23.2.2020

Wir sind der Stachel in deren Fleisch

von Dushan Wegner, Lesezeit 9 Minuten, Bild von zelle duda

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Linke Lügner hassen uns nicht deshalb, weil wir falsch lägen – sie hassen uns, weil sie wissen, dass wir richtig liegen! – Wir sind der Stachel in deren Fleisch… und ich will verdammt noch mal der Stachel in deren Fleisch bleiben.
Wir sind der Stachel in deren Fleisch
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Es war das Jahr 2005. Vier Jahre nach 9/11, aber auch vier Jahre nach der »Fabelhaften Welt der Amelie«, die noch immer in unseren Seelen klang. Elli und ich verbrachten den Sommer in Paris, besuchten die Museen und Kirchen, spazierten Abends an der Seine, tranken Kaffee im Stehen oder saßen in den Liegestühlen der Pariser Gärten.

Der formale Vorwand unseres Besuches war ein Sprachkurs, und als Teil des »immersiven Lernens« bezogen wir ein Zimmer bei einer wunderbaren älteren französischen Dame; ich will sie Madame C. nennen. Morgens frühstückten wir mit Madame C., am Abend konnten wir mit ihr auf Französisch über unseren Tag parlieren, so gut wir es eben vermochten.

Madame C. war einer der liebenswürdigsten Menschen, die ich je getroffen habe. Umso mehr waren wir erschrocken, als wir uns in den ersten Tagen einmal am Morgen von ihr verabschieden wollten, und sie plötzlich Tränen in den Augen hatte und nervös stockte.

Elli hatte sich einen halblangen Mantel für Abendspaziergänge an der Seine zugelegt, dessen Stoff aber war glänzend und schwarz – und der halblange Mantel erinnerte Madame C. an die Männer, die in ihrer Kindheit durch Paris marschiert waren und an Türen geklopft hatten, in langen, schwarzen Mänteln, ebenfalls mit Schulterklappen, aber wahrscheinlich von Hugo Boss (vergleiche welt.de, 23.9.2011, fluter.de, 24.8.2015), nicht wie Ellis von einer preisgünstigen schwedischen Modekette.

Elli trug den Mantel kein weiteres Mal, auch nach dem Sommer nicht.

»Reißt es ab!«

Herr Amon Göth wurde am 11. Dezember 1908 in Wien geboren. Er ist nicht der einzige Österreicher, dem im späterem Leben eine deutsche, äh, »Karriere« beschert war – ja, wir meinen »den« anderen, und ja, hier passt es.

Amon Göth wurde KZ-Kommandant (siehe Wikipedia, aber lieber eigentlich einen Artikel über seinen Sekretär bei welt.de, 30.7.2011), und selbst unter den KZ-Kommandanten galt er als einer der sadistischsten. Ein falscher Blick genügte als Auslöser, um von Göth getötet zu werden – und dann ermordete er auch noch die Familie. Im Film Schindlers Liste wird auch Göths schreckliches Wirken im Zwangsarbeiterlager Płaszów filmisch notiert.

Eine Szene aus Schindlers Liste zeigt erst, wie Göth (gespielt von Ralph Fiennes) eine Reihe von Frauen abgeht, um sich eine neue Haushälterin auszusuchen. Er wird gestört, als von der benachbarten Baustelle das Rufen einer anderen Frau erklingt. »Reißt es ab«, ruft sie (meine Übersetzung aus dem Englischen), »reißt es alles ab!« – Die Stimmen eines Streites: »An die Arbeit!« – »Reißt es ab! Es ist nicht sicher!« – »Sie sagt, das Fundament sei falsch gegossen, sie muss das alles abreißen.« – Göth lässt die Bau-Aufseherin zu sich kommen, und diese erklärt ihm, dass das Gebäude seitlich absacken wird, wenn man so weiterbaut. Ihr Name sei Diana Reiter und sie sei Bau-Ingenieurin mit Abschluss an der Universität von Milan. – »Ah, ein gebildeter Jude, wie Karl Marx selbst«, kommentiert Göth lässig. Er lässt sie erschießen. Dann ordnet er an: »Reißt es ab, gießt es neu, baut es neu. Wie sie sagte.«

Die Macht des Totalitären

Es ist 2020 und es sind Zeiten, in denen die Lüge wieder zur Wahrheit wird, der Hass auf Abweichler als Haltung gilt, wo derjenige wie ein Feind bekämpft wird, der das Land davon abhalten will, sich, seinen Nachbarn und seinen Bürgern immer größeren Schaden zuzufügen.

