Ganz kleines Tennis – SPD versucht es mit Tricks

23. August 2018, von Dushan Wegner; Bild von John Fornander
Man könnte versuchen, gute Politik zu machen und Lösungen für Probleme anzubieten, die der Wählerschaft am Herzen liegen – oder man kann versuchen, mit Spitzfindigkeiten den Wahlkampfgegner aus dem Rathaus herauszuhalten. Ach, SPD!
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Es war das Jahr, als die Leute mit Prince mitsingen konnten: »Party like it’s 1999!«, und die Ironie darin bestand, dass es nicht nur »als ob« war. Medien und Computer versuchten, die Leute wegen des kommenden Jahreswechsels auf den Computersystemen verrückt und zugleich zahlungsbereit zu machen. Ach ja: Die NATO bombardierte Jugoslawien in diesem Jahr, um serbische Truppen zu motivieren, sich aus dem Kosovo zurückzuziehen.

Und dann war da noch der Sport. Die deutsche Tennisspielerin Steffi Graf beendete 1999 offiziell ihre Karriere, zuvor gewann sie noch ein letztes Mal die French Open, in einem bemerkenswerten Finale.

Im Juni 1999 stand an der Spitze der Frauen-Tennis-Weltrangliste die erst 18-jährige Martina Hingis. Das letzte Mal war Steffi Graf dort 1997 gestanden – allerdings zwei Jahre lang seit 1995! (Die Liste der Ersten steht bei Wikipedia.)

Der Spielanfang des Finales hatte wegen stürmischen Wetters bereits um über zwei Stunden verschoben werden müssen (siehe z.B. nytimes.com, 6.6.1999). Am Tag zuvor hatte Hingis noch angekündigt, dieses Spiel würde den Generationenwechsel im Damentennis dokumentieren. Graf hatte in den Monaten zuvor mit Verletzungen zu kämpfen gehabt. Auf dem Weg zum Finale hatte sie noch Davenport und Seles besiegen müssen. Sie kam sich selbst nicht allzu vorbereitet vor.

Hingis legte auch gleich stark mit 2:0 los, Graf zog auf 2:2 nach. Das Spiel wurde ein zähes Ringen, doch beim Stand von 6:4, 2:0 wendete es sich. Hingis war der Meinung – siehe YouTube – dass ein Ball zu Unrecht als »Aus« bewertet worden war. Dann tat sie etwas, was ein »No go« ist: Nicht nur protestierte sie laut und deutlich, sie ging hinüber in die Spielfeldhälfte ihrer Gegnerin und wies alle darauf hin, welche Spielball-Spur ihrer Meinung zu bewerten gewesen sei. Diese Überschreitung allein war schon ein Skandal, doch es ging weiter!

Hingis zeigte immer mehr Nerven, während Graf ihre Erfahrung nutzen konnte und ruhig blieb.

Die Stimmung im Publikum von Roland Garros ist auf der Seite der »Gräfin«, als Hingis im dritten Satz (Spielstand 5:2, 40:30, Aufschlag Hingis, Matchball Graf) einen Trick versucht, der zwar »legal« ist, aber von Tennis-Kennern als »schmutzig« gewertet wird.

Statt dem üblichen Aufschlag von oben schlägt Hingis den Aufschlag von unten, wie ein trotziges Kind (was zu ihrem sonstigen Verhalten an dem Tag passt), kurz übers Netz.

Die Stimmung im Publikum kippt endgültig, Hingis wird unmissverständlich ausgebuht. Sie hatte sich nicht mit dem Spielstand abfinden wollen, sie sah ihre Chancen im fairen Spiel schwinden, also setzte sie auf schmutzige Tricks und nahm in Kauf, für einen kurzfristigen Sieg das Spiel selbst zu beschädigen als auch ihr Image in den Gulli zu ziehen – womit wir bei der SPD wären.

