3.12.2019

Die hungernden Hunde

von Dushan Wegner, Lesezeit 9 Minuten, Bild von Anoir Chafik
36004
Einerseits wird Deutschlands Abhängigkeit vom Strom vergrößert, indem man E-Autos als »alternativlos« durchdrückt – andererseits wird Stromversorgung geschwächt UND verteuert. Wer das absurd findet, der ist natürlich – Trommelwirbel bitte… – rääächts!!
Die hungernden Hunde
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Ein junger König kam zum Meister, erklärte sich selbst zum Schüler, und fragte, was der Meister ihm raten könne.

Der Meister sagte: »Zwei Ratschläge habe ich, und der erste ist: Legt euch einen harten Stock zu!«

Weil es sinnvoll ist, einen Ratschlag durch ein Beispiel zu bebildern, oder durch eine Geschichte, wenn es allgemeingültig sein soll, tat der Meister eben dies. Er erzählte: »Es war einmal ein Mann, der sammelte aus der Güte seines Herzens hungrige Straßenhunde auf, wusch sie, versorgte ihre Wunden und gab ihnen zu fressen.

Die Hunde lernten bald, dass sie sich nicht mehr um tote Ratten raufen mussten. Die Hunde wussten, dass wenn der Mann nach Hause kam, es stets Fleisch für sie gab. Die Hunde wurden gesund an Seele und Körper, aus den gescheuchten Straßenkötern wurden starke, stolze Hunde.

Die Zeit verging und das Fleisch wurde teurer. Das Geld des Mannes wurde knapp, Freunde halfen ihm nicht mehr so oft mit Geschenken aus. Es geschah immer häufiger, dass der Mann nach Hause kam und etwas zu wenig Fleisch mitbrachte.

Er konnte und wollte die Hunde nicht zurück in die Straßen schicken. Einerseits, so glaubte er, hatten sie längst das Jagen von Ratten und das Durchwühlen von Küchenabfällen verlernt, andererseits war es viel zu gefährlich, hungrige Hunde auf die Stadt loszulassen.

Schließlich geschah«, so erzählte der Meister, »wovor diese Geschichte warnt. Eines Tages kam der Mann nach Hause zu den Hunden, die er zu den seinen gemacht hatte, und er hatte kein Fleisch dabei. Die Hunde zitterten vor Hunger. Als der Mann sein Haus betrat und seine Hunde sahen, dass er kein Fleisch dabei hatte, rissen sie ihn selbst zu Boden und fraßen ihn auf.«

Der Meister gab dem jungen König eine Tasse mit Tee. Der junge König nahm sie, dankte, roch am Tee, lobte den Duft und stellte ihn ungetrunken auf den Teetisch vor ihnen. Es war dem jungen König verboten, außerhalb des Palastes zu essen oder zu trinken, denn man hätte ihn vergiften können. Es wäre dennoch sehr unhöflich gewesen, ihm keinen Tee anzubieten, also gab der Meister ihm Tee und der junge König nahm ihn an, würdigte ihn, aber trank nicht davon.

»Was hätte der Mann denn tun sollen?«, fragte der Meister, »was war sein Fehler?«

Um den König nicht in die Verlegenheit einer falschen Antwort oder einer Unsicherheit zu bringen, antwortete der Meister sogleich selbst: »Der Mann hätte sich beizeiten einen harten Stock zulegen sollen, um die Hunde abzuwehren, sollte sich die Notwendigkeit ergeben.«

Der junge König nickte, und er fügte an: »Warum waren die Hunde denn nicht dankbar für die Jahre, in denen es Fleisch gab?«

»Hunger ist stärker als Dankbarkeit«, sagte der Meister, »wenn ein Zahn mir weh tut, wird der Zahnschmerz ja auch nicht gestillt vom Gedanken an die übrigen Zähne, die gerade nicht weh tun.«

»Und dafür«, sagte der junge König, »braucht es einen harten Stock, wenn die Hunde hungrig werden. Und mit Stock meint ihr wohl meine Leibgarde?«

»Das ist nicht mein Fachwissen«, sagte der Meister, »das wisst Ihr besser als ich.«

Der junge König nickte, und er fragte: »Was war denn der zweite Rat?«

Der Meister sagte: »Ein Stock, wie hart er auch sein mag, wird die Hunde nicht jeden Tag zurückhalten, und gewiss nicht, wenn sie hungrig sind und noch hungriger werden. Wenn der Hunger größer ist als die Angst vorm Stock, dann nutzt der Stock wenig. Und deshalb: Sorgt beizeiten dafür, dass die Hunde genug zu fressen haben!«

Der junge König sagte, spürbar ernüchtert: »Sind das also meine Möglichkeiten? Füttern oder mit dem Stock drohen?«

»Es gibt einen dritten Weg«, sagte der Meister, »doch er ist zutiefst unanständig, und er hat mit dem Stock zu tun.«

Der junge König horchte auf. Er war natürlich neugierig, doch Neugier nach einem unanständigen Weg zu zeigen, das erschien selbst wieder etwas unanständig. Der Meister erklärte: »Ein böser Mann könnte die Hunde auch aushungern lassen, sie schlagen und einsperren, bis ihr Wille gebrochen ist, und ihnen dann beim Sterben zusehen.«

Der junge König griff nach dem Tee, atmete tief ein, doch er trank noch immer nicht davon.

