2.7.2019

Jetzt mal ernsthaft!

von Dushan Wegner, Lesezeit 7 Minuten, Bild von Thomas Evans
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Die Regierung wundert sich, dass fast keine Migranten für 80 Cent pro Stunde arbeiten wollten. In Brüssel schachern sie derweil, wer neuer EU-Chef wird. – In einem Zirkus voller Clowns sind es die Ungeschminkten, die als »verrückt« gelten.
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Ein Zirkuszelt voller Clowns – was für eine Vorstellung! Ja, stellen wir uns ein weitgespanntes Zirkuszelt vor, aus breiten bunten Bahnen genäht, nach allen Seiten offen gemäß der Mode des Tages, rundum stehen die drohend wackelnden Zuschauerränge, in der Mitte des Zirkuszelts liegt die Manege, mit alten, stinkenden Holzspänen bestreut, doch man sieht und riecht die alten Holzspäne kaum, es wabert der Geruch von Schweiß und Erregung, denn das Zelt ist voller Clowns. Überall im Zelte, im ganzen Zelt, sitzen, stehen und feixen wilde, grell geschminkte Clowns. Auf den Sitzen und Rängen – hunderte Clowns. In der Manege, jonglierend und hüpfend, feuerschluckend, brüllend und verrückt kreischend – Clowns, Clowns und wieder Clowns.

Nun, mit dem Bild des clowngefüllten Zirkus vorm geistigen Auge, stellen wir uns uns selbst vor, nämlich dass wir selbst, allein, als genau eine Person, dass wir selbst als einzig unkostümierte Gestalt in den Lärm dieses ganz besonderen Zirkuszeltes treten, und dass wir dann dort eine Angelegenheit von gewisser Wichtigkeit zum allgemeinen Gehör bringen möchten im Kreis der Anwesenden, den irren Clowns – diese Angelegenheit kann etwa ein heranziehender Hurrikan sein, oder was sonst für ein Zirkuszelt samt seiner Bürger eine Bedrohung darstellen könnte.

Wir sprechen einen der Clowns höflich an und flüstern einem andern Clown unsere Warnung ins Ohr, doch niemand nimmt die notwendige Mahnung ernst, nein, die Clowns reißen weiter heiter Possen, sie reißen das Maul laut auf und auch die Latte des Wahnsinns reißen sie mit clownesker Leichtigkeit. Mit wem können wir mit dem nötigen Ernst teilen? Unser Hinweis wird erst zur Sorge und dann zur Angst, und in einem Moment des Mutes rufen wir laut aus: »Jetzt mal ernsthaft!«, doch, weh, wir haben zwar laut gerufen, so laut wir konnten, aber kein Clown nahm unser Flehen um Ernsthaftigkeit ernst, kaum einer hörte hin, als wir riefen, denn wer würde schon einen Außenseiter ernst nehmen, der so anders ist, so störend, so ungeschminkt.

Jetzt mal ernsthaft!

Nach den Bundestagswahlen 2017 hatte die SPD-Spitze erklärt, mit ihr würde es auf keinen Fall eine weitere Große Koalition geben. Im Februar 2018 waren dann die Koalitionsverhandlungen zur Großen Koalition abgeschlossen. (Wäre es zu unflätig, darob von »Lügenkoalition« zu reden?)

Der Februar fällt im Rheinland öfter in die Karnevalszeit, und so wie erfolgreiche Politiker ihre sichtbare Fußballbegeisterung einsetzen, um lokale Verankerung zu demonstrieren (siehe das Kapitel dazu in »Talking Points«), so versuchte die SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles wohl, ihr rheinisches Lokalkolorit zu demonstrieren, indem sie sich allen Ernstes mit Clownschminke im Gesicht und Clownsperücke auf dem Kopf in den Abendnachrichten des deutschen Staatsfunks zum Ergebnis der abgeschlossenen Koalitionsverhandlungen interviewen ließ, und mancher zum Zuschauen verdammte Bürger rief aus: »Jetzt mal ernsthaft! Das soll ernsthaft ein Politiker sein, der über das Schicksal des Landes mitbestimmt?!« – Es war nicht die einzige Situation, in der Nahles beim rationalen Teil des Publikums ein verwundertes »Ernsthaft?!« evozierte, es sollte nicht die einzige bleiben (siehe auch welt.de, 21.5.2019: »Der Bätschi-Faktor«) – besonders peinlich aufzutreten scheint in der SPD der entscheidende Erfolgsfaktor zu sein – ernsthaft! Prüfen Sie es selbst: von Schulz bis Nahles, von Maas über Stegner, Frau Dr. Giffey bis nicht zuletzt hin zu Sozialismus-Kevin.

