Ignoriere das Jetzt – arbeite am Morgen!

Auf der Kommode meines Sohnes steht Batman. Die Figur aus hartem Plastik ist etwa 40 Zentimeter hoch und hat einen Umhang aus schwarzem Stoff. Als wir Leo sein neues Zimmer eingerichtet hatten, war die Batman-Figur sein einziger Deko-Wunsch gewesen. Wandfarbe? War ihm egal. Vorhänge? Egal. (Er bekam die Vorhänge aus dem ersten Kinderzimmer, in das wir damals erst das eine Baby und dann das andere Baby brachten. Hach, wie die Zeit eilt!) – Nein, die Deko war ihm allesamt egal. Nur Batman, der war ihm wichtig.

Wir alle mögen Batman. Die geniale Interpretation der Batman-Story durch Christopher Nola definiert, wie die meisten von uns heute Batman sehen: The Dark Knight, gespielt von Christian Bale, mit Heath Ledger als dem Joker. (Leo ist 8 Jahre alt und hat den Film natürlich nicht gesehen – Batman, auch Nolans Batman, ist größer als die Filme der Trilogie.)

Sicher, Batman (also eigentlich Bruce Wayne) ist super-super-reich, doch innen drin ist er ein Mensch mit der gleichen Biologie wie Sie oder ich. Bruce Wayne, also Batman, kann weder von Natur aus via Röntgenblick durch Wände hindurchsehen, noch kann er sich selbst heilen, jedenfalls nicht schneller, als jeder andere Mensch auch.

Viele von Batmans Superkräften sind technischer Natur, vom Batmobile bis zum Umhang, der zum Flügel werden kann. Batmans interessantesten Kräfte aber sind diejenige, die er sich antrainiert hat, allen voran seine Kampfkunst, seine wissenschaftlichen Kenntnisse – und sein stählerner Fokus auf Ziele und Werte.

Es gibt dumme Denkmuster, die sind übler als ein körperlicher Schaden. Es haben schon Menschen mit amputierten Beinen den Mount Everest bestiegen – etwa dieses Jahr der Chinese Xia Boyu, dem beide Beine vom Knie abwärts fehlen (siehe time.com, 14.5.2018). Wir können uns allerdings eine ganze Reihe von Denkmustern vorstellen, die »nur im Kopf« sind, doch vom Kopf her vollständig verhindern, dass man den Mount Everest bezwingt, viel effektiver als das Fehlen beider Füße es könnte. (Etwa meines, das aus einer simplen 3-Wort-Frage besteht: »Warum sollte ich?«)

Ich will uns heute (Ihnen und mir zugleich!) eine sehr wichtige »Superkraft« vorstellen!

Die Superkraft lässt sich so formulieren: Ignoriere das Jetzt!

Lassen Sie mich bitte erklären!

Ich sehe Politiker, die von Stimmungen und Umfragen getrieben heute das sagen und morgen jenes. Sie fürchten Shitstorms, und wenn sie kommen, reagieren sie aufgeschreckt wie panische Hühnchen.

Ich sehe Bürger, die sich fürchten, ihr Leben zu verändern oder ihre Meinung laut zu sagen, weil es kurzfristig unkomfortabel ist.

Ich sehe Unternehmer, die sich bei der Regierung und dem Zeitgeist anbiedern. Sie haben Angst, für etwas zu stehen. Oder sie sind zu faul.

Sie fürchten sich vor dem Wind im Jetzt und so beschwören sie den Orkan in der Zukunft hinauf.

Was wird Ihnen morgen wichtig sein, was in zehn und zwanzig Jahren? Warum sprechen Sie es nicht jetzt schon aus? Welche Strukturen werden Ihnen morgen relevant sein, welche in zehn und zwanzig Jahren? Warum beginnen Sie nicht, diese Strukturen heute schon zu stärken?

Wer weiß, wo er morgen stehen will, kann leichter ignorieren, wenn sie ihn heute anbrüllen und beschimpfen.

Merkel war eine Kanzlerin, die von Medien und Politikern geliebt werden wollte. Sie warf täglich ihre Pläne um, änderte den Kurs mal in die eine und in die andere Richtung. Sie wird politisch einsam enden, mit einem gespaltenen Land und Kontinent.

Trump ist ein Präsident, dem das Lob von Medien und Politikern nicht egaler sein könnte. Mittlerweile ahnen auch seine Feinde, dass er erfolgreich darin sein könnte, die ihm relevanten Strukturen zu stützen. (Es hilft, dass er, anders als Merkel, auch wirklich klar geordnete relevante Strukturen hat.)

Merkel wollte den Medien gefallen – sie wird gescheitert enden, vor Trümmern und Spaltung. Trump ignoriert, ob Medien ihn mögen – er schaut darauf, was MORGEN relevant sein wird. Wem die Zukunft am Herzen liegt, der muss die heutige Empörung ignorieren.

In der letzten Szene des erwähnten Batman-Films »The Dark Knight« verabreden sich Lt. James Gordon und Batman, dass Batman die Schuld für die Ereignisse und damit den Zorn der Stadt auf sich nehmen wird. Batman flieht und zieht sich zurück.

»Wir werden ihn jagen«, erklärt Gordon seinem Sohn, und er meint Batman, »weil er es ertragen kann.« (»So we’ll hunt him. Because he can take it.«)

Das soll unsere Superkraft sein, fast wie Batman: Ignoriere das Jetzt! – Wir können es ertragen. Die Frage ist nicht, ob uns heute dieser oder jener Wind ist Gesicht weht, auch wenn er kalt und mit Eisregen kommt – viel wichtiger ist, ob wir den morgigen Sturm vermeiden können. Ignoriert das Jetzt, sorgt euch ums Morgen!

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