Die deutsche Angst vor dem Liebesentzug

31. Oktober 2018, von Dushan Wegner; Collage: der Autor, mit Fotos von Linford Miles, Marek Szturc, Barth Bailey
Warum akzeptieren Deutsche den UN-Migrationspakt? Fürchten sie nicht Eingriffe in Souveränität und Pressefreiheit via »Soft Law«? Doch, vielleicht, aber: Viele Bürger fürchten den Liebesentzug durch die Obrigkeit weit mehr …
Die deutsche Angst vor dem Liebesentzug
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Kindergeburtstage sind ein Deal: Ich kaufe dem anderen Blag ein Plastikspielzeug, dessen Preis dank Lizenzkosten und Marketing nicht weniger als das Viertausendfache der Materialkosten beträgt, dafür wird mein Engelsgeschöpf von den anderen Eltern für zwei bis vier Stunden beaufsichtigt, bespaßt und mit den neuesten Errungenschaften der Lebensmittelchemie befüllt.

Elli und ich nehmen uns seit Jahren vor, einen Vorrat an sortierten Lego-Baukästen daheim anzulegen, doch es scheitert an der Befürchtung, dass die Baukästen vor ihrer Zeit geöffnet und aufgebaut werden könnten. Außerdem habe ich das Gefühl, dass sich der Legopreis jährlich verdoppelt! Ich steige in letzter Zeit auf Alternativen bei Geschenken um (große Kuscheltiere sind ein Geheimtipp, viel besseres Preis-Dankbarkeits-Verhältnis). Da wir also keinen Geschenke-Vorrat haben, müssen wir fast wöchentlich losziehen, um ein Geschenk zu kaufen, und an einen dieser Beutezüge kann ich mich sehr gut erinnern.

Es war vor fast genau einem Jahr. Wir waren ohnehin als Familie unterwegs, also hielten wir noch am Spielwarenladen an. Es wäre zu erwarten gewesen, dass beide Kinder hineinstürmen, wie Kinder es eben tun, doch wir merkten, dass Leo zögerte. »Och, sucht ihr mal was aus«, sagte er und hielt seine Mama an der Hand.

»Wow, das wird unser Haustier«, rief ich, der Papa, und griff nach einer großen Plastikspinne. Levia rollte mit den Augen (was macht der Papa wieder für Papa-Witze), doch Leo sprang zurück und versteckte sich hinter Elli. – »Nein, bitte nicht«, quietschte er leise.

Wir begriffen, warum der Herr Sohn so unbegeistert vom Spielwarenladen war! Es war kurz vor Halloween und im Eingangsbereich waren lauter Gruseligkeiten aufgebaut! Schädel aus Plastik, Hexenmasken aus Plastik, Gräber, Ratten, abgerissene Körperteile, allesamt aus Plastik, jedoch ganz schön gruselig, wenn man sieben Jahre alt ist. Wir lachten und trösteten, und ich ging mit Leo aus dem Laden heraus.

Heute, ein Jahr später, ist der Sohn vom Dienst schon ein großer Junge! Dieses Jahr hat Leo sich zu Halloween als eine Kombination aus Henker und Sensenmann verkleidet, sein Gesicht ist so leichenblass wie gruselig geschminkt, in der einen Hand trägt er eine Plastik-Sense, in der anderen einen Plastik-Schädel, seine Angst vorm Halloween-Bedarf hat er auch schon abgelegt – und Spinnen als Haustier findet er mittlerweile total knorke, was zum großen Teil an Paula liegt, die Zimmerspinne, die er als Zimmerkollegin verteidigte, als wir sie raussetzen wollten.

Man könnte den Sinn und Unsinn von Halloween diskutieren, und über den Umweg, den die Tradition von Irland über die USA genommen hat, um als konsumkompatible Belustigung auch in Europa zum Teil jugendlicher Popkultur zu werden – man könnte es diskutieren, aber man muss nicht. Ich bin einfach amüsiert und nicht unfroh darüber, wie Leo lernte, mit seiner Angst vor Plastik-Gruselzeug fertigzuwerden. Letztes Jahr fürchtete er noch den Schädel, dieses Jahr trägt er selbst einen Plastikschädel durch die Gegend, und die kluge große Schwester erklärt ihm, was es mit »Vanitas« auf sich hat. Ich sehe Halloween als ganz entspanntes Vehikel, um mit Kindern über Angst zu reden, wann wir auf sie hören sollten und wann wir sie überwinden wollen.

Beängstigende Angstfreiheit

Viele Deutsche haben, und zwar länger schon, ein fragwürdiges Verhältnis zur Angst: Sie geben sich angstfrei im Angesicht des Todes, wieder und wieder, und sie fürchten zugleich, was sie klüger machen würde.

Der Beispiele sind viele! Nehmen wir die Energiewende: In Japan passiert eine Springflut und aus Angst schaltet man saubere Kraftwerke in Deutschland ab. Aus Angst vor Klimaveränderung – oder ist es die Angst vor der Moralrhetorik der Windkraftlobby? – holzen die Deutschen tatsächlich Bäume ab und lassen ihre Hügel und Horizonte mit vogelzerhackenden Windrädern hässlich und künstlich aussehen. Aus Angst vor Stickoxiden lässt man Dieselfahrzeuge extra lange Umwege fahren und noch mehr davon produzieren. – Es ist kein Zufall, dass diese Beispiele aus dem Bereich des vermeintlichen Umweltschutzes stammen: Umwelt ist der Backup-Markenkern der Grünen. Die Grünen sind die Original-Angst-Partei. Die Grünen und ihre Freunde in diversen Lobbys haben aus der deutschen Neigung zur Angst ein Milliardengeschäft gemacht. (Es gibt einen Grund, warum grüne Angstmacher in der amerikanischen Politik nur unter Sonstige laufen.)

