In Chicago haben Trump-Hasser einen Behinderten gekidnappt, gefesselt, gedemütigt, mit einem Messer gefoltert und ihre Tat via Facebook Live gestreamt. Sie beschimpften ihr Opfer: »fuck white people«, »fuck Donald Trump«. (Hier ist das Statement des Polizei-Chefs von Chicago. Das Video der Folter ist im Internet an den üblichen Stellen vielfach zu finden. Ich möchte es nicht verlinken, weil man die Gesichter von Tätern und Opfer klar sieht.)

Die Festgenommenen sind Farbige. Ihre Tat scheint rassistisch und politisch motiviert zu sein. Und sie sind nicht allein: Im Internet finden sich diverse Videos von Farbigen, die Weiße zusammenschlagen. In einigen Fällen werden die Weißen als angebliche Trump-Fans beschimpft.

Das Statement des Polizeichefs Eddie Johnson machte viele Menschen wütend: »Man wundert sich, was Personen dazu treibt, jemanden so zu behandeln!« (»It makes you wonder what would make individuals treat somebody like that.«)

Dem Polizeichef schallt entgegen: Die Täter haben es doch selbst gesagt! Wörtlich! Sie hassen Weiße! Sie hassen Trump! Der Behinderte muss büßen für ihren Hass. Was sollen die Täter noch tun? Eine Pressekonferenz geben?

Man »lässt prüfen«, ob es ein »Hate Crime« sei. Und wie zu erwarten, wird gefragt: Wären Sie auch so zögerlich, wenn Weiße einen Farbigen für seine Hautfarbe gefoltert hätten? Nein. Zu Recht nicht!

Doch dies ist kein US-Phänomen allein. Auch in Europa gibt es Fälle von Gewalt gegen Weiße, weil sie Weiße sind. Besonders aus Frankreich tauchen immer wieder Videos auf, die dokumentieren, wie Weiße bedrängt werden. (Ich vertraue Ihren Fähigkeiten, im Internet ein Video zu suchen, wenn Sie es denn möchten.) Doch Sie werden es nicht in der Tagesschau sehen. Und wenn es auf Bento oder Zeit erscheint, dann mit einem Framing, das am Ende doch irgendwie der Merkel-Opposition die Schuld gibt. Gewalt gegen Weiße hat nur »regionale Bedeutung«.

Wir erleben eine an geistige Umnachtung grenzende Asymmetrie medialer Aufmerksamkeit. Das ist einer der Gründe für das weiter wachsende Misstrauen gegenüber Medien und Politik.

Es wurde von Handgranaten (Die Zeit: »Wenn Hass eskaliert – Rechte Demagogen treiben die Täter an«) und geschmierten Hakenkreuzen berichtet, von Frauen, denen der Hijab vom Kopf gerissen wurde. Vom Rassismus gegen Weiße hören Sie sehr wenig. Passiert er etwa nicht? Oh doch. Passt Rassismus gegen Weiße nicht ins »Narrativ«? Ignoriert man ihn, weil Berichte darüber »den Falschen helfen« könnten?

Weiße haben in der Geschichte schreckliche rassistische Taten an Menschen anderer Hautfarben und Kulturen begangen. Doch für mich leitet sich daraus nicht ab, wieso man wegschauen müsste, wenn rassistische Gewalt gegen Weiße passiert.

Sollen wir dem am Boden liegenden, getretenen Kind erklären, die Tritte gegen seinen Bauch und Kopf seien nicht schlimm, »weil Sklaverei«? – Nein.

Es gibt hier nur einen Weg zum Miteinander statt Gegeneinander: Wir müssen auch über Rassismus gegen Weiße reden. Und er muss mit derselben Konsequenz geahndet werden wie, zu Recht, der Rassismus gegen Farbige. Keine Mutter soll fürchten müssen, dass ihr Kind zusammengeschlagen wird, weil es die falsche Hautfarbe hat.

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