Der Bundesarbeitsclown – pardon! – die Bundesarbeitsministerin unter Merkel im Jahre 2016 war, wie in der absurden Berliner Parallelwelt zu erwarten, eine Person ohne nennenswerte Arbeitserfahrung außerhalb der Politik, nämlich die erwähnte Andrea Nahles.

Damals, die Zeit der Hoffnung und Illusionen – die Hoffnung brennt derzeit eher auf Sparflamme, damals aber hatte man noch Visionen! – verkündete Nahles, und damit die Merkel-Regierung, sogenannte »Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen« für 100.000 Asylbewerber:

Die Menschen sollen während des Asylverfahrens einer sinnvollen Betätigung nachgehen. (…) Zum überwiegenden Teil sollen Flüchtlinge außerhalb der Unterkünfte arbeiten – zum Beispiel dabei helfen, Grünanlagen zu pflegen. Sie erhalten eine Aufwandsentschädigung von 80 Cent pro Stunde. Die FIM können bis zu sechs Monate dauern und bis zu 30 Stunden die Woche umfassen. (bundesregierung.de)

Jede politische Maßnahme geht von bestimmten Vorstellungen über Mensch und Gesellschaft aus, auch diese. Das Weltbild gutmenschlicher Politik ist auf Lügen gebaut, und die konkrete Lüge hinter dieser »Flüchtlingsintegrationsmaßnahme« erinnert frappant an das links-rassistische Ideal des »Edlen Wilden« (siehe Wikipedia).

In gutmenschlicher Vorstellungswelt sind die jungen Männer, welche die Schlepper bezahlen können um nach Europa zu migrieren, allesamt »unverdorbene Quasi-Heilige«, die vor Dankbarkeit schluchzend, die Grünanlagen im Park harken – für 80 Cent die Stunde. Ernsthaft?! – Manche politische Handlungen sind so falsch, dass nicht einmal das Gegenteil richtig wäre.

Heute lesen wir schließlich:

Im Januar 2017 zum Beispiel nahmen noch 1987 Asylbewerber einen solchen Job auf, ein Jahr später lag die Zahl nur noch bei 693. In diesem Januar waren es schließlich nur noch 514 Personen. (welt.de, 2.7.2019)

Das Programm wird 2020 auslaufen. Die Bundesregierung gibt es auf. Man plante 100.000 Arbeitsstellen zu Sklavenlöhnen – pro Jahr. Immerhin 32.000 probierten es – insgesamt. Weniger als 10 Prozent. Die Pläne von Linken sind auf Illusionen gebaut.

Jetzt mal ernsthaft! Wer bitte dachte, dass hunderttausend Menschen pro 80 Cent in der Stunde harte Arbeit erledigen würden?! Wer an diesen angeblichen »Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen« beteiligt war und wirklich meinte, dass es eine gute Idee sei, Menschen aus Afrika für harte Arbeit zu Sklavenlöhnen einzustellen, der sollte seinen Führerschein neu machen, zur Sicherheit.

Die Zeitung fragt:

Hatte Nahles die Arbeitsbereitschaft vieler Asylbewerber, die noch mitten im Verfahren stecken, überschätzt? (welt.de, 2.7.2019)

Jetzt mal ernsthaft! Migranten sollen für hochgerechnet 4 Euro pro Arbeitstag die Parks der reichen Weißen kehren? Ich bewundere, ernsthaft und aufrichtig, die Migranten, die den Job tatsächlich annahmen und darin durchhielten.

Nach einer Reihe von peinlichen Flops ist Nahles inzwischen von allen politischen Ämtern zurückgetreten – ob sie eventuelle Rentenansprüche aufgäbe, ist nicht bekannt.

Nahles mag weg sein, der Clown mag politisch ausgetrötet haben, doch das Geschirr, das der Clown in seiner Tollpatischkeit zerdepperte, das bleibt zerdeppert.

 

Jetzt mal ernsthaft!

