Ein Angebot, das sie nicht ablehnen können

2. September 2018, von Dushan Wegner; Bild von Andrea Rapuzzi
Ein Schüler wird vom Mitschüler vergewaltigt, ein anderer ins Krankenhaus geprügelt, und immer wieder Messertote, aber Politiker haben offenbar nur Probleme mit den Protesten in Chemnitz. – Mehr denn je gilt: Merkel muss weg!
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Der Vater glaubt an dieses Land, sagt er. Er hat seine Tochter nach der Art des Landes erzogen. Er gab ihr Freiheit, doch er lehrte sie, nie eine Schande für die Familie zu sein. Sie fand einen Freund, der kam von woanders her. Sie ging ins Kino mit ihm, blieb lange weg.

Vor zwei Monaten ging sie mit ihm aus, und ein weiterer männlicher Freund war dabei. Die Kerle ließen sie Whisky trinken. Und dann versuchten die Kerle, sie zu missbrauchen. Sie leistete Widerstand; sie bewahrte sich ihre Ehre. Die Kerle haben sie wie ein Tier verprügelt. Als der Vater ins Krankenhaus kam, war ihre Nase zerbrochen, ihr Kiefer war zertrümmert und wurde von Drähten zusammengehalten. Sie konnte vor Schmerzen nicht einmal jammern.

Der Vater ging zur Polizei, wie ein anständiger Bürger. Die zwei Jungen wurden verhaftet und vor Gericht gebracht. Der Richter verurteilte sie zu drei Jahren in Haft, doch die Strafe wurde zur Bewährung erlassen. Zur Bewährung! Sie wurden an selben Tag freigelassen. Der Vater stand im Gerichtssaal wie ein Trottel da, und diese »Bastarde«, so sagt er, grinsten ihn an.

Szene und Schnitt. Ich habe bis hierhin den Anfang des Filmes »Der Pate« nacherzählt. (Das vollständige englischsprachige Script gibt es im Internet z.B. bei dailyscript.com.)

Der Vater im Film heißt Bonasera. Er kommt zum Paten Don Corleone, dessen Tochter an dem Tag verheiratet wird. Es wird erklärt, dass kein Sizilianer am Tag der Hochzeit seiner Tochter einen Wunsch ausschlagen wird.

Bevor Bonaseras Wunsch nach Gerechtigkeit gewährt wird, befragt Don Corleone ihn erst. Warum ist Bonasera nicht schon früher zu ihm gekommen? Die Fragen sind Vorwürfe.

»Bonasera, wir kennen einander seit Jahren«, sagt Don Corleone, »aber dies ist das erste Mal, dass du zu mir kommst und Hilfe erbittest. Ich erinnere mich nicht an das letzte Mal, dass du mich in dein Haus eingeladen hast auf einen Kaffee, obgleich unsere Ehefrauen befreundet sind.«

Es folgt Gestammel von Bonasera. Amerika sei bislang gut zu ihm gewesen, doch jetzt bitte er um Gerechtigkeit. Es folgen Belehrungen von Don Corleone, der Vater müsse schon überlegen, wem seine Loyalität gilt. Sie verhandeln, wie hart die Strafe sein soll, die Don Corleone den Übeltätern zuteilt. Don Corleone weist Bonasera darauf hin, dass eines Tages auch er einen Gefallen von ihm verlangen würde. Später werden wir erfahren, dass Amerigo Bonasera ein Bestatter ist. Der eingeforderte Gefallen wird sein, dass er die Leiche Sonny Corleones, des ältesten Sohnes des Paten, so weit herrichtet, dass der Sarg bei der Trauerfeier offen bleiben kann.

Man könnte berichten

Viele Deutsche, die heute ihr Leben beginnen, lernen die neue Gewalt von klein auf kennen. Aus Berlin wird berichtet, wie ein zehnjähriger afghanischer Junge einen Kommilitonen, ja, vergewaltigte (siehe welt.de, 1.9.2018). Aus Brandenburg wird berichtet, wie zwei Schüler mit Migrationshintergrund einen deutschen Mitschüler ins Krankenhaus prügeln (moz.de, 1.9.2018). Lehrer berichten mir schon seit einigen Jahren von der neuen Gewaltqualität in Schulen, von der sie nicht öffentlich reden können, um nicht als »rechts« gebrandmarkt zu werden. Zitat: »Manche Kinder kennen keinerlei Hemmung. Sie schlagen und treten auf den anderen ein, bis der sich nicht mehr bewegt.« Und doch, trotz aller Maulkörbe, dringt es nun auch nach außen.

