Land, das Helden nötig hat

Perseus, Sohn des Zeus und der Danaë, der die Graien überlistete, der Freund der Nymphen war und bis heute berühmt ist als Enthaupter der Medusa, sieht an Äthiopiens Küste die Andromeda, wie sie an den Felsen gekettet erwartet, geopfert zu werden. Die schöne Andromeda muss büßen für eine Dummheit, die doch ihre Mutter begangen hatte.

Nein, dieses Schicksal wird Perseus nicht zulassen! Perseus ist ein Held und Helden haben jungen Damen in Not zu helfen.

Perseus zieht sein Schwert und besiegt das Meeresungeheuer. (Nach anderer Version zieht den Kopf der Medusa hervor und lässt das Ungeheuer zu Stein erstarren – ein Trick, der die Anwesenden immer wieder überrascht, die Leser dann irgendwann weniger.)

Die schöne Andromeda ist gerettet. Perseus erhält sie zur Gattin und das Königreich zum Lohn.

Perseus ist (ein) Urbild aller Helden. Manche kennen auch eher spätere Varianten wie James Bond oder Super Mario.

Lassen Sie uns von drei weiteren Instanzen von Heldentum sprechen. (Die erste Instanz ist eher ein „abwesendes“ Heldentum.)

Köln Hauptbahnhof

Als am Kölner Hauptbahnhof viele hundert Frauen von „jungen Männern“ begrapscht und beraubt wurden, wo waren eigentlich die Helden, die sie hätten verteidigen sollen?

Können Sie sich vorstellen, wenn eine Gruppe „junger Männer“ so etwas in Polen, in Tschechien oder in Texas versuchte?

Keine Helden, nirgends.

Die Zeit zwischentitelt, einen Marokkaner namens Mounir paraphrasierend:

„Die Deutschen sind alle Muschis“
zeit.de, 28.06.2016

Thalys 9364

2015: Im Thalys-Zug zwischen Amsterdam und Paris zieht ein 25-jähriger Marokkaner eine Kalaschnikow. Er plant, zu tun, was Terroristen tun. Er hatte wohl damit gerechnet, dass nur Mitteleuropäer an Bord sind. Er irrt. Es sind auch US-Soldaten im Zug. Ein Franzose beschreibt, wie der Soldat den Mörder aufhielt:

„Er ist auf ihn raufgesprungen und hat ihn zu Boden gedrückt. Der Kerl ist kein Warmduscher, der hat Eier. Ich blieb wie erstarrt sitzen. Ich hätte das niemals gekonnt.“
– Welt, 22.08.2015

Hamburg-Barmbek

Stellen Sie sich vor, Sie wollen noch schnell Brot für den nächsten Tag kaufen, gehen in den Supermarkt, und da steht plötzlich Flüchtling Ahmad A. („ausreisepflichtig“, „konnte nicht abgeschoben werden“, bla bla bla) vor Ihnen und sticht zu. (Ab da ist er in „Qualitätsmedien“ nicht mehr „Flüchtling“, sondern „Asylbewerber“ und „komisch im Kopf“.)

Dies passiert so im Juli 2017.

Danach geschieht allerdings etwas Ungewöhnliches.

Der Täter will fliehen und wahrscheinlich mehr Menschen abstechen. Allerdings stellen sich ihm Männer in den Weg. Sie greifen Stühle, die sie nach ihm werfen, ihn damit zu Boden prügeln. Es sind unter anderem Tunesier. Keine Deutschen.

Die Zeitungen sprechen viel von Helden: „Stolz auf Hamburgs mutige Helden“ oder „Helden von Barmbek“.

Das Land und die Helden

Aus dem Leben des Galilei von Bertolt Brecht:

Andrea: Unglücklich das Land, das keine Helden hat.
Galilei: Unglücklich das Land, das Helden nötig hat.

Wie kann Europa etwa Islamisten oder den schwarz-rot-lackierten Faschisten der Antifa begegnen? Es wird Helden brauchen. Die sauberste Variante wird sein, wenn diese Helden vom Staat bezahlt werden, sprich: speziell ausgebildete Polizisten. Die Aufrüstung hat ja bereits begonnen. Die Fahrzeuge scheinen für Batman: The Dark Knight Rises gebaut zu sein. Hier ein Video von den Dreharbeiten:

Dokumentationspflicht

Lassen Sie es mich offen, deutlich und sehr persönlich sagen: Dass es in Europa wieder Helden auf den Straßen braucht, ist das Gegenteil des Europas, das ich mir einst erhoffte. Perseus sollte in der Sage bleiben dürfen. (Stellen Sie sich für einen Augenblick vor, all die Aufmerksamkeit und all das Geld, das man für Merkel-Probleme verbrennt, würde etwa für Bildung, Infrastruktur, Kultur und Parks oder vielleicht sogar die Rentenkassen investiert! – Es zerreißt einen.)

Merkels Europa ist nicht das Europa, das ich mir gewünscht hätte. Ich schreibe dies nicht, weil ich mir ein Europa wünschte, das Helden nötig hat. Ich sehe nur als meine Pflicht an, zu dokumentieren, dass es so ist. Für die Nachgeborenen? – Nein. Für die Jetztlebenden.

Hiermit getan.

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