Andersdenkende leben in täglicher Gefahr, und der Ruf nach Gewalt gegen Abweichler wird immer unverhohlener. Andersdenkende hätte »Namen und Adressen«, so warnt ein prominenter, äh, »Israelkritiker«. Ein Staatsfunker, der sich schon mal als Hitler selbst verkleidet, agitiert gegen einen prominenten Juden, gibt ihm Mitschuld an Tat eines von Zionismus faselnden Irren. Antifa-Schergen sehen sich von der Propaganda ermutigt, einen jüdischen Politiker als »Nazi« zu beleidigen. (Auch hier gilt vermutlich, was ich 2018 fragte: »Wenn sie dich nicht ›rechts‹ nennen, was machst du falsch?«)

Die Macht des neuen Totalitarismus ist auf widersprüchlichen Prämissen gebaut. (Typisches Gespräch: »Alle Kulturen sind gleich wertvoll, außer diese, die uns Freiheit und Wohlstand beschert.« – »Äh, was ist mit Kulturen, die Schwule hinrichten und Frauen unterdrücken?« – »Halt die Klappe, Faschist!«)

Das Weltbild von Linken ist auf Lügen gebaut. Daraus folgt in deren Denken, und es ist nicht einmal falsch: Linke Macht ist gefährdet, wenn linke Lügen als solche aufgedeckt werden.

Die Motivation des Amon Göth, der die Architektin erschießen lässt, nachdem sie einen Fehler aufgezeigt hat, und die Motivation derer, die Andersdenkende vernichten wollen, ist ähnlich: Der Andersdenkende muss in der Logik der Totalitären nicht vernichtet werden, obwohl er richtig liegt, sondern eben weil er richtig liegt.

Allerdings, und das ahnt auch der totalitäre Gewissenlose, gelten gewisse Regeln und Gesetze auch für ihn, derer erstes und letztes ist: Am Ende gewinnt immer die Realität.

Manchmal dient die Ideologie den Ideologen offenbar nur als Mittel zum monetären Zweck – wir denken an Kirchen und Wohlfahrtsverbände, die predigen, woran sie Geld verdienen – sehr! viel! Geld! – doch manchmal glauben sie ihre Ideologie wirklich, doch dieser Glaube endet oft schnell, wenn die Folgen ihres Tuns sie selbst betreffen (siehe auch: »Aus Gutmenschen, die es selbst betrifft, werden schnell Bösmenschen«)

Ja, es gibt Individuen, die sind derart von linksgrüner Ideologie überzeugt, dass sie bereit zu sein scheinen, sich und/oder ihre Kinder zu opfern (siehe auch »Seid’s ihr völlig deppert?!«). Viele sogenannte »Gute« jedoch – wir denken etwa an all die Funktionäre, die sich tolerant und »weltoffen« geben, aber ohne Angst hinter hohen Mauern leben, oft kinderlos sind und die Realität höchstens durch die getönten Fenster teurer Limousinen erblinzeln können (siehe auch »Gutmenschen riskieren das Leben anderer Leute«) – lassen durch ihr tatsächliches Leben ihre Predigt wie eine Farce dastehen, ihre Moral wie ein Kartenhaus und ihre Wahrheit wie eine zynische, perfide, gefährliche Lüge.

Im September 2016 mahnte ich: »Sagt die Wahrheit, sonst tun es die Populisten« – und es ist nicht erst seit 2015 eine zuverlässige Regel, dass die Mahnungen derer, die als »Populisten« beschimpft werden, zuverlässig wahr werden.

Doch, wie reagieren die Linken, deren Lügen als eben das entlarvt wurden? Gehen Linke und Gutmenschen in sich, wenn die Realität sie widerlegt? Sind sie erschrocken über die in sich vorgefundene Leere und werfen ihre Fernseher aus dem Fenster, wie Rockstars aus wilderen Zeiten? Lesen Linke, wenn ihre Lügen als solche offenbar sind, in Zukunft lieber freie Denker und entschuldigen sich bei den Mahnern? Nein! Natürlich nicht. Ein Sarkastischer könnte formulieren: »Wenn Linke zu Einsicht fähig wären, wären sie nicht links.« – Die Logik der Totalitären ist hier nicht einmal falsch: Es ist wahr, dass derjenige, der auf die Lügen im Fundament des totalitären Weltbildes hinweist, damit die Macht des Totalitären schwächt – und dass sie ihn bekämpfen, ergibt in deren auf Macht und wenig anderes als Macht fixierten Logik durchaus Sinn. Dem Diktator »genügt« totaler Gehorsam, der Totalitäre dagegen besteht zusätzlich darauf, die Gedanken der Menschen zu kontrollieren. In der Logik des Totalitären gefährdet gerade der sachlich richtige Hinweis auf einen Fehler seine totale Macht.

Totalitäre wollen Macht, nicht Gerechtigkeit, nicht Erkenntnis, sie wollen nicht einmal menschliches Leben bewahren, und wer ihre Macht durch Kritik und Fragen ankratzt, muss in der einen oder anderen Form vernichtet werden – nicht obwohl er richtig liegt, sondern weil er richtig liegt.