Man könnte an dieser Stelle mit trauriger Leichtigkeit aktuelle Meldungen zitieren, von Gewalt ausländischer Mitbürger untereinander, vom Messerterror eines Afghanen mit deutschem Aufenthaltstitel, von der Gewalt gegen Flüchtlingshelfer, vom Flüchtling »King Abode« (»König Aufenthalt«), der auf YouTube erklärt: »Ach die scheiße Polizei, hab ich kein Respekt vor euch« (siehe bild.de, 31.8.2018). Und so weiter, und so fort.

Wir könnten dem gegenüber auch von Merkel berichten, die in Afrika nach Wegen sucht, Migration z.B. aus Senegal nach Deutschland ein wenig legaler zu machen (bild.de, 31.8.2018). Wir könnten auch von neuen Häusern berichten, die etwa in Kempen für Flüchtlinge gebaut werden sollen (Kosten 2,6 Millionen Euro, siehe wz.de, 31.8.2018).

Wir könnten aber auch fragen, wie und warum die Bürger immer öfter so reagieren, wie sie reagieren, warum sie auf die Straße gehen, warum sie protestieren, und warum der Vorwurf »wer Sorgen hat, ist Nazi«, immer seltener greift. SPD-Ministerin Barley, wird berichtet, will nun gegen besorgte Bürger »stärker vorgehen« (oder, wie focus.de es formuliert: »Justizministerin Barley will nicht nach Sorgen der Bürger fragen«) – Tichys Einblick fragt: Ist die SPD verfassungsfeindlich? Die SPD nutzt ihr Ticket auf dem Demokratiezug schon seit längerer Zeit voll aus, doch der Peinlichkeitskönig bleibt ein gewisser Herr Maas.

Dem Staat vors Schienbein

Heiko Maas, derzeit Außen- und weiterhin Peinlichminister, hat seine Fingerchen ja allezeit ganz dicht am Puls der Macht. Zudem hat er seit jeher erstaunlich gute Beziehungen zu dieser und jener Publikation. Zeitungen tun so, als wäre er ernstzunehmen – eine Praxis, die nicht allein mit der »Würde des Amtes« zu erklären ist – beim US-Präsidenten Trump etwa fehlt ja diese Grundannahme von Amtswürde weitgehend, und es war nicht Trump, sondern Maas, der sich von Ex-Stasis beraten ließ, der mit Team-Gina-Lisa-Ausführungen und Netzwerkdurchsetzungsgesetz dem Verfassungs- wie Rechtsstaat vors Schienbein trat.

Mr. Peinlich aus dem Saarland hat verkündet, die Bürger müssten endlich »vom Sofa hochkommen und den Mund aufmachen« (zeit.de, 2.9.2018, bild.de, 1.9.2018). Es ist ein Interview mit der Bild am Sonntag, es sind faserige Floskeln aus dem politischen Hartwurstsortiment, es ist Peinlichminister Heiko Maas. Die BILD nennt die Erst-mal-Staub-wegpusten-Formulierungen tatsächlich »Klartext«; ich deute das als feine Ironie.

Maas bezieht sich auf Proteste von Bürgern, die auch von Rechtsaußen-Gruppen begleitet werden. Leser schreiben mir täglich davon, wie ihr Leben infolge der Merkel-Maas-Politik enger wird, wie Freiheiten beschnitten und Freuden geraubt werden, doch das größte Problem von Peinlichminister Maas ist, dass neben den Mitte-der-Gesellschaft-Demonstranten auch einige augenscheinlich Rechtsaußen-Herren marschieren.

Die Elite schützt die Menschen nicht nur nicht – sie beschwert sich auch noch, dass die Proteste gegen die Gefahr eine unappetitliche Qualität haben.

Ich habe versucht, vor dieser Entwicklung zu warnen, vergleiche etwa meine Texte »Sagt die Wahrheit, sonst tun es die Populisten« (2016) oder »Einfach nur leben wollen«. Ich warne weiterhin, und ich muss gestehen, dass es wenig Befriedigung erzeugt, wenn eintrifft und übertroffen wird, was ich kommen sah.