In einer Masse von Clowns ist der eine Ungeschminkte eben der lächerliche Außenseiter – nicht die vielen bunten Clowns.

Wir lesen die Nachrichten, und es liest sich wie Meldungen aus dem Zirkus voller Clowns.

Die Grüne Ska Keller will Präsidentin des Europaparlaments werden? – Jetzt mal ernsthaft! Wie viel Schaden soll dem Ansehen des Brüsseler Verschiebebahnhofs für Partei-Altkader denn noch angetan werden? Es ist geradezu unterhaltsam: Nicht nur wissen wir nicht so wirklich, was die diversen Superverdiener in der EU den lieben Tag lang so machen, noch weniger ist es klar, wer es ist, den man bei den sogenannten »EU-Wahlen« nun wirklich gewählt hat – auf jeden Fall wohl nicht den, den man gewählt hat – oder irgendeinen der »Spitzenkandidaten« (siehe etwa welt.de, 1.7.2019) – aktuell ist sogar Frau von der Leyen im Gespräch für den Posten der Kommissionschefin (bild.de, 2.7.2019) – bei Beratungsfirmen fahren gewiss schon die Champagner-LKWs vor.

Wenn man im Internet nach »Steinmeier« und »Rackete« sucht, kommt derzeit noch unter den ersten Suchergebnissen ein Bericht über die Glückwünsche des Bundespräsidenten an die iranischen Mullahs zum Jahrestag der islamischen Revolution – im Bericht auf tagesspiegel.de, 21.2.2019 geht es wohl buchstäblich um Raketen, doch aktuell sind Steinmeier und sein Parteikollege, Peinlichminister Maas, in den Nachrichten mit ihrer unverschämten Einmischung in die rechtsstaatlichen Vorgänge Italiens (und da geht es um eine Kapitänin namens »Rackete«, mit »ck«). Steinmeier kritisiert Italien dafür, dass sie Leute verhaften, die gegen Gesetze verstoßen (nzz.ch, 1.7.2019). Maas erklärte, aus seiner Sicht habe das rechtsstaatliche Verfahren mit der Freilassung von Frau Rackete zu enden (@HeikoMaas, 1.7.2019) – ein interessantes Verständnis von »Rechtsstaat«.

»Wer Menschenleben rettet, kann nicht Verbrecher sein«, so die knallharte Argumentation des Bundespräsidenten. Jetzt mal ernsthaft! – Wir erleben die gefühlte Auflösung nicht nur des Rechtsstaats sondern auch und zuerst des rechtsstaatlichen Denkens. Legal, illegal, gutmenschlich. Die legale Logik deutscher Prominenz ist exakt die Logik von Lynchjustiz und fackeltragenden Mobs: Denen ist nicht legal, was Gesetzen und Recht folgt, sondern was sich in dem Moment »im Bauch gut anfühlt«.

Jetzt mal ernsthaft! Sehen die Moralinschleudern wirklich nicht, dass sie die Argumentation von politischen Gewalttätern und sogar Terroristen übernehmen, wenn sie ihre gefühlte Tagesmoral über Recht und Gesetz stellen?

Jetzt mal ernsthaft!

Wer Zwei plus Zwei für Vier hält, der gilt heute als Ungeschminkter im Clownzirkus.

Die Clowns erklären, sie wollten die Föderale Europäische Republik und das sei die vernünftigste der Lösungen, doch nach jeder Wahl stellen die Bürger fest, sei es in Brüssel, in Berlin oder in Bremen, dass es eher zufällig ist, ob derjenige, für den sie gestimmt haben, auch der ist, der an die Macht kommt. Jetzt mal ernsthaft! Wie können die da oben von Demokratie und Rechtsstaat reden – oder gar von der Moral – wenn ihr Wort so beständig ist wie Vanille-Eis auf dem heißen Autoblech im »Klimasommer«?

Auf den Sitzen und Rängen hunderte feiste Clowns, dick versorgt mit Diäten und Dienstlimousinen, jonglierend und hüpfend, Konfetti in unsere Augen werfend, von Moral brüllend und auch sonst verrückt kreischend.

Im Zirkus voller Clowns gilt der Ungeschminkte als verrückt. Wenn das Verrückte als normal gilt und das Normale als verrückt, dann sei der, den sie verrückt nennen – ernsthaft!

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