Drei störende Wahrheiten

Was ist der wichtigste Teil eines Schiffes? Das Segel? Das Ruder? Der Rumpf? Es braucht alle diese Teile, um zusammen ein Schiff zu sein. Doch wenn es stürmt, wenn Wind und Wellen das Schiff umherwerfen, dann ist das wichtigste Teil womöglich – halten Sie sich fest! – die Reling.

Die Reling ist ein Geländer um das Deck eines Schiffs. Die Reling schützt die Seeleute davor, ins Wasser zu fallen. Bei wilder See werden auf Booten sogar »Leichenfänger« aufgebaut; das sind Netze, die »Seeleichen« (Leute, denen »zum Sterben übel« ist), davor schützen, ins Meer zu taumeln.

Merkel steuert das Schiff Deutschland in einen Sturm, da ist kein Zweifel. Die ersten Menschen sind von Bord gefallen. Das Wetter ist so wild, dass sogar ein Korrespondent der »Tagesschau« über Merkels Abgang zu reden wagt (siehe z.B. bild.de, 25.6.2018).

In wilden Zeiten könnte man den Kopf verlieren. Der Sturm und der Wind äußern sich ja in den News, die dem Bürger jeden Tag ins Gehirn geblasen werden.

Wir brauchen eine Reling. In diesen Tagen fragen sich viele, wie lange die CSU der Kanzlerin standhalten wird. Die CSU ist hin und her geblasen. Die Kanzlerin droht, CSU-Mann Seehofer (Innenminister) zu feuern, wenn er das deutsche Recht durchsetzen lässt. In Bayern steht aber auch eine Wahl im Oktober 2018 an. Die Wähler in Bayern mögen keine Umfaller. »Mir san mir« – und mir san net Merkels Fußmatte.

Niemand wäre überrascht, wenn die CSU morgen wieder umkippt und der bayerische Löwe sich gleich selbst enthäutet und sein Fell vor Merkels Studiersessel ausrollt. Böse Zungen sagen: Die Frage ist nicht, ob die CSU umfällt, sondern nur, wie laut es Plumps macht. (Bei der FDP scheint man in altneuer Wetterfühligkeit zu ahnen, dass sich der Wind wieder dreht, siehe z.B. @c_lindner, 26.5.2018.) Zu alldem läuft ja derzeit die Fußball-WM, und das bläst noch mehr Knoten in den News-Sturm.

In diesen Sturm-Zeiten will ich drei einfache Wahrheiten notieren. Dies sind die drei Wahrheiten, die den Sturm anfachen. Eine Lösung, welche nicht diese drei Wahrheiten gleichzeitig angeht, wäre keine Lösung; sie wäre höchstens ein Aufschub. – »Aufschub« und »Kompromiss« bedeuten heute, dass die Lage täglich schlimmer wird, damit Merkel nur ein paar Tage länger an der Macht bleiben kann.

Erste einfache Wahrheit

Es gibt mehr arme Menschen auf der Welt als Deutschland unterbringen kann.

Laut Schätzung der Weltbank lebten 2013 ca. 10 Prozent der Menschen weltweit in extremer Armut, hatten also weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag zur Verfügung. Die Zahl ist leicht sinkend, doch sie sinkt unterschiedlich schnell (siehe worldbank.org, 11.4.2018). Bei 7,6 Milliarden Menschen auf der Welt, stellen allein die extrem Armen über 700 Millionen Menschen dar. Dazu kommen viele weitere Millionen, die sich arm fühlen. Da in praktisch jedem Land mit extremer Armut auch soziale Verwerfung zu finden ist, können viele extrem Arme auch als Flüchtlinge verstanden werden, oder zumindest als Asylbewerber mit unsicherem Herkunftsland – die Prüfung und der Gegenbeweis sind aufwändig.

