Gib Verlorenes verloren und ordne deine Kreise

Ich sprach letztens mit einem neuen Bekannten. Es ging bis in die Nacht. Es drehte sich – wie so oft dieser Tage – um Politik. Ich machte mir einen Spaß daraus, seine Argumente zu zerpflücken.

Vielleicht wollte er dem Abend doch noch einen weniger destruktiven Verlauf geben, also fragte er mich an einem Punkt: »Dushan, was ist eigentlich deine Position? Du führst vor, wie die Positionen anderer Leute undurchdacht oder sogar geheuchelt sind, aber was sollten die Menschen allgemein und speziell die Deutschen heute tun?«

Faire Frage. – Hier ist meine Antwort. Sie hat zwei Teile. Es ist der Stand meines heutigen Denkens. Ich habe bei meiner Antwort den einzelnen Bürger vorm Auge, nicht den Politiker. Ich habe diese beiden Punkte nicht immer so gesehen. Ich werde es unter Umständen (welchen?) eines Tages anders sehen. Für heute gilt das Folgende.

1. Gib Verlorenes verloren

Es ist keine Frohbotschaft und man wird für Realismus gewiss keine Journalismus-Preise gewinnen. Ich persönlich will der Realität auch dann ins Auge schauen, wenn ich gerade keine »positive« Lösung habe. »Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern«, sagt de Maizière. Jedoch: Was mich heute nur »verunsichern« würde, kann mich morgen schon töten. Besser heute verunsichert als morgen tot.

Einzelne Stadtteile und Städte in Deutschland werden langfristig »verloren gehen«. Es wird Gebiete in Deutschland geben – in Ansätzen gibt es sie bereits – in denen das deutsche Recht nicht mehr gilt. Politiker sagen zwar, sie seien »nicht bereit, das zu akzeptieren«, doch das sind Lippenbekenntnisse. Wer nicht gewillt ist, wirklich konsequent dagegen vorzugehen (z.B. Dauerpräsenz von Polizei-Spezialeinheiten, Zero-Tolerance-Policy, Hassprediger und Gefährder festsetzen/ausweisen, No-Bullshit-Resozialisierung etc.), der akzeptiert es de facto. Der Bürger wiederum wird akzeptieren müssen, dass die Politik es akzeptiert: Die Frage scheint mir nicht, ob Teile von Deutschland für den Rechtsstaat verloren gehen werden, sondern wie der Einzelne damit umgeht. Der Realist findet sich damit ab. 

(Notiz für extra-kritische Leser: Eine Aussage wird nicht allein dadurch falsch, dass sie einem Bauchweh bereitet.)

2. Ordne deine Kreise

Es gab Zeiten, in denen die »Eliten« so etwas wie »Moral und Werte« ausstrahlten, und dabei doch den Menschenverstand beisammen hatten. John F. Kennedy (seine Frauengeschichten seien ihm gegönnt) inspirierte die Amerikaner, zum Mond zu fliegen. Helmut Kohl (sein »Bimbes« sei ihm gegönnt) inspirierte die Deutschen, die Gunst historischer Stunde zu nutzen und sich wieder zu vereinen. Ja, früher war mehr »Moral«.

Merkel versuchte, daran anzuknüpfen, als sie die Welt nach Deutschland einlud. Merkels Politik ist aber das diametrale Gegenteil von »wertegeleitet«. Ihre Energie-Wende-Wende war nicht ihre einzige Multirotation. In der Asylpolitik forderte sie – vor Machtantritt – das Gegenteil ihrer heutigen Position.

Unsere »Eliten« verkörpern kaum noch Werte. Gewisse öffentliche »Gottesfrauen« sind von atemberaubender Ahnungslosigkeit. Bei gewissen Gottesmännern schimmert es zu deutlich durch, dass die Kirche absurdes Geld an den Fehlern der Regierung verdient.

Mein Fazit ist: Der Bürger muss seine Werte selbst (neu) definieren. Nicht nebenbei und implizit, sondern aufmerksam und im Detail.

Der Bürger muss für sich selbst festlegen, was ihm wirklich wichtig ist. Dann muss er bestimmen, worin dieses eingebettet ist. Dann, worin dieses wiederum eingebettet ist, und so fort.

Der »innerste Kreis« sind ich und meine Familie. Um den herum ist ein Kreis mit meinen Freunden. Ein anderer Kreis, in den ich eingebettet bin, wird von meinem Arbeitgeber gebildet, oder, als Freiberufler, von meinen Kunden. Weitere Kreise sind meine Stadt und mein Leben. Weiter außen liegt dann die Menschheit insgesamt.

Je weiter innen ein Kreis ist, umso wichtiger ist er. Wer äußere Kreise wichtiger nimmt als innere Kreise, bringt sein Leben durcheinander und wird unglücklich.

Die praktische Kunst des Lebens besteht darin, alle Kreise gleichzeitig zu stützen und seine Kreise davor zu bewahren, in Konflikt zu geraten. Im Idealfall stützen die inneren Kreise die äußeren (also z.B.: die Familie stützt die Nachbarschaft) – und die äußeren Kreise schützen die inneren (also z.B.: das Land schützt seine Bürger und die Familie schützt ihre Mitglieder.).

Politik und Meinungs-Eliten sind selbst verloren – oder haben ganz andere Interessen. Der Bürger muss seine Kreise selbst bestimmen und ordnen.

Fazit

Das ist mein Rat heute:

  1. Gib Verlorenes verloren.
  2. Erkenne deine Kreise und ordne sie.

Über Details und Durchführung können (und sollten) wir reden.

Guter Text?

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