Solches Glück nicht

Der AfD-Politiker Markus Frohnmaier twitterte letzte Woche zu den Ereignissen von Chemnitz:

Wenn der Staat die Bürger nicht mehr schützen kann, gehen die Menschen auf die Straße und schützen sich selber. Ganz einfach! Heute ist es Bürgerpflicht, die todbringende „Messermigration“ zu stoppen! Es hätte deinen Vater, Sohn oder Bruder treffen können!
Markus Frohnmaier, MdB AfD, 26.8.2018

Wie üblich bei provokanten Aussagen aus dem AfD-Umkreis empörten sich die Politiker wie auf Knopfdruck – und trugen so den Kern der Provokation in breitere Kreise.

Die Aussage des AfD-Abgeordneten ist aus einem simplen Grund mehr als problematisch. Nehmen wir an, dass die Berichte der Tagesschau und anderer tendenziell linker Publikationen stimmten, und es gab »Hetzjagden« auf friedliche, unbewaffnete Migranten, und logisch gesehen müsste sich die Aussage Frohnmaiers darauf beziehen (zu den Zweifeln daran siehe etwa Alexander Wendt: »Sachsens Generalstaatsanwaltschaft widerspricht Merkel«, publicomag.com, 1.9.2018) – was bitteschön hat die Jagd auf Unbeteiligte mit Selbstverteidigung zu tun?! Es wären Racheakte, und da sie sich wahrscheinlich an ethnischen Merkmalen ausrichten, wäre das, was der Abgeordnete hier indirekt zu fordern scheint, rassistische Gewalt.

Doch, das größere gesellschaftliche Problem ist: Wenn die Forderung des Abgeordneten einfach nur absurd gewesen wäre, wäre sie ignoriert und ausgelacht worden. Die Forderung trifft einen realen Schmerzpunkt: Die einen Bürger haben das Glück, in Regionen zu wohnen, die von den Folgen linksgrünen Wahns nicht oder kaum betroffen sind (oder sie haben eben Geld, mit welchem sich bekanntlich dem Glück nachhelfen lässt). Die anderen Bürger haben solches Glück nicht. Oder sie zahlten jahrzehntelang Geld in Steuerkassen ein, sich darauf verlassend, der Staat würde sich kümmern, und nun finden sie sich betrogen und schutzlos wieder.

Endlich kann man es der Welt zeigen

Eine Regierung, die den Bürger im Stich lässt, ja ihn sogar durch ihr Handeln in Lebensgefahr bringt, ist die nicht eine größere Gefahr für die öffentliche Ordnung, als ein paar populistische oder sogar knallrechte Sprüche? Es herrscht sicher weitgehend Einklang darüber, dass die Gesellschaft kein Rechtsaußen braucht – dass die Regierung aber auch gegen den Willen linksgrüner Meinungsmacher das geltende Recht durchsetzen sollte, das ist keineswegs Konsens.

Es sind nicht die Glatzköpfe neben den Demonstranten von Chemnitz, welche den Bürger bundesweit an der deutschen Demokratie zweifeln lassen, sondern verantwortungslose Politiker, welche das Wohl und die Zukunft des Landes ihrer Weltrettungsphantasie untergeordnet haben.

Linksgrüne Journalisten (gibt es auch andere?) und merkelnahe Politiker (sollte ich die Frage wiederholen?) scheinen auffällig froh über die Proteste von Chemnitz zu sein – präziser: über die Berichte darüber. Endlich kann man der Welt zeigen, dass wer nicht für Merkel sterben will, ausnahmslos ein Nazi ist!

Wolfgang Kubicki vom liberalen Flügel der FDP sagte jüngst:

Die Wurzeln für die Ausschreitungen liegen im ,Wir schaffen das‘ von Kanzlerin Angela Merkel.
– Wolfgang Kubicki (bild.de, 1.8.2018)

Selbstverständlich ist das richtig und wahr. Wer in Zeiten der Lüge die Wahrheit sagt, der braucht ein schnelles Pferd. Oder einen guten Anwalt. Ich kenne Kubickis Reitfähigkeiten nicht, doch er soll selbst ein fähiger Anwalt sein.

