7.7.2019

Verantwortung für Millionen, Qualifikation für nichts

von Dushan Wegner, Lesezeit 8 Minuten, Bild von Iker Urteaga
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Deutschland sendet an Schlepper die Botschaft, dass wer sich aufs Meer begibt (von wo aus NGOs die Weiterreise organisieren), automatisch nach »Europa« eingeladen ist (sprich: Deutschland). Wenn Irre an der Macht wären, was würden sie anders tun?
Verantwortung für Millionen, Qualifikation für nichts
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Am Klinikum unserer Stadt wurde ein neues Verfahren beschlossen, mit dem die Ärzte ausgesucht werden. Das alte Verfahren hatte die Privilegierten bevorzugt, welche die finanziellen und sonstigen Mittel für ein Studium der Medizin aufbringen konnten und zudem gesunde Augen hatten, und das war ungerecht. Man ließ also, um der Gerechtigkeit Willen, die Bürger unserer Stadt in einer öffentlichen Versammlung, bei der sich die Kandidaten vorstellen mussten, darüber abstimmen, wer Arzt am Klinikum würde. Mein Vater war Metzger gewesen, also zog ich seinen alten Kittel an, und von meiner Großmutter, welche an Abenden mit den schwarzen Künsten spielt, lernte ich lateinische Vokabeln und das kleine Einmaleins der Wahrsagerei, die Bürger unserer Stadt sind nicht so klug und so bin ich seit letzter Woche nun der neue Chirurg an unserem Klinikum.

Gestern war es an mir, zum ersten Mal als neuer Chirurg zu operieren! Ein Mann mittleren Alters wurde ins Klinikum gebracht. Er klagte über Schmerzen im Arm und Enge in der Brust, er war blass und kalt und doch schwitze er, und zwischendurch erbrach er sich. Ich ließ ihm einen warmen Kamillentee gegen das kalte Zittern bringen, und dann sagte ich mir »Ich schaffe das!«, und: »Du musst nur an dich glauben!«

Ich ließ ihn sogleich in den Operationssaal bringen und selbstbewusst öffnete ich ihm den Arm – er hatte ja gesagt, dass der Arm ihm Schmerzen bereite. Mein Skalpell schnitt die Haut seines Arms von der Schulter über die Ellenbeuge bis zur Handwurzel auf. Irgendwo da musste sich doch die Ursache seiner Schmerzen finden lassen! Wenn überhaupt jemand in der Lage wäre, diese Operation erfolgreich durchzuführen, dann nur ich – schließlich war ich es, den die Bürger zum Arzt am Klinikum gewählt hatten! Eine Krankenschwester sagte etwas über »Herzinfarkt«, und ich ließ sie sofort entlassen, denn solche Besorgten und Schwarzseher kann ich als Chirurg am Klinikum nicht gebrauchen – die sind nur auf ihren Vorteil aus!

Ich fand die Ursache für den Schmerz im Arm leider nicht. Die Familie des Opfers schimpfte, ich sei inkompetent und wisse nichts über mein Fach, doch mein Kumpel ließ die Familie wegen Hassrede verhaften. Sehen diese Widerlinge denn nicht, dass wir auch ohne ihre Hetze genug zu tun haben mit den ganzen Toten im Krankenhaus, in so einer Lage können wir sie wirklich nicht gebrauchen, diese Populisten! Ich bin ja zum Chirurg gewählt, dank meines Metzgerkittels, und die Miesmacher sind es nicht. Ihr fragt nach Gerechtigkeit? Ich sage euch, meine Macht, das Skalpell in meiner Hand, das ist Gerechtigkeit.

Böse gemeinte Adjektive

Merkels bayerischer Bettvorleger hat den italienischen Innenminister Matteo Salvini aufgefordert, die italienischen Häfen zu öffnen für NGOs, welche die Weiterreise von Schlepper-Kunden organisieren (bild.de, 7.7.2019).

Salvini ist ein Politiker, der noch gegen den linksgrünen Suizidalismus des Westens kämpft, und das erkennt man schon auf den ersten Blick daran, dass das journalistische Haltungstourette ihm zuverlässig böse gemeinte Adjektive vor den Namen stellt.

