7.9.2019

Die Ölheizung, das Auswandern und der richtige Zeitpunkt

von Dushan Wegner, Lesezeit 9 Minuten, Bild von Ksenia Kudelkina
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Immer verrückter: Grüne wollen Ölheizungen verbieten. Wohnungsbesitzer gelten plötzlich als neues Feindbild. »Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr«, so schrieb Rilke, doch immer mehr Deutsche träumen davon, ihr Haus im Ausland zu bauen.
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Wann und wo ist Jetzt? Die Philosophen denken schon seit den alten Griechen darüber nach: Wir teilen die Zeit in eine Vergangenheit, eine Zukunft und eben das Jetzt, doch wie lange soll dieses Jetzt denn dauern?

Eine Stunde lässt sich in Minuten teilen, eine Minute in Sekunden, eine Sekunde in Mikro- und Millisekunden, und so immer weiter fort. Wie lange soll also das Jetzt sein? Wir können es nicht sagen, oder, genauer formuliert: Es ist nicht sinnvoll sagbar. Das Jetzt, das unser Gehirn wahrnimmt, ist ein psychologischer Effekt, eine Zeitspanne von jeweils etwa eineinhalb Sekunden vor und nach dem logischen Jetzt.

Das logische Jetzt ähnelt der Ecke eines Rechtecks oder dem Schnittpunkt zweier Geraden – das Jetzt ist zwar zweifellos »da«, doch es ist nur ein mathematischer Punkt. Es ist erstaunlich, ja, geradezu erschreckend, wie wenig wir den Begriff der Zeit verstehen, während sie doch offensichtlich eine definitive Dimension ist, innerhalb derer sowohl Ich als auch Leben stattfinden.

Damit ein Leben erfolgreich ist, gilt es, Entscheidungen zu treffen, und der Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt eine Handlung folgen zu lassen – doch die Logik lehrt uns, dass es im Leben des Menschen wie in der Logik der Zeit keinen eindeutig richtigen Zeitpunkt gibt, gar nicht geben kann, nur ein Früh und ein Spät, und ein Zeitfenster, vor welchem es zu früh und nach welchem es zu spät war, und die Grenzen dieses Zeitfensters sind ebenfalls unklar, da ebenfalls unendlich klein und zugleich in unserer Wahrnehmung meist verschwommen.

Man hört seit Jahren nun, und zuletzt immer häufiger, von Deutschen, die das erschreckende Wort »Auswandern« verwenden – wer vor dem Wort »Auswandern« nicht erschrickt, der versteht nicht, wovon er spricht. Man könnte die Frage stellen, ob der tägliche Irrsinn tatsächlich so einen großen und schwierigen Schritt rechtfertigt – doch vielleicht ist die eigentliche Frage auch eine andere.

Ölheizungen und nationale Flächenziele

Man kann politisch erfolgreich sein und doch zugleich absurd und komisch, ganz oder teilweise, das haben etwa Mussolini, Trump und die Grünen gemeinsam – und wenn der Erfolg und die komische Absurdität zusammenhängen, dann ist das ein Zeichen für Schieflagen in der Gesellschaft.

Wenn normal denkende Menschen über die Grünen und ihre Sympathisanten bei Staatsfunk und Haltungsmedien sprechen, dann wahrlich nicht, weil deren Argumente und Forderungen so bedenkenswert oder auch nur interessant wären. Wir beschäftigen uns mit den Grünen, weil ihre irren Ideen, vor allem dank Staatsfunk und den Sympathisanten in Schulen, an gefährliche Entwicklungen in der Gesellschaften anknüpfen und diese damit verstärken und vervielfachen.

Die Grünen im Bundestag wollen nun Ölheizungen verbieten, sie wollen weiterhin das Fliegen teurer machen und besonders für Bürger entlegener Regionen umständlicher (indem sie Subventionen nicht-profitabler Flughäfen verbieten, siehe welt.de, 6.9.2019). Ab 2030 sollen nur noch Autos mit (giftigen und nicht ungefährlichen!) Batterien zugelassen werden und bewährte Verbrennungsmotoren verboten, der Umwelt wegen. In einem neuen Papier haben die Grünen stolze 70 Seiten voller Verbots- und Subventionsphantasien vorgelegt. Man will ein »nationales Flächenziel Windkraft festlegen« (darf man als Linksgrüner überhaupt »national« sagen? – PDF auf gruene-bundestag.de, Seite 4) – zum Thema Vogelmord und Forderung der Windkraftlobby, den Artenschutz zugunsten von Ökoprofiten aufzuweichen, findet sich scheinbar nichts, aber vielleicht habe ich es nur übersehen – Gutmenschen werden doch keine Heuchler sein (welt.de, 4.9.2019: »Das Tötungsverbot gefährdeter Wildtiere nach Paragraf 44 Bundesnaturschutzgesetz entwickelte sich aus Sicht der Branche zum „absoluten Planungshindernis“«) – egal, verbieten wir erst einmal die Ölheizungen – sollen die Leute doch schauen, wie sie ihr Haus im Winter warm halten, wenn sie keinen Anschluss an Putins Gas haben.

