Herbert Wehner (SPD) verballhornte den Namen von Jürgen Wohlrabe (CDU) einst zu »Übelkrähe«. – Großartig! Seitdem versuchen sich Sozialdemokraten in der Beschimpfung des politischen Gegners, doch sie reichen darin, selbst gestapelt, dem Wehner nicht mal bis an den Knöchel.

Ich selbst möchte mir vier Regeln fürs Beschimpfen geben:

  1. Nur Handlungen oder Denkweisen angreifen.
  2. Nicht die Person selbst herabwürdigen. (Nur Handlungen und Denkweisen angreifen, siehe 1!)
  3. Nicht über das Innenleben des Gegners spekulieren.
  4. Vorsicht mit der Dimension.

Ja, ich selbst habe wahrscheinlich schon mal gegen diese Regeln verstoßen. Nein, Sie müssen diese Regeln nicht anwenden. Ich lege Sie Ihnen vor, um auch mich selbst an ihnen messen zu lassen.

Meine Motivation zu diesen Regeln ist weniger eine mögliche »Verletzung« des Gegners. Ob sich Social Justice Warriors oder Netzfeministinnen »beleidigt« fühlen, ist mir auf argumentativer Ebene erstmal egal. Es geht um Debatte. Die Debatte muss weitergehen.

Eine Handlung zu kritisieren kann die Debatte voranbringen. Eine Denkweise anzugreifen kann neue, tiefere Debatten starten. Einen Menschen herabzuwürdigen bricht die Debatte ab. Spekulation über das Innenleben beanspruchen Deutungshoheit nicht nur über Begriffe, sondern gleich über Seelen.

Doch auch die Dimension ist wichtig, um die Debatte nicht abzuwürgen. Ja, manchmal ist der Vergleich mit der Geschichte angebracht. Aber nicht immer. (obligatorischer Godwin-Link) Es gilt, die Dimension zu beachten. Es ist kein Zeichen des Vertrauens in die eigenen Argumente, wenn man selbst auf Mücken gleich mit dem Nazi-Hammer zuschlägt. Und, wieder: Es macht die Debatte kaputt.

Wer die Person angreift, der will keine Debatte. Peter Tauber (CDU) soll Gegner beschimpft haben: »Wer hier nicht für Angela Merkel ist, ist ein Arschloch und kann gehen.« – Die persönliche Herabwürdigung des Gegners unterbricht die Debatte. Es ist latent antidemokratisch. Es will Macht ohne Hinterfragung.

Eine Variante des persönlichen Angriffs, die von Linken (und, wieso auch immer, gelangweilten Juristen) gelegentlich praktiziert wird, ist die Unterstellung: Man unterstellt dem Gegner üble Absicht. Man weiß, was »wirklich« im Kopf des Gegners vorgeht. Etwa: »Ihnen geht es gar nicht um die Rechte der Frauen, Sie wollen doch nur gegen Ausländer hetzen.« Oder: »Ihnen geht es doch gar nicht um Demokratie, wenn Sie gegen das Zusammenschlagen Andersdenkender protestieren, Sie wollen Wahlkampf für XYZ machen.« – Und so weiter, und so fort. Ad infinitum, ad nauseam – und mit »nausea« meine ich die nächste »Groko«.

Sie sind ein freier Mensch, debattieren Sie, wie Sie möchten!

Dies sind die Regeln, die ich mir selbst gebe: Über Handlungen reden, keine Herabwürdigung, keine Unterstellungen, auf Dimension achten.

The debate must go on.

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