Deutschland will ein »freundliches Gesicht« zeigen, sagte Merkel. Gemeint ist, dass man allen Armen der Welt anbietet, Kost und Logis zu stellen, wenn sie nur die gefährliche Reise nach Deutschland schaffen. Es ist ein einträgliches Geschäft, für das viele das entsprechende Risiko eingehen. Das »freundliche Gesicht« ist schlicht Gratis-Geld, und das entfaltet bis heute eine starke Sog-Wirkung.

In 2015, als mehr Menschen auf Merkels Vernunft hofften, bat zum Beispiel der serbische Ministerpräsident Aleksandar Vučić, dass Deutschland den Asylbewerbern weniger Taschengeld zahlen möge, da dieses das Durchschnittseinkommen in seinem Land übersteige. (siehe z.B. bild.de, 27.8.2015)

Deutschland kann nicht alle Armen der Welt versorgen. Deutschland kann nicht einmal alle, die es »mal probieren« möchten, ins Land lassen, um sie dann mit Kost und Logis zu versehen, bis über ihren Status entschieden ist. Es geht einfach logistisch nicht, egal wie viele uralte Parks und schützenswerte Bäume abgeholzt werden, um Platz für Wohnheime zu bauen (siehe z.B. tagesspiegel.de, 20.2.2017YouTube/RBB).

Wenn Deutschland in 10 und 20 Jahren noch in seiner heutigen Form existieren und Hilfe anbieten können will, muss es ein Auswahlverfahren einführen, das Menschen vor dem Eintritt ins Land auswählt. Das Merkel-Verfahren, wonach jeder ins Land kommt, der einen Deal mit der Schlepper-Mafia schließt und auf dem Weg nicht ertrinkt, ist das schlechtest mögliche.

Zweite einfache Wahrheit

Erfolg und Scheitern eines Landes hängen von Denken und Werten der Bürger ab.

Der wichtigste Grund für den wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands sind »weiche« Faktoren wie Fleiß, Disziplin, Pflicht und Bildung. Auch einem Deutschen macht es nicht »Spaß«, sich jeden Morgen aufs Neue zur Arbeit zu schleppen, viele Jahrzehnte lang. Der Deutsche schleppt sich zur Arbeit, »weil man es so macht«; das klingt banal und simpel, doch es kann den Unterschied ausmachen zwischen Wirtschaftsnation und Armenhaus.

Wer einzelne Menschen aus fremden Kulturen aufnimmt, der kann sie integrieren – wenn diese sich integrieren wollen. Wer Menschen aus fremden Kulturen in großer Zahl aufnimmt, oder Menschen aufnimmt, die sich nicht integrieren wollen, fördert die Bildung von Parallelkulturen. Innerhalb dieser Parallelkulturen wird genau das weitergelebt, das in den Ursprungsländern zu Krisen führte.

Es sind nicht vorwiegend Chinesen, Israelis oder Amerikaner, die ihre Heimat verlassen und nach Deutschland kommen wollen. Es sind zumeist Menschen aus islamisch geprägten Kulturen – oder auf der Flucht vor islamistischem Terror. Selbst wenn man alle Inhalte wie Sharia und Patriarchat ignoriert und ihr Missverhältnis zu Demokratie und westlichen Werten ausblendet, so bleibt doch die auffällige Korrelation von islamischer Prägung und sozialen Problemen. Die Liste der Top-8 Herkunftsländer inkl. Anteil von Muslimen in Klammern: Syrien (74% Sunniten, 2% Schiiten), Irak (60% Schiiten, 32-27% Sunniten), Nigeria (50,5%), Afghanistan (99,9%), Türkei (99%), Eritrea (offiziell 50%), Somalia (fast 100%, Staatsreligion), Georgien (9,9%). (Rest: Ungeklärt/Sonstige, siehe statista.de) – Für weitere Studien empfiehlt sich das Stichwort »Fragile States Index«.