»Kein Hund verdient so ein Schicksal«, sagte der Meister, »um wie viel weniger ein Mensch.«

Der junge König nickte. Er wollte stets Sorge dafür tragen, dass die Menschen seines Reiches genug zu essen haben würden – und dass seine Leibgarde verdoppelt würde.

Der Meister hätte noch sagen können, dass die Hunde auch hätten fliehen können, sich einen anderen Herren suchen, doch das dem jungen König zu sagen erschien ihm als unpassend. Er hoffte, dass der junge König das von selbst begriff.

Erste und letzte Aufführung

Die moderne Gesellschaft »läuft auf Strom«, seit einigen Jahren nun und wohl noch lange Zeit, und in Sachen eben dieses Stroms wird in Deutschland heute ein absurdes Theaterstück geprobt – wobei diese »Probe« zugleich auch die erste und letzte Aufführung ist.

Einerseits wird mit einem Aktionismus, der sich bald wie Nötigung von Land und Gesellschaft anfühlt, der bewährte Verbrennungsmotor bekämpft, und zwar einseitig zugunsten des Elektromotors, dessen technische und moralische Probleme stur ignorierend – andererseits wird die Gewinnung von Strom mutwillig sabotiert und zugleich verteuert. (Randnotiz: In Kalifornien, dem gelobten Land aller Linken, Trump-Hasser und Social-Justice-Warriors, stehen die Teslas an Feiertagen inzwischen in Schlangen vor den Tankstellen; siehe welt.de, 2.12.2019. Bei welt.de wird ein Nutzer namens Shawn Nag zitiert: »Ich habe mehr Zeit mit Laden als mit Fahren verbracht. Keine langen Strecken mehr mit Tesla.«)

Als ob die Bürger nicht von sich aus gefährlich abhängig vom Strom und seinen Anwendungen wären, wird die Gesellschaft manipuliert, noch viel abhängiger zu werden – und zugleich wird die Versorgungssicherheit des Landes aufs Spiel gesetzt, indem man mit Atom und Kohle aus zwei zuverlässigen Energiequellen »aussteigen« will.

In den Nachrichten liest man heute: »Stromkosten knacken alle Rekorde«, und: »Tatsächlich erreichte der Strompreis 2019 gleich mehrere neue Allzeithochs.« (focus.de, 1.12.2019)

Nur »eine Kugel Eis« sollten die »erneuerbaren Energien« einst pro Haushalt und Monat mehr kosten (bmu.de, 30.7.2004) – müssten Politiker für ihre Versprechen und Zusagen auf gleiche Art geradestehen wie der einfache Geschäftsmann, kämen einige aus den Gerichtssälen und Gefängnissen gar nicht mehr heraus. Die CDU-geführte Regierung will derweil das machen, was die CDU eben so macht: Man wird noch mehr aus den Bürgern pressen wollen. Es wird schon länger damit gerechnet, dass die »EEG-Umlage« weiter steigen wird (siehe etwa focus.de, 19.8.2019).

Wenn es tatsächlich ein »typisch deutsches Wesen« gibt (ob man »Wesen« nun als Art oder als Geschöpf versteht, beides funktioniert), dann gehört zu den Eigenschaften des deutschen Wesens, zu oft zu meinen, am eigenen und deutschen Wesen solle die Welt genesen – vielleicht gibt es aber auch gar kein »typisch deutsches« Wesen, und die Annahme, es gäbe ein solches, ist bloß die Hybris, wie sie typisch ist für das Deutsche, die Deutschen, das deutsche und die deutschen Wesen.

Der deutsche Wahn, auf magisch-psychologische Weise würde die ganze Welt von Togo bis Tokyo erkennen, dass das Licht von Deutschland her strahlt, dass unser Wesen eben der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, woraufhin sie sich wie wir de-industrialisieren, alle CO₂-produzierende Arbeit einstellen und ihr täglich Brot nur noch als bezahlte Statisten bei Klima-Demos irgendwelcher NGOs verdienen (ja, das gibt es, ganz ohne Verschwörungstheorie, siehe welt.de, 3.12.2019). – Sagen wir mal so: Es sieht aktuell nicht danach aus.

