Falten oder gefaltet werden

Wir begannen uns zu wundern. Etwas stimmte nicht. In der Schmutzwäsche waren zwei von Leos Pullovern und zwei seiner Hosen, beide aber sauber. Ja, sie rochen sogar noch nach Waschpulver und Sonne. Was hatte es damit auf sich?

Ich hatte einen Verdacht, und da kam auch schon Leo von draußen herein. Mit aller Selbstverständlichkeit, ja, er ignorierte uns geradezu, zog er seine ebenfalls saubere Jacke aus und warf sie in die Schmutzwäsche!

»Moooooooment, junger Mann«, sagte Elli, »was meinst du, dass du da gerade tust?!«

Wir begriffen. In den Tagen zuvor hatten wir betont, dass beide Kinder ihre Sachen nach dem Ausziehen entweder falten und verstauen sollten – oder sie eben in die Schmutzwäsche tun.

Hmm.

Wir schauten in den Korb mit der Schmutzwäsche.

Leo, aufwandseffektiv wie er ist, hatte recht schnell begriffen, dass wenn er alles in die Schmutzwäsche tat, er sich das Falten komplett sparen konnte. Mindestens zwei Tage lang hatte sein Trick auch funktioniert. Er hatte sogar von – ach wie naiv wir doch gewesen waren! –reichlich Lob geerntet für sein scheinbar aufgeräumtes Zimmer. Es lag tatsächlich kein Stück Kleidung mehr herum, aber nicht, weil er irgendetwas gefaltet hätte, nein, sondern weil er einfach alles immer in die Schmutzwäsche warf. Sollten sich doch die Erwachsenen darum kümmern!

Doch – seien wir allezeit ehrlich! – haben wir Erwachsenen uns nicht jeder selbst schon mal bei so etwas Ähnlichem erwischt? – Das Auto ist super schmutzig, alt ist es sowieso, und dann hat es vielleicht noch diese Macke, und wir überlegen, für eine Sekunde oder für zwei, das Auto einfach stehen zu lassen und uns ein neues zu kaufen. Und dann nach New York abzuhauen. Wir können das Haus ja einfach unaufgeräumt lassen und umziehen, wie so ein Messie.

Wir haben es nicht getan – meistens. Wir sind Erwachsene, und wir übernehmen Verantwortung. Wir haben keine anderen Erwachsenen, an die wir die Verantwortung abgeben könnten, keinen Schmutzwäschekorb, in das wir unser Leben werfen können, auf das andere Leute sich drum kümmern.

Linke Selbstzerstörung

Vielleicht kennen Sie die New York Times; Donald »MAGA« Trump schimpft oft und mit großer Lust über sie. »Failing New York Times« nennt er die Firma. Er sagt, dass sie »Fake News« verbreitet. Nun, dass sie eine Zeitung von Eliten für Möchtegern-Eliten ist, das werden nicht einmal alle ihrer Leser bestreiten. Allerdings ist die New York Times (derzeit) eher im moralischen Sinne »failing« (versagend). Die Zeitung schürt Hass gegen den US-Präsidenten – und sie verkauft recht erfolgreich digitale Abos in diesen Hass hinein. It’s not personal, it’s business, honey.

In den USA geht es derzeit auf die Halbzeitwahlen zu, und mit jedem von Trumps Erfolgen werden Anti-Trumper nervöser. (Beispiel: Beste Manufacturing-Job-Zahlen seit über 20 Jahren.) Trump-Hasser sind wie Waldbewohner, die den Förster so sehr hassen, dass sie lieber den eigenen Wald brennen sehen, als dem Förster einen Erfolg zu gönnen. Was, wenn die Wähler den von den Eliten verhassten Trump bestätigen sollten? (Und kommen Sie mir nicht mit Umfragen!) Die Linkspublikative schießt aus allen Rohren, doch ich bin nicht sicher, dass die linken publizistischen Kanonen in eine für sie günstige Richtung zeigen.

Die New York Times hat jetzt eine Dame namens Sarah Jeong ins Editorial Board eingestellt. Erlauben Sie mir, Ihnen aus dokumentarischen Gründen einige Äußerungen dieser Dame vorzulegen:

»Dumbass fucking white people marking up the internet with their opinions like dogs pissing on fire hydrants« (28.11.2014)

»Are white people genetically predisposed to burn faster in the sun, thus logically being only fit to live underground like groveling goblins« (23.21.2014)

»oh man it’s kind of sick how much joy I get out of being cruel to old white men« (24.7.2014)

Und. SoWeiter. (Ich spare mir die Übersetzung dieser Widerlichkeiten.)