Aus Österreich hören wir:

Solange die Rettung im Mittelmeer mit dem Ticket nach Mitteleuropa verbunden ist, machen sich immer mehr Menschen auf den Weg. (Sebastian Kurz, 7.7.2019)

Es ist eine offensichtliche Wahrheit. Es ist eine schlichte Wahrheit. Ein Zyniker könnte vermuten, dass einige Mitbürger sich das geistige Auge täglich neu mit dem heißen Eisen linker Verblendung ausbrennen, um noch zu glauben, dass es bei »Seenotrettung« wirklich nur um Seenotrettung geht. Einerseits wirkt mindestens auf Zyniker die angebliche »Seenotrettung« wie ein maritimer Abenteuerurlaub wohlbetuchter Wohlstandskids, die hoffnungsvolle Afrikaner aufs Meer locken, damit die edlen Weißen sich wie Helden fühlen können – andererseits ist man recht offen darin, dass man unbegrenzte Migration anstrebt. Es wird seinen Grund haben, warum etwa das Angebot eines »sicheren Hafens« in Libyen, also außerhalb der EU, vom deutschen NGO-Schiff Alan Kurdi abgelehnt wurde (siehe etwa welt.de, 7.7.2019). – Randnotiz: Einige »Seenotretter« präsentieren sich inzwischen in T-Shirts mit der Aufschrift »Team Umvolkung« – ein Fall »(unfreiwilliger) doppelter Ironie«?

Gewisse innere Reife

Politik ist das einzige Amt, das man ohne den Nachweis irgendeiner relevanten Befähigung ausüben kann. Leute, die trotz bester Ausgangsbedingungen am Leben scheitern, können noch immer in der Politik reüssieren und über das Schicksal von Millionen bestimmen.

Demokratie setzt Wähler mit einer gewissen inneren Reife, und ja, etwas Weisheit voraus, welche aus ihrer Mitte eine Auswahl treffen. Ein kluger Mensch erkennt einen, der klüger ist als er selbst, und er wählt ihn, damit dieser über ihn herrsche. Ein dummer Mensch erkennt Klugheit nicht nur nicht, er fürchtet, bekämpft und verachtet sie – mit dummen Wählern ist keine kluge Regierung möglich.

Nach dem zweiten Weltkrieg haben die Alliierten beschlossen, Deutschland doch noch eine Chance zu geben – trotz Holocaust wollten sie das Land nicht ausradieren und aus der Geschichte tilgen. Teil der neuen Chance war auch das System der von der Militärverwaltung vergebenen Medienlizenzen. Wer eine Zeitung herausgeben wollte, braucht eine Lizenz (siehe»Lizenzzeitung« bei Wikipedia). Im Bereich TV griff man frühere Ideen auf und schuf nach dem Vorbild der BBC eine Familie von Anstalten des öffentlichen Rechts. Eigentlich sollte das öffentlich-rechtliche Fernsehen »staatsfern« sein, eigentlich.

Einerseits ist die praktische Verzahnung mit der Politik frappant – als in seiner Offensichtlichkeit geradezu perverses Beispiel sei nochmal kurz der Fall Malu Dreyer angerissen (Wikipedia-Eintrag zu ihr), welche aktuell gleichzeitig Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz und Vorsitzende des Verwaltungsrats des ZDF ist (und welche mehr sogenannte »Seenotrettung« fordert, siehe welt.de, 10.5.2019), man könnte aber auch den ARD-Vorsitzenden Ulrich Wilhelm (Wikipedia) erwähnen, der zuvor Merkels Regierungssprecher war, und über die berufliche Zukunft des ehemaligen ZDF-Journalisten und heutigen Regierungssprechers Steffen Seibert (Wikipedia) wird man sich wohl auch wenig Sorgen machen müssen.

Andererseits mögen die Räte und oberen Etagen der Öffentlich-Rechtlichen reich an politischen Kadern und »einfachen« Parteimitgliedern sein (bemerkenswert etwa: Maybritt Illner, SED von 1986 – 1989, in der DDR beim Staatsfernsehen tätig, siehe welt.de, 15.2.2007), doch in den 1970ern setzt ein weiterer Effekt ein. Die sogenannten 1968er wollten den »Marsch durch die Institutionen« – und er gelang. Wer wie ich in Köln aufwuchs und studierte, der kennt diese Menschen, die wie am Geist zusammengebundene Bergsteiger einander in den Apparat hineinziehen (siehe auch: »Darf man über ›Lügen‹ reden?«) – und jeden Abweichler bekämpfen, so wie weiße Blutzellen gefährliche Bakterien bekämpfen.

Dieser »Durchmarsch« geschah nicht nur in den Medien! Schon seit locker ein oder zwei Jahrzehnten gilt: Wenn Deutschland eine Aktie wäre, könnte es passieren, dass Sie nach einem Gespräch mit Lehramtsstudenten, also zukünftigen Lehrern, Ihren Broker anrufen und diesen Posten im Depot liquidieren, ohne Limit nach unten.