So viele Crêpes

Der Schrecken, den ein harmloser Modemantel einer älteren, zuckersüßen, würdevollen französischen Dame einjagen konnte, war eine schmerzhafte Erinnerung, wie nah die Vergangenheit uns noch ist.

Die Diana Reiter des Filmes gab es wirklich. (Und sie hat einen englischsprachigen Wikipedia-Eintrag und einen polnischen, aber zum Stand 23.2.2020 keinen deutschen.)

Unser Sommer 2005 in Paris kam zum Ende. Elli hatte sich eine bunte Jacke gekauft. Wir hatten Eclaires gegessen und eine Landwirtschaftsausstellung besucht und dort erstaunlich ruhige, aber wunderschöne Kühe mit langen Wimpern begutachtet. Wir hatten aus der Entfernung von hinter den Massen ein weiteres Mal der weiterhin erstaunlich kleinen Mona Lisa gewunken.

Am letzten Tag vor unserer Abreise machte uns Madame C. mit einer Tradition in ihrem Hause bekannt: Wir würden in Wettbewerb treten mit ihren bisherigen Besuchern, wie viele Crêpes mit Butter und Marmelade wir essen können. Ich habe in meinem Leben noch nie so viele Crêpes gegessen wie an dem Tag, und doch hatte ich den Rekord, so Madame C., nicht einmal annähernd geschlagen. Es war köstlich und schön und so lieb.

Paris ist eine andere Stadt seit 2005, und die Leute, die zuließen oder sogar forcierten, dass sie sich so veränderte, sind ähnlich denen, die heute in Deutschland alle Andersdenkenden mindestens sozial zu vernichten suchen.

Nicht nur ihr eigener Wert

Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er seine Feinde des Faschismus zeihen. Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er sagen, er sei ein Kampf gegen Rechts. Wenn der Faschismus wiederkehrt, was wird er mit der Demokratie anstellen?

Wir werden nicht bekämpft, weil wir falsch lägen. Man hasst und bekämpft uns, weil wir richtig liegen. Wir sind der Stachel in ihrem Fleisch, und je mehr sie auf uns drauftreten, um so rasender werden sie vor Schmerz. Man könnte uns ja »heraus ziehen«, wie man einen Stachel herauszieht – und sie versuchen es mit Zensur-Gesetzen und anderen Tricks – doch wenn sie uns herausgezogen haben, wird bald ein anderer Stachel als unangenehme Wahrheit in die Ferse dringen.

Deren Weltbild ist auf Lügen gebaut. Einer, der die Wahrheit sagt, ist denen ein schmerzender Stachel in der Ferse. Wer die Macht der Wenigen über die Freiheit der Vielen stellt, für den ist der Ruf nach freiheitlichem Recht und demokratischer Ordnung natürlich ein Stachel im Fleisch. Wessen Macht auf Ideologie und blinden Gehorsam fußt, der kann gar nicht anders, als sich vor Schmerz zu winden, wenn Demokratie und Vernunft ihn in die Ferse stechen.

Wer den Totalitären ein Stachel im Fleisch ist, der wird von denen beschimpft und bedrängt werden. Wer den Lügnern ein Stachel im Fleische ist, den werden sie zum Feind erklären und ihm üble falsche Beschuldigungen anhängen wollen – was sonst sollen sie tun? Es sind Lügner.

Paris ist eine andere Stadt als damals. Der Regisseur der Amelie würde keinen zweiten Teil drehen; Paris sei ihm heute »zu hässlich« (independent.co.uk, 8.5.2019). Deutschland ein anderes Land, geformt vom linken Weltbild. Das Weltbild von Linken ist auf Lügen gebaut. Lasst uns rufen: »Reißt das linke Weltbild ab!« – Ein Land, das auf Lügen gebaut ist, wird »einsacken«, als Kultur, als Gesellschaft und als Ökonomie. 

Am Ende werden die-da-oben ja doch tun, was jene raten, die sie einst als »Populisten« beschimpften. Lasst uns auch weiterhin denen ein Stachel im Fleisch sein.

Ja, Wahrheit und Vernunft gefährden linke Hegemonie. Ja, die Wahrheit zu sagen und Vernunft anzuwenden macht dich zum erklärten Feind von Linken, Globalisten und ihren Handlangern.

Und doch: Für manche von uns sind Wahrheit und Vernunft nicht nur ihr eigener Wert, sie sind auch der einzige Weg, der einer Gesellschaft nachhaltigen Wohlstand, etwas Glück und etwas Gerechtigkeit bringen wird – bringen kann.

Sagt die Wahrheit, denkt mit dem eigenen Verstand, bleibt der lästige Stachel im Fleisch der Lügner – doch, bitte, bleibt vorsichtig.

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