Was meinen Sie, wenn Sie ›Freiheit‹ sagen?

Die Vereinigten Staaten von Amerika nennen sich »Land of the Free«. Es ist in ihrer Nationalhymne:

O! say does that star-spangled
banner yet wave,
O’er the land of the free
and the home of the brave?

Die »Freiheit« als Idee und Wort findet sich – man glaubt es kaum noch – auch in der Hymne Deutschlands, dieses Landes, dem immer wieder »Journalisten« und Politiker bescheinigen, seine Bewohner seien »Kartoffeln« mit wahlweise »Dreckskultur« oder keiner erkennbaren Kultur, und sie freuen sich über ihr »Völkersterben«. Wer Visionen hat, wird Korrespondent beim Spiegel: »Wir sind hier, werden immer mehr und beanspruchen Deutschland für uns.«

Er hat »Vaterland« gesagt!

Die Menschen, die schon länger leben in diesem Land, das von seiner selbsterhobenen Intellektualität nur gehasst, nie geliebt werden darf, haben noch immer eine Hymne, die mit jenen Worten beginnt:

Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland!

Von dieser ersten Zeile sind heute fast nur die Konjunktionen, Präpositionen und Artikel »unproblematisch«.

Eine streng wissenschaftliche Aufstellung:

Politisch problematisch

  • Einigkeit
  • Recht
  • Freiheit
  • deutsche
  • Vaterland

Politisch (noch) akzeptabel

  • und
  • und
  • für
  • das

Wahrscheinlich umstritten

  • !

Die »Freiheit« ist noch immer in der deutschen Hymne. Wenn der Bundestag beschlösse, die Hymne umzuschreiben, weil sie diskriminierend sei (»Vater«-land? Wenn, dann bitte VaterInnenLand!), wir wären nicht allzu verwundert, aber noch ist die Freiheit eben drin.

Was Freiheit ist

Freiheit ist nach landläufiger Meinung, »ohne Zwang zwischen unterschiedlichen Möglichkeiten entscheiden zu können«.

Dieser einfachen Wikipedia-Definition könnte ich beinahe zustimmen, doch es fehlt mir etwas: Zumindest einige der »unterschiedlichen Möglichkeiten« müssen für den »frei« Wählenden befriedigend sein.

Ich fühle mich »frei«, wenn ich zwischen mehreren (potentiell) »befriedigenden« Möglichkeiten wählen kann.

Wenn ich im Wahllokal stehe, und keine der Optionen auf dem Wahlzettel auch nur entfernt befriedigend ist, wie frei fühle ich mich in meiner Wahl?

Die Möglichkeiten müssen nicht wirklich verschieden sein, damit ich mich frei fühle. Wenn ich bei McDonalds vor den Menü-Tafeln stehe, fühle ich mich tatsächlich ein klein wenig frei, und es ist großartig, zwischen all den »verschiedenen« Burgern zu entscheiden – zugleich weiß mein Gehirn genau, dass ich in einer Blindverkostung die Burger kaum unterscheiden könnte. Der eine Burger hat Tomate und Käse, der andere hat Käse und Tomate. Okay, manchmal geben sie noch Speck dazu. Und alle paar Jahre gibt es Szechuan-Soße. Aber im Prinzip schmeckt alles ähnlich, und doch ist alles okay und befriedigend – also bin ich in der Auswahl »frei«.

Die »Freiheit«, die Kahane und Merkel vorschwebt, erinnert ans robust Christliche: Du bist frei zu denken und zu tun, was du möchtest, aber wenn du das Falsche tust, brennst du im Feuer.

Wenn ein Mensch sich etwa nur entscheiden darf, ob Merkels Einwanderungspolitik toll oder supertoll ist, und die Meinung größtes Desaster seit dem zweiten Weltkrieg zum Verlust des Arbeitsplatzes (z.B. durch »von oben« motivierte Denunzianten) oder zum Schaden an Leib und Leben (z.B. durch vom Staat motivierte Antifa-Schläger) führen kann, bin ich dann wirklich frei? (Die kontinuierliche Einschränkung des erlaubterweise Aussprechbaren nennt man auch »Overton Window«)

Die Freiheit ist das Menü, nicht die Bestellung

Freiheit entsteht nicht im Moment der Entscheidung, im Gegenteil: Mit der Entscheidung nehme ich mir die Freiheit, zerstöre sie gewissermaßen. Freiheit existiert nur vor der Entscheidung, in dem ich quasi das Menü in der Hand halte. In dem Moment muss es mehrere, verschiedene und jeweils befriedigende Möglichkeiten geben – sonst bin ich ebenso wenig frei, wie eine Murmel, die durch die Murmelbahn kullert.

Freiheit ist noch immer in der deutschen Hymne. Freiheit ist aber von mehreren Seiten bedroht. Eine davon ist die Beschränkung meiner Möglichkeiten.

Freiheit beginnt also mit der Frage: Welche Möglichkeiten will ich denn haben? Was will ich sagen können? Was will ich tun können?

Der nächste Schritt ist dann: Wie kann ich es umsetzen?

Viel wird heuer gejammert über die Einschränkungen der Freiheit. Auch ich klage und schimpfe. Und doch will ich den Klageführern zurufen: Wozu willst du denn diese Freiheit?

Wenn du nicht weißt, wozu du frei sein willst, ist es einfach, dir deine Freiheit zu nehmen.

Wenn du weißt, was du mit deiner Freiheit wirklich anfangen willst, wird es so viel schwerer, sie dir zu nehmen!

Guter Text?

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