Das Ergebnis dieses Durchmarsches in Medien und Schulen ist eine Bevölkerungsmehrheit, die vom abendlichen Fernsehen erzogen wurde, zu »fühlen« statt zu denken, wo Fakten und Konsequenzen als »rechts«, »nazi« und schlicht böse gelten, wo »Wir sind mehr!« als ausreichendes Universal-Argument gilt und besorgt zu sein als böse, wo man Kindern das Wahlrecht anvertrauen will – denn die »fühlen« sogar noch mehr als die Erwachsenen, wo man wie einst die Katholiken neue Marien-Figuren sucht, denn mit jungen Frauen »fühlt« es sich besonders gut. Das Ergebnis des Durchmarsches durch Medien und Schulen ist eine Bevölkerungsmehrheit, die sich in den eigenen Untergang wählt.

Politiker ist einer der wenigen Berufe, in denen keinerlei Qualifikation in der Sache notwendig ist, solange man Strippen zu ziehen und das Volk aufzuwühlen weiß. In der Politik kann es sogar explizit dem Erfolg abträglich sein, in der Sache qualifiziert zu sein, einige von uns erinnern sich noch an Gerhard Schröders Angriffs-Talking-Point »dieser Professor aus Heidelberg« (rnz.de, 20.2.2018).

Signale nach Afrika

Wer in Deutschland beruflich Haare schneiden oder Brötchen backen möchte, wird auf seine Fähigkeiten hin geprüft und muss zunächst eine Zulassung erhalten. Wer Politiker werden und so über das Schicksal von Millionen bestimmen will, muss es vor allem in der Partei nach oben schaffen und dann noch an die Bauchgefühle ausreichend vieler vom Staatsfunk weichgekochter Bürger appellieren können.

Der irre Arzt, den ich im Einstieg dieses Textes erfand, feuerte und beschimpfte die Person, die ihn darauf hinwies, was die eigentliche Krankheit des Patienten war. Ist denn die Tatsache, dass jener irre Arzt es in den Kittel und ans Skalpell geschafft hatte nicht ausreichend Begründung für die Wahrheit seiner Aussagen?

Deutschlands Regierung sendet täglich Signale nach Afrika, dass de facto alle kommen sollen (siehe etwa @bmi_bund, 6.7.2019). Wer zu fragen wagt, wie ein Land von 80 Millionen Einwohnern und sich eintrübender Wirtschaft (welt.de, 7.6.2019: »Deutsche Exporte fallen wie seit 2015 nicht mehr«) die 1.2 Milliarden Bewohner Afrikas aufnehmen soll, wird mundtot gemacht.

Eine funktionierende Demokratie braucht ein an Seele und Geist gebildetes Volk, sonst wählt es seinen eigenen Untergang. Deutschland driftet zeitgleich aus Vernunft, Demokratie und Rechtsstaat heraus – und die, die Deutschland davon abhalten könnten, die TV-Sender mit ihrem allabendlichen Zugang in die Wohn- und Schlafzimmer, bläuen den braven Deutschen ein, »Hurra« zu brüllen, wenn das Land drangegeben wird.

Wie das praktisch aussieht

Was soll der Mensch tun, wenn seine Mitbürger einen Irren zum Chef-Chirurgen gewählt haben?

Zuerst sollte er versuchen, nicht selbst zum Opfer des irren Chirurgen zu werden. Suche dir eine andere Klinik. Man könnte versuchen, seine Mitbürger zu überzeugen, Chirurgen nach ihrer Qualifikation auszusuchen. Mann muss im Voraus planen, für den Fall, dass man krank wird, und keine Zeit mehr zum Planen ist.

Es ist unrealistisch, als Einzelner die Masse vom Wert der Vernunft zu überzeugen, wenn die Masse von mächtigen Medienanstalten trainiert wurde, abweichende Gedanken buchstäblich mehr zu fürchten als den Tod.

Viele Menschen würden lieber sterben als nachzudenken, so lautet eine Bertrand Russell zugeschriebene Weisheit, und in Deutschland erleben wir, wie das praktisch aussieht.

Ich habe kein politisches Amt inne, ich bin niemandem verantwortlich außer meinem Gewissen, und ich gebe Ihnen den besten Rat, den ich weiß: Suchen Sie Schutz! Ordnen Sie Ihre Kreise und sichern Sie Ihren Innenhof, ob in Deutschland oder im Exil. Dies ist Ihr einziges Leben. Zuerst sind Sie sich und Ihren Lieben gegenüber verantwortlich. Wenn die Chirurgen irre werden, sucht Schutz vor den Skalpellen.

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