Denken und Erfolg hängen zusammen. Den Einzelnen kann Pech treffen oder auch unverdientes Glück, auf eine Gesellschaft gesehen aber gleicht sich das aus. Bestimmte Denkweisen führen insgesamt zu Erfolg, andere führen zum Scheitern. Wer Denkweisen, die anderswo mit Scheitern einhergehen, in Europa einführt, sieht schon jetzt in »sozialen Brennpunkten« und »No-Go-Areas« exakt dieselben Effekte wie in den Ländern, aus denen diese Denkweisen stammen.

Dritte einfache Wahrheit

Heimat und Nation sind als Konzept angeboren, Menschen werden sich immer danach sehnen.

Linke Politiker und Medienmacher reiben sich am Begriff »Heimat«. Die aktuellste Volte ist eine Aufruf mit dem Titel »Solidarität statt Heimat«. Relativ offen wird das Konzept »Heimat« mit »Rassismus« gleichgesetzt – und Rassismus ist in diesen Kreisen quasi der Sammelbegriff für alles, was man nicht mag. (Sogar Ideologiekritik kann unter »Rassismus« fallen.) Während man mit Furor gegen auch nur die Idee der Heimat kämpft, wundert man sich, wie viele in Deutschland lebende Türken für den Identitäts-Anbieter Erdoğan stimmten. (Siehe auch mein Text: Erdoğan und die deutsche Heimat.)

In der Logik heutiger Anti-Nationalisten führte der Nationalismus (also die Identifikation aller Bürger mit der Nation) in direkter Kausalkette zum Drittem Reich und Zweitem Weltkrieg; aus Angst davor wird heute jede positive Identifikation mit Volk oder Nation abgelehnt. Weniger Angst vor der Identifikation mit der Nation hat man dagegen, wenn es darum geht, Schuld und Leistungspflicht zuzuschreiben. Eine rein negative Identifikation ist aber ermüdend und wir können ihr derzeit beim Scheitern zusehen. (Siehe auch mein Text: Wer Schuld ernst nimmt, ringt mit ihr.) Man spricht Gerichtsurteile »Im Namen des Volkes« und besucht die »Nationalgalerie«

Heimat und Nation mögen von der Kulturlinken abgelehnt werden, sie als relevante Struktur zu betrachten ist dem Menschen allerdings angeboren. (Vergleich z.B. Roger Masters: The Nature of Politics)

Die Heimat ist der Ort, den ich mir nicht täglich neu erkämpfen muss, den ich bereits kenne und verstehe, der mich schützt und mich als natürlichen Teil seiner Gesamtheit ansieht. (Hotels, die eine »Heimat unterwegs« anbieten, versuchen, diese Effekte zu simulieren.) Der Mensch braucht Heimat. Ohne Heimat ist unser Gehirn ununterbrochen in Panik.

»Nation« ist eine künstliche Idee, die eine reale Sehnsucht beschreibt. Nation ist wie der Kommunismus oder der Kreis ein mathematisches Konstrukt, das in seiner praktischen Umsetzung immer Abweichungen finden wird. Nation oder Kommunismus praktisch umsetzen kann zu verheerenden Konsequenzen führen. Doch es gibt etwas, wonach Menschen sich sehnen – auch die, die erzogen wurden, zu sagen, dass sie »Nation« als Idee ganz schrecklich finden. Wir können uns nur mit jenen Menschen wirklich gut verständigen, welche die gleiche Sprache sprechen wie wir. Wir können nur dann Verantwortung füreinander übernehmen, wenn wir uns an die gleichen Regeln halten. Wir können nur dann mit Motivation am gemeinsamen Gesellschaftsprojekt arbeiten, wenn wir ähnliche Werte teilen. Eine gemeinsame Zukunft ist aber nur schwer vorstellbar ohne eine gemeinsame Vergangenheit; wie soll man ohne gemeinsame Vergangenheit auch vom »Wir« in »Wir gemeinsam« reden? – Die Frage: Welche Idee vereint denn gemeinsame Sprache, Werte, Regeln und Vergangenheit? Linke mögen »Nation« nicht, aber bieten wenig als Ersatz an.