Man könnte fast meinen, dass sie eine Rassistin ist. Warum wird sie eingestellt? Welche Absicht hat die New York Times? Das Land zusammenzubringen kann es nicht sein, neutrale Berichterstattung auch nicht. BBC berichtet: Sarah Jeong: NY Times stands by ‚racist tweets‘ reporter. Die New York Times selbst behauptet, die rassistischen Tweets seien eine »Reaktion« auf Angriffe gegen sie gewesen. Es ist wahrscheinlich FakeNews, wie man selbst nachprüfen kann. Es sind für sich selbst stehende Hasstiraden, keine Reaktionen. Sie suhlt sich in ihrem Hass auf Weiße. Sie schwadroniert von Genetik. Sie hasst nicht nur weiße Männer, sondern auch Frauen (»fuck white women too«). An anderer Stelle fluchte sie wiederholt gegen Polizisten (»fuck the police«) und rief zum Mord an Männern auf (»kill all men«). Die New York Times nennt es »Satire« – könnte sich eigentlich der Ku Klux Klan auch als »Satire« verkaufen und die brennenden Kreuze als Performance-Kunst? Wohl kaum, aus gutem Grund. (Siehe auch mein Text: Dürfte Satire einen Menschen töten?)

Ein Muster

Ich sehe ein Muster. Mehrheitlich von Weißen besetzte, stramm linke Redaktionen stellen Menschen mit Migrationshintergrund ein, welche Hass und offenen Rassismus gegen Weiße und/oder einfach die bisherige Bevölkerung im jeweiligen Land pflegen. Es ist zum Beispiel bemerkenswert, wie offen immer wieder formuliert wird, dass die aktuelle Bevölkerung aussterben soll – und die Kulturlinke feuchtaugig für die Kasteiung dankt.

Sarah Jeong, als Beispiel: »White people have stopped breeding. You’ll all go extinct soon. This was my plan all along. ? « (16.8.2014) – Es erinnert an die Phantasien von deutschen Linksjournalisten mit Migrationshintergrund, die Deutschen mögen doch bitte aussterben, sie würden sowieso von Migranten verdrängt werden, et cetera. Niemand hat die Absicht, eine Bevölkerung auszutauschen, aber linke Medien liefern schon mal den Soundtrack.

Dass es diese Äußerungen gibt, das wäre allein nicht weiter bemerkenswert, Rassismus hat es schon immer gegeben und wird es immer geben. Wer keinen anderen Wert in sich selbst zu finden meint, der wird versuchen, sich mit Bezug auf seine Biologie über andere zu erheben. Die bemerkenswerte Frage ist, warum linke Journalisten diesen Rassismus fördern.

Linke Weiße, dich sich an anti-weißem Rassismus erregen, erinnern mich an jene Herrschaften, welche es erotisch erregen soll, stranguliert zu werden. Ich kann es nicht nachvollziehen, und ich muss es auch nicht nachvollziehen. Doch, es gibt einen entscheidenden Unterschied: Asphyxiophilie und weißer Selbsthass mögen beide für Außenstehende irritierend wirken, aber das eine ist nur für die Teilnehmer gefährlich, während das andere eine ganze Gesellschaft spalten und entwurzeln kann.

Eine neue Heimat

Es war nicht immer so. In 2018 ist es nun ein halbes Jahrhundert und eine Generation her, dass die Dagegenseienden beschlossen, alles, was sich bewährt hatte, wie den Beelzebub zu bekämpfen. Die feurig Erbitterten sind zu den Institutionen geworden, durch die sie marschieren wollten, und ohne diese Institutionen hätten sie wenig, wovon sie leben könnten. Der Bedarf für Petzen, Prediger und Prollphilosophen ist in der freien Wirtschaft dann doch arg karg.

Sie sind verwirrt. Linke halten ihren Dünkel für Anstand, doch mit dem haben sie nur so viel zu tun, als dass dort, wo sie herrschen, man immer bald um Brot anstehen muss. Linke öffnen ihr Herz ganz weit für den Fernen und knallen es für den Nächsten eiskalt wieder zu. Linke sind wie verwirrte Mietnomaden, die ihre aktuelle Wohnung verwüsten, ohne aber eine neue in Aussicht zu haben. Wer eine Wohnung hat und dazu noch saubere Unterwäsche, der gilt heute schon als des Rechtsseins verdächtig. Es ist erstaunlich, wie viel Schaden man scheinbar einhändig anrichten kann, wenn man den einen Zeigefinger in die Luft reckt wie ISIS-Kämpfer auf dem Gruppenfoto und den anderen – ach, was soll die Mühe?

Unordnung

Der linke Durchmarsch durch die Institutionen war zweifelsohne ein Erfolg, so wie ein Stadtbrand auch eine Art von Erfolg ist – aus Sicht des Feuers. Die Frucht des langen Marsches durch die Institutionen ist seelische Fruchtlosigkeit ganzer Generationen. Man ist wohlhabend (eine Folge konservativer Bildungs- und Wirtschaftspolitik nach dem Krieg), aber unglücklich. Man ist emanzipiert, aber depressiv. Man flüchtet sich in Zynismus und verwechselt Bitterkeit mit Geist. Linke sind wie Fische, die das Wasser vollgepupst haben, und dann beschließen, dass sie ihren See sowieso schon immer doof fanden.