Von Merkelfans in Politik und Medien, also sehr vielen Leuten, gab es Protest an Kubickis Aussage. Das sei eine Ungeheuerlichkeit! Wie könne er es wagen, Merkel die Schuld zu geben an den absehbaren Folgen ihres Handelns! Blasphileg! Sakremie! In Berlins Redaktionen gilt: Frau Merkel lässt am Morgen die Sonne aufgehen, doch dass sie wieder untergeht, dass ist allein die Schuld der AfD.

Es hat einen guten Grund, warum Der Pate mit der Szene des um Gerechtigkeit flehenden Bonasera einsteigt. Der Pate ist ein Verbrecher und sein Geschäft ist, unter anderem, die Gewalt. Es ist in der Kunst wesentlich, dass das Entscheidende oft in den Lücken und Leerstellen zu suchen ist, um die herum sie kreist.

Auf den ersten Blick wird die Frage des Paten, warum Bonasera ihn bislang gemieden hat, übergangen und ignoriert. Auf den zweiten Blick begreift man jedoch, dass der Rest der Trilogie die Antwort gibt: Bonasera wusste, was das Business des Paten ist. Bonasera glaubte an Recht und Gesetz, er glaubte an den Staat, er ging zur Polizei. Erst als er sich vom Rechtsstaat im Stich gelassen fühlte, wandte er sich an Gestalten, die ihm eigentlich schon vom Prinzip her zuwider waren, denen er aber zutraute, ein Stück Gerechtigkeit wiederherzustellen.

Aber dann doch nachdrücklich

Ich bin zugleich konservativ und liberal. Der liberale Staat muss durchsetzen, dass jeder Bürger sein Leben nach eigenem Gusto leben kann, in Freiheit und ohne Angst. Der Staat hat die Rahmenbedingungen der Freiheit zu schaffen und zu bewahren (lateinisch: conservare), zu denen gehört eben auch Sicherheit, Bildung und ein kluges Maß organisierter Gerechtigkeit – in zu vielen dieser Punkte versagt der Merkel-Maas-Hayali-Staat auf eine Weise, über die man fast lachen könnte … wenn es nicht so folgenreich, so ungerecht, so tödlich wäre.

Ja, ich habe Angst um den deutschen Rechtsstaat. Merkel, Maas und ihre medialen Helfer motivieren Bürger geradezu, sich an Fürsprecher zu wenden, die nicht ganz lupenrein sind. Ich habe Bürger getroffen, die Deutschland mit Kindern und Enkelkindern versorgt haben, die seit Jahrzehnten brav Steuern zahlen und Müll trennen, die heute aber mit Schulterzucken auch über rechte Pöbler sagen: »Es war eine Frage der Zeit, bis die Leute richtig wütend werden, das geht ja gar nicht, was die Flüchtlinge sich erlauben« – mir macht das große Angst! Es erinnert mich an den Bestatter Bonasera im Paten, der sich in seiner moralischen Not an Herrschaften wendet, die ansonsten gegen alle seine Werte gehen.

Europa war auf dem Weg, ein feiner Kontinent zu werden, bis Merkel und der linksgrüne Wahn übernahmen. »Merkel muss weg« ist der laute cri de guerre manches heißblütigen Demokraten. Ich bin durch und durch Demokrat, ich bin liberal und konservativ zugleich, ich will nicht, dass anständige Menschen das Gefühl haben, sich an unanständige Herrschaften wenden zu müssen. Es wird viel zu tun geben nach der Merkel-Ära (siehe auch: Trümmerfrauen nach dem Merkelsturz), für Deutschland und für Europa. Das Stückchen Zivilisation, das wir uns hier erschaffen hatten, wird nie mehr so sein, wie es früher war, doch vielleicht kann es anders gut werden.

Ich will nicht, dass Bürger sich an »den Paten« wenden müssen. Es schmerzt mich, wenn Linksgrüne auf den Gräbern der Opfer ihrer Politik tanzen, während unbescholtene Bürger um die Zukunft bangen und in ihrem Bekanntenkreis isoliert werden. Deshalb, erlauben Sie mir an dieser Stelle mein bescheidenes, aber dann doch nachdrückliches: Merkel muss weg! – Es sind ja immer wieder mal Wahlen.

Guter Text?

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