Einschub: Tommy Eckhard wendet ein: »Zu Wahrheit 3: Viele Gesellschaften identifizieren sich nicht national, sondern in Völkern, Stämmen oder Familienclans. Daher funktionieren dort die Nationalstaaten nicht: Wer dort Einfluss gewinnt, versorgt zuerst den eigenen Familienclan. Die Korruption blüht. Siehe Wahrheit 2.« – Meine Entgegnung: Dass es so ist, widerspricht nicht dem Satz, dass Menschen sich danach sehnen, Teil einer Verantwortungsgemeinschaft mit gemeinsamen Werten, Regeln und Geschichte zu sein. In Kanada spricht man von ihnen auch als »first nations«. In den USA gibt es die Idee der »tribal nations« mit dem rechtlichen Begriff »domestic dependent nations«, mit dem das Verhältnis der Tribes mit der US-Regierung geklärt wird. Man möchte über die reine Verwandschaft hinausgehen, und z.B. die gemeinsame Geschichte würdigen, sich aber auch selbst verwalten – sprich: eine Nation sein. Klans und Stammesgruppen weltweit haben damit zu kämpfen, dass ihre jungen Mitglieder die Gruppe verlassen und sich in den Städten ansiedeln. Ja, es scheint richtig zu bleiben: Das Pendel zwischen Stämmen auf der einen Seite und supranationalen Konstrukten auf der anderen pendelt sich immer wieder bei der Nation ein. Die Nation mit gemeinsamer Geschichte ist die größte Einheit, mit der sich ein Mensch identifizieren kann und die er langfristig zu stützen bereit ist, von der er aber auch Identifikation erwartet, sprich: nach der er sich sehnt.

Die Reling

Dies scheinen mir die drei Wahrheiten zu sein, die Reling in diesem Sturm. Viele werden über Deck gespült werden, in ihrem Denken und Fühlen. Sie haben mein Wort, dass es am Ende immer bei diesen drei einfachen Wahrheiten ankommen wird:

1. Es gibt um ein Vielfaches mehr arme Menschen auf der Welt, als Deutschland aufnehmen kann, ohne selbst arm zu werden.

2. Erfolg und Scheitern eines Landes hängen wesentlich davon ab, wie die »einfachen Menschen« in dem Land denken, fühlen und ihren Tag gestalten.

3. Familie, Heimat und Nation sind dem Menschen angeboren, er wird sich immer danach sehnen.

Die Hoffnung

Ich selbst tue mein Bestes, einen Menschen nach dem anderen zu überzeugen, darüber nachzudenken, was ihm wirklich wichtig ist, seine »Kreise« – und diese dann zu ordnen. Ich erinnere wieder und wieder daran, dass das Wissen um Zusammenhänge wichtiger ist als das »Bauchgefühl«. (Wenn ich »Dummheit« sage, meine ich Zusammenhangsblindheit.) Solange es uns nicht gelingt, die armen Regionen der Welt davon zu überzeugen, in realistischen Zusammenhängen zu denken und ihre relevanten Strukturen zu ordnen, müssen wir damit leben, dass es arme Krisenländer geben wird. Wir werden ihnen nicht helfen, indem wir alle nach Deutschland umsiedeln, damit sie in Deutschland in Parallelgesellschaften weitermachen, was schon in ihrem Herkunftsland nicht funktionierte.

Erste Verantwortung

Als Schreiber fühle ich mich zuerst für Sie, meine Leser, verantwortlich. In stürmischen Zeiten könnte man selbst schnell von Bord geweht werden. Tausende Propagandisten dröhnen unhaltbaren Bullshit von offenen Grenzen, von Multikulti und dass Heimat eine böse Idee sei. In diesem Sturm der Verrücktheit will ich versuchen, eine Reling ans Deck zu setzen – hiermit getan.

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