwinden will, muss es sich selbst einige schmerzhafte Fragen stellen – und mit sich selbst beginnen.

Wer aktuelle Bilder der Kanzlerin sieht, was sieht er? Einen ehrlichen, starken Menschen, der wahr und unwahr, falsch und richtig gut zu trennen weiß? Jemanden der Herr seiner Handlungen ist, mit Freude am Schaffen und Ordnen der großen wie kleinen Dinge?

Nein. Wir sehen politisch jenes „halbtote Wrack“, das Merkel einst nicht werden wollte. Merkel wird ihren Abgang nicht aus eigener Kraft schaffen, nur aus eigener Schwäche.

Ich sehe Merkel – und Schulz – und stelle fest: Diese Menschen haben Geldresourcen und Verdienstmöglichkeiten, welche wahrscheinlich die meinen ums Zehntausendfache überschreiten, doch gibt es einen besseren Beleg dafür, dass Geld nicht glücklich macht, als etwa Martin Schulz? Sie erinnern immer mehr an innerlich leere Politroboter, Phrasen von früher absondernd, solange ihre Netzwerke in Medien und Politik noch halten.

Die Zeit der Merkelschen Abenddämmerung stellt Sie und mich, jeden einzeln von uns, vor recht grundlegende Fragen: Was koste ich? Wieviel zahlt man mir, damit ich mich negiere – und ist es das wert?

Um mit Jesus zu fragen:

Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?
Matthäus 16:26a

Wer die Gier in der Gesellschaft überwinden will, muss bei sich selbst beginnen. Wer den Hass in der Gesellschaft überwinden will, muss bei sich selbst beginnen. Wer die Prinzipienlose überwinden will, muss bei sich selbst beginnen.

Was sind unsere Prinzipien und unsere Werte? Sind unsere eigenen Kreise in Ordnung? Warum sitzen nicht viel mehr Bürger wegen GEZ-Verweigerung im Gefängnis? Wann habe ich zuletzt Ärger bekommen, weil ich für eine zum Tabu erklärte Wahrheit einstand?

Nicht nur Merkel muss überwunden werden, sondern vor allem das deutsch-duldende Hinnehmen einer Politik, in der Worte und Versprechen, in der selbst der Rechtsstaat, die Freiheit, der Wohlstand, die Zukunft und die Sicherheit der eigenen Bürger immer weniger bedeuten.

Selbst wenn Merkel aus dem Amt gegangen wird, sei es vom Alter, von Neuwahlen oder von ihrer Partei: Wenn die Deutschen nicht ihre Prinzipien, ihre Werte und ihren Verstand wiederentdecken, wird eine neue Merkel folgen.

Merkel ist Prinzipienlosigkeit. Merkel wird überwunden werden, sobald und indem die Bürger ihre eigenen Prinzipien und Werte wiederentdecken. Das wird völlig genügen, und ohne wird es nicht gehen.

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