Mehr als den Tod fürchtet der brave Deutsche (man verzeihe die Generalisierung), die Liebe der Obrigkeit zu verlieren. Liebesverlust seitens der Obrigkeit macht allzu vielen Deutschen schlimmere Angst als konkrete Gefahr für Leib und Leben.

Wenn die Vereinten Nationen nicht gerade Israel verdammen oder von Saudi Arabien angeführt über Menschenrechte dozieren, erfinden sie Dinge wie den »Global Compact for Safe, Orderly and Regular Migration«, den UN-Migrationspakt. In wenigen Wochen wird der angeblich rechtlich nicht bindende Vertrag ausgerechnet in Marokko unterzeichnet werden. Er soll weltweite Migration regeln. Es ist ein merkwürdiges Konstrukt: Einerseits steht drin, dass es rechtlich nicht bindend sei, andererseits werden Dinge vereinbart, welche als weiterer Schritt weg von souveränen Nationen und hin zu einer global-orwellschen Postdemokratie gelesen werden könnten: Illegale Migranten sollen wohl weltweit Anspruch auf staatliche Leistungen erhalten und Presse soll zugleich inhaltlich auf Linie gebracht werden (Punkt 15.j., »Alle Teile der Gesellschaft umfassender Ansatz«, siehe un.org). Es handelt sich vermutlich um einen Fall von »Soft Law« – während der Unterzeichnung wird das Volk beruhigt, eigentlich treffe man sich nur zum Tee, und 1 Sekunde nach Unterzeichnung werden Globalisten und Postdemokraten die  rechtliche Unverbindlichkeit wegargumentieren.

Einige wenige Politiker (jene, welche ihren Amtseid ernster nehmen, also die zu erwartenden Namen), werden sich weigern, den UN-Migrationspakt zu unterzeichnen. Es ist genau keine Überraschung, dass der deutsche Minister hinter dem Zensurgesetz »NetzDG« und der Vorratsdatenspeicherung, Heiko Maas, nun als Außenminister den UN-Migrationspakt wohl lieber heute als morgen unterzeichnen würde. Auch ein rechtlich angeblich nicht bindender Pakt (was ist zwischen Staaten wirklich unverhandelbar verbindlich?) könnte genutzt werden, um demokratische Prozesse in den unterzeichnenden Staaten rhetorisch zu unterlaufen: ein Politiker kann Entscheidungen zum Nachteil seines Landes mit dem Vertrag begründen, und weite Teile der Bevölkerung werden es akzeptieren.

Wenn man einen durchschnittlichen, arbeitenden Deutschen fragen würde, ob er mit allen Menschen weltweit um die Leistungen seines eigenen Staates konkurrieren will (während nur er bezahlt), ob er für noch mehr staatlichen Einfluss auf Medien und berichtete Wahrheit ist, ob die nächsten Schritte hin zu einem globalen postdemokratischen Superstaat gegangen werden sollen, dann würde er panisch und in Angst sagen: Nein, um Himmels willen nicht! – Doch, mehr noch als die reale Gefahr fürchtet der Deutsche den Liebesentzug durch die Obrigkeit. Staatsfunk und Politik müssen dem braven Bürger nur drohen, dass er »Rechter« und »Verschwörungstheoretiker« sei, wenn er gegen die Verträge protestiert, welche die Regierung zu seinem Nachteil unterzeichnet, und schon wird er still.

Von Halloween lernen

Zu viele Mitbürger fürchten das Falsche und geben sich dem Falschen gegenüber furchtlos. Selbst wenn Ihnen der Migrationsteil des Migrationspaktes keine Angst macht: das Bestreben, Medien auf die gleiche Linie zu schalten, muss einem Demokraten doch Angst machen!

Ich mag an Halloween, dass Kinder heute auf verspielte Weise mit ihren Ängsten konfrontiert werden. Welche Angst ist sinnvoll? Welche Angst ist selbst schon gefährlich?

Deutschland braucht eine Halloween-Therapie! Lernt unterscheiden, wovor man sich fürchten sollte und wovor nicht! Deutsche, fürchtet weniger den Liebesentzug durch jene, welche euch ausnutzen und euch doch verachten – fürchtet lieber die Leute, welche mit ach-so-moralischen Worten eure Demokratie aushöhlen. Die Demokratie ist nicht perfekt, und wird es nie sein, aber jede andere Staatsform ist viel, viel schlechter. Die Aushöhlung von Demokratie und Rechtsstaat durch eine unselige Verbindung von moralisierenden Linken und postdemokratischen Globalisten, die macht mir wirklich Angst, mehr als ein Plastikschädel oder eine Fake-Spinne es je könnten.

Leo hat gelernt, die Gruseligkeit von Plastikschädeln buchstäblich in den Griff zu bekommen. Viele unserer Mitbürger fürchten den Verlust von Freiheit und Sicherheit weniger als den Liebesentzug durch die Obrigkeit. Es ist an der Zeit, dass Deutschland seine Ängste neu justiert – nicht nur zu Halloween!

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