Das Gericht und der SPD-Trick

Es gibt eine bestimmte Partei, deren Agieren und Politik erweckt den Eindruck eines ganz besonders verächtlich-gleichgültigen Verhältnisses zu den Grundwerten der Demokratie. Ich habe über das »Markenzeichen Hass« jener Partei geschrieben, über ihren frechen Klamauk-Populismus, über ihre Ausrutscher in den Antisemitismus und über ihren merkwürdigen Doppelcharakter als einer Art von in der Politik dilletierendem Konzern. Es ist die SPD, und ihr Handeln erinnert immer und immer wieder an diese schmutzigen Aufschläge von unten, knapp hinters Netz.

In München versucht derzeit der SPD-Oberbürgermeister, berichten Zeitungen, mit Tricks die AfD aus dem Rathaus herauszuhalten.

In Bayern ist heuer Wahlkampf zum bayerischen Landtag (gefühlt ist derzeit jeden Tag irgendwo Wahlkampf!) und wenn man sich nach dem Handeln der SPD richtet, dann ist nicht nur im Krieg und in der Liebe alles erlaubt, sondern auch im Wahlkampf.

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hatte vor Monaten mit einem Trick versucht, liest man, gezielt der AfD zu verbieten, ihren Wahlkampf in städtischen Kultur- und Bürgerhäusern auszurichten. Der Trick war, dass nur Parteien und Gruppierungen, die im Stadtrat vertreten sind, das dürfen sollten. Das Verwaltungsgericht München stellte fest, dass dies gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz verstößt und kassierte den SPD-Trick. (siehe welt.de, 25.5.2018)

Wie würde einer, den ich einen Demokraten nenne, auf ein solches Urteil gegen ihn reagieren? Er würde sagen: »Ups, das war ein Fehler von mir. Als Oberbürgermeister sollte ich trotz meines Parteibuchs neutral bleiben.«

Das ist nicht, was Genosse Dieter Reiter sagte! Der Genosse versucht es jetzt mit einem neuen Trick:

Die Abendzeitung München berichtet:

Dieses Mal geht es um das Neue und das Alte Rathaus. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) schlägt vor, die dortigen Räumlichkeiten nur noch den Fraktionen und Gruppierungen im Stadtrat für Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen. Der AfD wäre der Zugang damit versperrt.
abendzeitung-muenchen.de, 21.8.2018

Neben »legal« und »illegal« gibt es noch »ist doch der SPD egal«, und das bedeutet: die SPD macht es eben, bis ein Gericht es verbietet, und anschließend versucht sie es wieder, in minimaler Abwandlung.

Es ist ja nicht das erste Mal, dass die SPD im Kampf gegen die verhassten »Rechten« die Demokratie, die sie fadenscheinig zu schützen vorgibt, doch in Wahrheit mit ihren rot-geschnürten Springerstiefeln gegens Schienbein tritt. Bayerischen SPD-Leuten wird vorgeworfen, einen Gastwirt bedrängt zu haben bis er Pleite ging, zur Strafe, weil er an Pegida (was viele als AfD-Vorfeld sehen) vermietete (bild.de, 2.8.2017). Die SPD hielt die Leiter, als Norbert »Montblanc« Lammert via Geschäftsordnungstrick umdefinierte, wer »Alterspräsident« ist, nur um zu verhindern, dass es ein AfD-ler wird (siehe z.B. n-tv.de, 27.4.2017). Selbst stramm linke Zeitungen sind besorgt über die vielen Tricks der »Guten«: Die linke ZEIT sorgt sich darum, dass die alten Parteien sich zu sehr auf parlamentarische Tricks statt auf Argumente verlassen könnten (zeit.de, 15.1.2018).

Der linke Tagesspiegel flehte:

»Bitte keine Tricks gegen einen AfD-Vorsitz! (…) Man muss die AfD nicht mögen, um den Eindruck zu haben, hier würde undemokratisch gehandelt. (…) Soll die AfD doch zeigen, was sie kann. Parlamentarische Winkelzüge fallen auf die Urheber zurück. «
tagesspiegel.de, 25.1.2017

Sogar in der TAZ (!) wurde in Bezug auf die AfD appelliert, »die Auseinandersetzung scharf – aber ohne Tricks« zu führen (taz.de, 22.10.2017).

