Erst war Akif dran

13. Dezember 2016, von Dushan Wegner; Bild von Akyn Cakiner
Erst war Akif Pirinçci dran. Sie verbreiteten im Fernsehen eine Lüge über ihn, und dann verbrannten sie seine Bücher. Digital. Heute verbrennt man Bücher digital. Zwei, drei Klicks – fort. Es braucht viel weniger als 451 Fahrenheit. Bits und Bytes hinterlassen keine Asche.
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Mir geht dieser Tage das Niemöller-Zitat „Als die Nazis die Kommunisten holten“ durch den Kopf. Ich will mich an einer erweiterten Adaption für den Winter 2016 versuchen.

Erst war Akif Pirinçci dran. Sie verbreiteten im Fernsehen eine Lüge über ihn, und dann verbrannten sie seine Bücher. Digital. Heute verbrennt man Bücher digital. Zwei, drei Klicks – fort. Es braucht viel weniger als 451 Fahrenheit. Bits und Bytes hinterlassen keine Asche.

Ich protestierte nicht, denn ich hatte seine Katzenbücher doch schon vor Jahren gelesen, und war der Pirinçci nicht sowieso ein Unflätiger?

Dann kamen sie nach der Achse des Guten. Die boykottierenden Werber wollten „rechtsradikalen Medien den Geldhahn zudrehen“, angeleitet von einem jener, die sich „Freunde“ nennen.

Sie hatten Listen böser Meinungen. Die waren zusammengestellt von einem Menschen, der früher bei der Staatssicherheit war. Heute wurde er bezahlt von meiner Regierung.

Das neue Flüstergebrüll klang mir wie „Kauft keine Werbung beim Broder“. Die Deutschen sind brav, waren immer schon gerne brav, sie kauften nicht mehr. Die Zeitungen, welche die Regierung mochte, schimpften über die Konkurrenz, das seien „Nazis“. Da kamen die Guten und sorgten dafür, dass niemand mehr bei Bösen seine Werbung kaufte. So war mehr Geld für die Guten da.

Ich protestierte nicht, denn der Staat sagte mir im Fernsehen, es sei sowieso viel „Fake News“ in diesem Internet.

Ich protestierte nicht, als sie die Opposition durch die Straßen jagten, ihnen ins Gesicht schlugen, sie öffentlich demütigten und ihr Eigentum zerstörten, um sie mundtot zu machen. Ich wollte nicht selbst für einen Regierungskritiker gehalten werden, denn gegen die Regierung zu sein war unanständig.

Und dann kamen sie zu mir. Sie sagten, ich hätte irgendwo irgendwann etwas gesagt, was Unrecht und rechts war. Sie beschmierten mein Haus und bedrohten meine Kinder. Sie schwärzten mich bei meinem Chef an. Der Chef entließ mich, aus Angst vor dem Mob.

Als Sie meine Stimme ausschalteten, war keiner mehr da, der protestieren konnte.

Der letzte Teil ist noch Fiktion, für mich. Für andere ist es mehr als greifbar. – Wo wollen Sie stehen? Den Mund halten und wegschauen, oder alles riskieren und die Stimme erheben? Ich kann verstehen, wenn Sie sich wegducken, aber seien Sie ehrlich zu sich selbst.

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