Wehe dem Fleißigen

Die Grünen sind nicht das eigentliche Problem, das Problem ist der Zustand einer Gesellschaft, der solchen gefährlichen Unsinn möglich macht.

Die Probleme, in die sich Deutschland hineingeritten hat und weiter hineinreitet, sie mögen verschieden aussehen, doch sie teilen eine gemeinsame Ursache.

Der anti-ökologische Irrsinn, der dazu führte relativ CO2-freundliche und doch zuverlässige Atomkraftwerke abzuschalten, aber Bäume zu roden, um wetterabhängige Vogelhäcksler zu installieren, die politische Korrektheit, welche die Benachteiligung von Frauen, archaische Denkweisen und Antisemitismus fördert (demnächst wird in Berlin der israelhassende Bürgermeister von Teheran empfangen, siehe tagesspiegel.de, 5.9.2019), diese Irrtümer und Verlogenheiten haben dieselbe Ursache.

Derzeit wird wohl versucht, Merkels Grenzöffnung von 2015 propagandistisch aus der Geschichte zu streichen, siehe etwa tagesschau.de, 6.3.2019. Wenn man heute bei Twitter nach »from:tagesschau Grenzöffnung« sucht, findet man (noch?) direkt untereinander die Tweets: »Hat Merkel 2015 die Grenze geöffnet?« (@tagesschau, 18.6.2018/archiviert) und »Flüchtlingsgipfel: Obama dankt Merkel für Grenzöffnung« (@tagesschau, 21.9.2016/archiviert). Ich bin längst nicht mehr verwundert über diesen »gefühlten« Wahrheitsbegriff von Staatsfunkern, wenn auch deren Zynismus mir immer wieder kalte Schauer den Rücken herunterlaufen lässt. Ich finde die Dreistigkeit des Staatsfunks eher unverschämt – man könnte sich wenigstens die Mühe machen, die eigenen Archive, Kanäle und Websites zu bereinigen, bevor man die jüngere Geschichte propagandistisch umzuschreiben versucht. Auch 2015 hatte, ob man die Geschichte nun neuschreibt oder nicht, dieselbe Ursache wie das Abholzen von Bäumen und das Töten von Vögeln im Namen des Umweltschutzes.

»Das Private ist politisch«, sagten die 68-er, doch im Kern bedeutete es die Begründung von Forderungen und Handlungen durch das Bauchgefühl im Moment, wenn die Forderungen ausgesprochen werden. Die Bauchgefühlethik von Gutmenschen arbeitetet nicht nur mit demselben Mechanismus wie die von Lynchmobs und Sektenführern, sie ist auch die Traumethik von Globalisten und Postdemokraten. Wer den Menschen einreden kann, dass das »ethisch« ist, was sich ohne Nachzudenken im Bauch gut einfühlt, und wer dazu noch ausreichend einflussreiche mediale Kanäle kontrolliert, der kann die Länder zu allem bewegen, und Demokratie ist für ihn nur ein niedliches Spiel, das gespielt wird, und wenn er etwas erreichen will, dann finanziert er einfach eine NGO, die das fordert, was ihm nutzt.

Die Bahnhofsklatscher von 2015, die Schlepperei-Unterstützer, die Kopftuch-Verteidiger, die sogenannten Öko-Aktivisten von heute, welche meinen, den CO2-Ausstoß von China zu senken, indem sie den sozial Schwächeren von Deutschland das schöne Leben noch teurer und damit schwieriger zu erreichen machen.

Nein, ich sage nicht, dass der Horror des Dritten Reiches und der heutige Kampf gegen Abweichler dasselbe sind, so wie ein Galgen, ein Giebel und eine Geige nicht dasselbe sind, nur weil sie alle drei aus Holz bestehen – doch dass Galgen und Geige nicht dasselbe sind, das ändert nichts an der Tatsache, dass sie beide aus Holz gemacht sind, und dass man über Holz als solches reden kann – die Deutschen nun, die damals auf die goebbelsche Frage nach dem »totalen Krieg« frenetisch »Ja!« brüllten, und die Deutschen, die heute begeistert in die Propaganda einstimmen oder sogar bei Partei-Aufmärschen »Wir sind mehr!« mitbrüllen – wohlgemerkt: man beachte die Galgen-Giebel-Geigen-Passage – sie schreien nicht, weil sie alles durchdacht hatten und die Konsequenzen begrüßten, sondern weil es sich in dem Moment gut anfühlte, »dabei zu sein«.

Man hört immer häufiger von immer mehr Deutschen, dass sie sich mit dem Gedanken beschäftigen, auszuwandern. In anderen Ländern wird Leistung belohnt und gefördert, statt dämonisiert und bestraft zu werden. Deutschland hat im EU-Vergleich eine eher niedrige Wohneigentumsquote (siehe statista.de), und Eigentümer von Wohnungen – sei es die selbst benutzte Wohnung oder die vermietete – bieten heutigen Populisten ein einfaches Feindbild, in einem ohnehin zu Neid neigenden Land – wehe dem Fleißigen in Deutschland!

»Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr«, so schrieb Rilke, und mancher Deutsche überlegt derweil, sein Haus im Ausland zu bauen.

Das, was bis heute in Deutschland passierte und passiert, das könnte in Überlegungen einfließen, wenn man erwägt, das Leben in einer der vielen deutschen Communities außerhalb Deutschlands fortzusetzen und neu zu beginnen. Eine weitere Frage ist, welche Dinge aus denselben Ursachen in Deutschland noch passieren werden.

Viele »kleine Fische«

Die Logik der Zeit lehrt uns: Es gibt kein Jetzt, zumindest keinen greifbaren Zeitpunkt, den man »Jetzt« nennen kann, es gibt nur Zeitspannen, doch es gibt in unserem Leben ein »Zu-früh« und es gibt auch ein »Zu-spät«.

Wird Deutschland sich berappeln und den Propaganda-Apparat in seine Schranken weisen, bevor es zu spät ist? Deutschland treibt auf Klippen zu, und es finanziert sich eine über acht Milliarden Euro teure Windmaschine, die kräftig in die Segel bläst.

Sagen Sie es mir! Die politischen Kräfte, die dafür sorgen können, dass der Staatsfunk eingehegt wird, werden von eben diesem Staatsfunk bekämpft – alles andere wäre ja ein Wunder, und das letzte Mal, das jemand ohne Tricks übers Wasser lief, ist auch schon länger her.

Wird man die Funktionäre, Journalismuspreisträger und vielen »kleinen Fische« beim Staatsfunk davon überzeugen, Vernunft statt Emotion zu predigen, Gewissen statt Gehorsam, Verantwortung statt Gesinnung? Von der Antwort auf die Frage nach der Macht der sogenannten »Öffentlich Rechtlichen« hängt auch die Antwort auf die Frage ab, ob man sein Leben, sein Geld und seine Hoffnung in Deutschland investieren sollte.

Vielleicht und hoffentlich

Ich kann frei schreiben – noch. Ich bin weder Staatsfunker, noch Parteisoldat noch Journalist bei irgendeinem Medienkonzern. Ich brauche nicht Ihren Applaus. Ich will etwas sagen, dessen Richtigkeit sich womöglich und hoffentlich in einigen Jahren bestätigt, oder in Jahrzehnten, oder wenn ich nicht mehr da bin.

Trauen Sie Deutschland zu, die verheerende Wirkung von Staatsfunk und 68-ern zu überwinden? Vielleicht sehen Sie ja auch gar nicht die verheerende Wirkung von 68-ern und Staatsfunk, die ich wahrzunehmen meine. (Es gibt ja durchaus zarte Anzeichen der Hoffnung, siehe etwas »Meinungsfreiheit: Es gärt an den Universitäten«, achgut.com, 7.9.2019.) Ist Ihre Bindung nicht nur an eine Kultur und ein Volk, sondern Ihre Bindung auch ans Land selbst stärker als die Zugkraft der nackten Möglichkeit, dass es anderswo besser sein könnte? (»Könnte«!) – Ist es Ihr Pflicht- und Heimatgefühl, zwei edle Charaktereigenschaften, das Sie gegen alle Risiken und Bedenken am Ort hält? Ein Paradies ist auf dieser Erde nirgends, und da wo das Paradies der Bibel war, da ist Krieg (Merkel fand den Irak-Krieg übrigens dufte, faz.net, 27.3.2003: »Merkel verteidigt Irak-Krieg«, Schröder hat Deutschland aus dem Irakkrieg herausgehalten – es ist fast, als ob Merkel etwas leichtfertig mit dem Leben von Deutschen umginge).

Ich kann Ihnen nicht sagen, ob Sie bleiben oder auswandern sollen, denn nur Sie können – und sollten – bestimmen, was Ihre relevanten Strukturen sind. Ich kann Ihnen nicht sagen, was Ihre Qualifikation anderswo wert ist. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie schlimm das Heimweh wäre, dass Sie woanders haben würden. Ich kann Ihnen nur sagen, dass Sie und nur Sie diese Entscheidung treffen können – und sollten.

Sie kennen ja meine zwei Leitsätze, die ich zuerst mir selbst einprägen will. Der erste dieser Sätze ist auch weiterhin: »Prüfe alles, glaube wenig, denke selbst!« – Das beinhaltet, ganz im buddhistischen Geist, die Welt zu sehen, wie sie wirklich ist, und nicht wie Propagandisten, politisch Korrekte und Staatsfunker sie zurechtbiegen. Wenn du aber nachgedacht hast, wenn du weißt, was dir wichtig ist, und was von Dir getan werden muss, dann wirst du auch wissen, wann der richtige Zeitpunkt dafür ist, und der zweite Satz ist dem ersten gleich: Ordne deine Kreise – nicht zu früh und nicht zu spät.

»Weiterschreiben, Wegner!«

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