Ich habe einmal in der Buchhandlung das Buch »Gekaufte Journalisten« von Udo Ulfkotte quergelesen. Mindestens der Stil war nicht »my cup of tea«. Zudem halte ich mich gern an Ockham’s Razor: Wenn Parteilichkeit, politische Besetzung und schlichte Verblendung als Erklärung für den desolaten Zustand deutscher Leitmedien genügen, brauche ich nicht die CIA. Aber gut, warum nicht. Manche von uns trauen sich noch, ihre Freiheit zu leben, und Herr Ulfkotte war mit Feuer bei der Sache.

Gestern nun hat die Öffentlichkeit vom Tod des Udo Ulfkotte erfahren. Manche Reaktionen schienen tatsächlich seine These von medialer Gleichschaltung zu bestätigen. Man fühlte sich verpflichtet, zu berichten. Das war von mehr als »regionalem Interesse«. Unisono wurde er als »umstritten« geframed. »Umstritten« entwickelt sich zur bildungsbürgerlichen Variante von »Nazi«. Gemeint ist hier: Einer mit »falscher Meinung«. Einer Meinung, die geächtet werden soll vom linken Großgefühl.

So weit, so wenig überraschend. Eine Formulierung dazu, die mir dieser Tage häufiger passend scheint: Erschreckend, aber nicht überraschend.

Tatsächlich schockiert war ich von der völligen Empathielosigkeit vieler linker Reaktionen.

Viel debattiert wurde etwa das Twitter-Statement der Journalistin Hatice Ince. (Ihr Twitter-Handle ist übrigens @HatinJuce. Besser nicht auf Englisch aussprechen.)

Frau Hatice Ince nun war wohl mit einer Kollegin auf Achse (aber keiner guten), so scheint es. Dabei ist es wohl feucht und nicht minder fröhlich zugegangen. Ihre Erstreaktion auf die Nachricht vom Tod Ulfkottes war:

Man muss sich die Situation vorstellen, so wie sie beschrieben ist: Die Frau mit dem Internetkürzel »Hatin Juce« erfährt vom Tod des 56 Jahre alten Udo Ulfkotte. Sie bestellt einen Schnapps und trinkt auf sein Ableben. Dann nimmt sie ihr Smartphone in die Hand. Sie komponiert – präzise auf Satzzeichen, Anführungsstriche und korrekte Einbindung des Gesprächspartners samt Punkt vor dem Kürzel achtend – eine szenische Schilderung der eigenen emotionalen Reaktion.

Und, wohl damit die Followerschaft ihre Euphorie auch genau versteht, postet sie Minuten später:

(Vergleichen Sie die Präzision und Einhaltung aller Twitter-Gepflogenheiten mit den wilden Spät-Nacht-Tweets eines Donald Trump.)

Es gibt eine Pflicht-Entschuldigung von ihr, ihren »Hatin Juce«-Twitter-Account hat sie nun auf geschützt gestellt. Frau Ince arbeitet als Freie für die Jugend-Publikation eines bekannten Verlagshauses. Was sie sagt, wird auch Jugendliche prägen. – Frau Ince ist nicht allein mit ihren Kalt-Tweets.

Ausgerechnet kurz nachdem ich gestern über die Asymmetrie des Akzeptablen bloggte, erlebten wir diese Asymmetrie an Live-Beispielen. Menschliche Kälte und Maßlosigkeit gibt es überall, das ist traurige Realität. Wenn man aber links ist, bekommt man für praktizierte Empathielosigkeit wohl einen Presseausweis und einen Job bei deutschen Leitmedien. Erschreckend, aber nicht überraschend.

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