Wir lesen: »Europa will sich schnell von schmutziger Kohle-Energie verabschieden. Doch weil Russland Unmengen Kohle liefert, geht in Asien ein Kraftwerk nach dem anderen ans Netz.« (welt.de, 3.12.2019) – »Wenn alle von der Brücke springen, springst du auch?«, so fragte ich vor zwei Wochen. Die Nationen fragen heute: Wenn Deutschland sich selbst knebelt, auspeitscht und die Schienbeine weghackt, tust du es dann auch? Und sie antworten: Njet! No! (Die Chinesen tun sich bekanntlich schwer darin, »nein« zu sagen, schon weil es kein chinesisches Wort für »Nein« gibt, nur Umschreibungen – wir würden jedoch auf unsere lange Nase fallen, wenn wir entsprechend davon ausgingen, dass Chinesen auch nicht in der Lage seien, auf ganz eigene Art zu handeln – siehe die Atom- und Kohlekraftwerke im Bau.)

Nicht laut, nicht blutig, nicht illegal

Jede moderne Gesellschaft ist von Strom abhängig, und die deutsche Regierung macht die Abhängigkeit noch größer – während sie die Sicherheit der eigenen deutschen Stromversorgung schwächt.

Wenn ich sagte, dass Elektrizität »das neue Brot« ist, wie falsch läge ich? Die französische Revolution war zuletzt ein Massaker, dem Stalinismus vergleichbar, doch es begann als Protest ob des gestiegenen Brotpreises.

Der steigende Strompreis in Deutschland wird keine Revolution auslösen – Deutschland hat eines der teuersten Staatsfunk-Systeme der Welt, und dank unablässiger Indoktrination nehmen Deutsche sogar hin, wenn sie in der Straße abgestochen werden, da wird die Verteuerung von Lebensgrundlagen wie Strom wenig Protest auslösen.

Die recht beliebige Steigerung des Strompreises ist symbolisch für ein Land, das für die Profite, Karrierepläne und sogenannte »Moral« der Eliten ausgepresst wird. (Haben Sie gehört, dass Frau Neubauer – deren familiären Hintergrund wir noch immer nicht offiziell kennen – jetzt auch in die Politik gehen könnte? Siehe bild.de, 2.12.2019. Nein! Doch! Oh!)

Die nächste Revolution wird nicht laut sein, nicht blutig und nicht einmal illegal. Die nächste Revolution wird still sein. Menschen werden sich zurückziehen in ihre Innenhöfe. Diese Revolution ist eine von oben nach unten, durch die Eliten, gegen uns Hunde.

Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass Ertrinkende laut »Hilfe!« rufen und mit den Armen wedeln. Menschen ertrinken still, sinken unter das Wasser.

Noch weniger zu fressen

Ich weiß nicht, was die Ziele der Regierung sind. Ich sehe nichts, was ein Anzeichen dafür wäre, dass diese Leute irgendwelche Ziele verfolgten, die weiter reichten, als der Erhalt ihrer Macht und die Sicherung der eigenen Einkünfte.

Deutschland wird ausgehungert, mindestens an Gerechtigkeit. Ein mächtiger Staatsfunk redet uns Hunden ein, dass alles großartig liefe, dass Verwerfung nur vorübergehend und meistens sowieso aufgebauscht sei, dass unser Hunger nur von der bösen Opposition eingeredet sei.

Der deutsche Hund wagt ja kaum mehr, auch überhaupt nur zu bellen. Sich zu beschweren gilt als »rechts« und kann mit Verlust der Existenz bestraft werden, und dann hat der Hund noch weniger zu fressen.

Der deutsche Hund wird nicht rebellieren, er wird sein Herrchen nicht zerbeißen, denn dafür wurde er zu gründlich abgerichtet, das ist das deutsche Wesen, ob es das nun gibt oder nicht, und das ist auch gut so. Niemand von uns – ich zuerst nicht – will unter Leuten leben, deren Lefzen immerzu nach Umsturz suchen.

Doch, es gibt einen Weg, wie der Hund dem Hunger entkommen kann, und er ist zutiefst demokratisch – er ist der Sinn, der Kern, und, ja, das Wesen der Demokratie. In der Monarchie muss sich der Hund mit dem Herrchen abfinden, das einzusetzen das Schicksal für richtig befand. In der Demokratie dürfen wir Hunde uns aussuchen, welches Herrchen wir anbetteln, uns etwas von unserem eigenen Geld zurückzugeben. In der Demokratie können (und sollten!) wir selbst bestimmen, welches Herrchen seinen so gerechten wie harten Stock über uns schwingen soll – wir müssen uns nur einig werden, und das ist nicht immer einfach, denn einige von uns Kläffern sind sehr einfach abgelenkt.

Wir Hunde sollten uns andere Herren suchen, bevor wir verhungern, bevor man uns mit Stöcken den letzten Lebenswillen aus dem Leib drischt.

»Weiterschreiben, Wegner!«

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