Die Appelle an die lupenreinen Demokraten, bei der Rettung der Demokratie bitte nicht die Demokratie zu demolieren, sind nicht überall angekommen – siehe München. Die Demokratie scheint für die SPD nur der Zug zu sein, auf den sie aufspringt, bis auch der letzte Genosse mit Pöstchen und Geldchen versorgt ist.

Nur ein Zehntel so kritisch

Schachspiel und Demokratie haben gemeinsam, dass sie wesentlich aus Regeln bestehen. Ein Schachspiel, in dem eine Seite nach Gusto die Regeln verbiegen kann, mag die betreffende Seite in dem Moment angenehm finden, doch es ist eben kein Schachspiel mehr. Eine Demokratie, in der Parteien die Regeln nach Gusto zum Nachteil der Opposition verbiegen können, mag dem Machterhalt und Einkommen der betreffenden Parteien dienen, doch es ist eben keine ganze Demokratie mehr.

Würde die SPD von Medien nur ein Zehntel so kritisch beobachtet werden wie CSU (außerhalb Bayerns), AfD oder FDP, müsste täglich die Frage gestellt werden, warum diese Partei noch weiter an der Demokratie teilnehmen darf, wenn sie diese so offensichtlich verachtet. Warum wird die SPD nicht ganz so kritisch geprüft wie andere Parteien? Liegt es daran, dass es dann doch einige Journalisten mit SPD-Parteibuch gibt? (Nicht alle gehen so offen damit um wie Felix Dachsel auf taz.de, 7.1.2013.) Liegt es daran, dass die SPD bestens in den Öffentlich Rechtlichen Sendern vertreten ist? Man agiert inzwischen ja weitgehend ungeniert, so ist etwa die Vorsitzende des ZDF-Verwaltungsrats, Malu Dreyer (siehe zdf.de, 30.6.2017), nicht nur SPD-Mitglied, sondern auch rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin. Liegt es gar daran, dass die SPD ganz schön viele Beteiligungen an Zeitungen und Medienfirmen hält? Wer weiß, wer weiß.

Ihr letzter Grand-Slam-Sieg

Damit demokratische Debatte funktionieren kann, muss ein Minimum an Fairness aufrechterhalten werden. Ist es nur Zufall, dass die SPD sich so gut mit Leuten wie Putin und mit Staaten wie Iran versteht – während sie gegen Trump hetzt und in Sachen Israel immer wieder »ausrutscht«.

Martina Hingis war nach ihrem Paris-Debakel von 1999 nie wieder dieselbe. Sie spielte weiter Tennis, und sie schloss das Jahr als weltweite Nummer 1 ab, doch die Zeit der Seriensiege war vorbei. Ihr erster Platz beim Australian Open im Januar zuvor sollte ihr letzter Grand-Slam-Sieg im Einzelspiel bleiben. Immerhin sah sie später ein, dass sie sich in Paris daneben benommen hatte, immerhin das.

Die SPD scheint weit davon entfernt zu sein, irgendeine Form der Einsicht zu entwickeln. Wer sollte die SPD auch lehren, die Tricks sein zu lassen und mehr Demokratie zu wagen? Walter »Eikonal« Steinmeier? Heiko »NetzDG« Maas? Andrea »Pippi Langstrumpf« Nahles?

Gegen die so sturen wie weltfremden SPD-Granden war selbst Erich Honecker ein strahlendes Beispiel an Offenheit und Selbstkritik.

Die kommenden Wahlen werden (auch) für die SPD eine Backpfeife nach der anderen bieten. (Die Sozen werden sich die Tränen mit Geldscheinen aus ihren Medienholdings wegzuwischen wissen.)

Die Umfragewerte der SPD sind mies. Die Tage der SPD-Relevanz sind vorbei, und ich fürchte, sie ahnt es auch. Die Wähler wollen von ganzen Demokraten regiert werden, nicht von schattigen Tricksern, und das zumindest gibt Anlass zur Hoffnung!

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