Jüngst durften wir einen Einblick nehmen, wie es im innersten Unheiligen einer nordischen Wochenzeitung zugeht. Was wir sahen, erstaunte selbst die, die nichts mehr erstaunt. Wir lernten: Die Trübheit dortiger Gewässer könnte darüber hinwegtäuschen, wie schal das Rinnsal ist und wie leicht sich der Haken im Morast verfängt. Mancher hat sich schon an der eigenen Überheblichkeit verhoben und von da an lief er mit krummem Rücken herum.

Ordnung

Zurück zur Wäsche! Elli und ich hatten dem werten Herrn Wegner jr. so liebevoll wie einfühlend erklärt, dass das so nicht ginge (»ich glaub‘, es hackt!«). Unter Androhung von empfindlichen Strafen (nur zwei statt drei Nachtische am Abend!) hat er schließlich die sauberen Kleidungsstücke erst getrennt und dann gefaltet; er brauchte nur etwa zwanzig Minuten – pro Ärmel.

In Texten wie »Millennials: Wer Zusammenhänge nicht versteht, der kann noch immer Details kritisieren« und »Wer Gefahr nicht sieht, bringt sich in Gefahr – und seine Mitmenschen auch« habe auch ich darüber gemosert, wie eine Generation von Weicheiern heranwächst – die nicht einmal mehr sieht (und das ist wohl die größte Gefahr), dass sie larmoyante Weicheier sind. Die Generation Mitmachpreis möchte aus dem Bällebad abgeholt werden, sie weiß es nur nicht, und wenn man es versucht, dann beißt sie zurück, doch ihre Zähne sind wenig mehr als Hashtags, und die sehen bekanntlich mehr nach Zahnspange als nach den Reißzähnen eines wilden Wolfs aus.

Das Leben ist hart, immer, aber nicht für jeden ist es zur gleichen Zeit hart. Es gibt die einen, die es sich am Anfang extra schwer machen, indem sie ihr Leben vorbereiten und ihre relevanten Strukturen als konzentrische Kreise um sich anordnen. Familie, Beruf, Nachbarschaft, Stadt, Nation, wie es sich gehört. Und dann gibt es die anderen, die sich alles einfach machen: Schwafelstudium, lose Beziehungen, billige Empörung statt alter Werte, Gefasel von Open Borders statt Bekenntnis zum Land, das einen trägt und ernährt – und diese Leutchen trifft es dann später extra hart. Während die einen den Kindern beim Spielen am Pool zuschauen, stehen die andern vor den Trümmern (neudeutsch: dem »Patchwork«) der linken Lebenslügen. Sie tun mir leid, denn sie sind unglücklich. Glück braucht, wie wir wissen, Ordnung.

Liebe Linke, wenn ihr die letzte Flagge verbrannt, den letzten Abweichler verprügelt und die letzte Nation den Konzernen vorgeworfen habt, was erwartet ihr, dass dann sein wird? Werdet ihr glücklich sein? Ihr ahnt und ich weiß, dass dem nicht so ist.

Linksgrünes Denken hat viel Schaden angerichtet. Statt dazu zu stehen und bescheiden mitzuhelfen, wieder Ordnung in Staat und Gesellschaft zu bringen, wollen sie ihr Werk vollenden und den Staat gleich ganz abschaffen. Das Spülbecken ist voll mit schmutzigem Geschirr, lasst uns das Haus abbrennen!

Ein chinesisches Sprichwort sagt: Wer die Welt ordnen will, der gehe zuerst durchs eigene Haus. Liebe Schneeflöckchen, faltet eure geistige Wäsche statt über die zu schimpfen, deren innere Ordnung weniger durcheinander ist als eure! Die Zeiten ändern sich. Das Pendel schlägt zurück, auch in Europa. Es wird wieder Ordnung geben. Auch die neue Ordnung wird ihre Macken haben, kein Zweifel, doch es werden andere Macken sein, und manche der neuen Macken werden unangenehm sein, da sollte sich keiner vertun.

Ich erziehe meine Kinder dazu, ihre Wäsche zu falten, statt zu moralisieren, dass Chaos die neue Ordnung sei. Und ich lasse sie viele Sprachen lernen. Es wird eine neue Ordnung kommen, und sie wird anders sein als die alte, und da ist es gut, viele Sprachen zu können. Seine Wäsche zu falten, das aber ist immer gut, ganz egal ob das Land im Augenblick unter dieser oder unter jener Ordnung steht.

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