Essays

Der deutsche Golem

Der deutsche Golem

Rabbi Löw hatte verboten, den Golem für lästige Arbeiten zu nutzen. Der Golem sollte das jüdische Viertel schützen, vor Gefahr und falscher Verdächtigung, dafür war er da. Einmal nur hielt sich die Rebbetzin, also die Frau des Rabbis, nicht an das von ihrem Mann ausgesprochene Verbot. Sie befahl dem Golem, Wasser ins Haus zu holen. Sie selbst ging auf den Markt, der Golem jedoch holte immer mehr Wasser, denn niemand befahl ihm, aufzuhören. (Goethes Zauberlehrling könnte hiervon inspiriert sein.)

Der Prager Golem

Der Golem ist eine Figur der jüdischen Mystik. Man erzählt von einer aus Ton geformten Figur, die beim Rabbi Löw daheim wohnte. (Andere Varianten der Sage erzählen es anders.) Durch Siegel und Rituale wurde der menschenförmige Tonklotz zum Leben erweckt, so die Sage.

Vor dem Pessachfest etwa schützte der Golem das jüdische Viertel davor, dass jemand ein totes Kind deponierte, um so böse Beschuldigungen gegen die Prager Juden aufstellen zu können. (Die gleiche Gruppe antisemitischer Lügen, wie sie heute etwa von Mahmoud Abbas in der UN-Vollversammlung verbreitet werden. – siehe z.B. nytimes.com.)

Der neue deutsche Golem

Die Deutschen haben sich im zwanzigsten Jahrhundert auch einen Golem gebaut – mit einem wichtigen Unterschied. Der Golem sollte nicht die Deutschen vor den falschen Anschuldigungen feindlicher Mächte schützen.

Die Deutschen nach 1945 haben sich, zu ihrem eigenen Schutz, einen neuen, deutschen Golem geknetet. Der deutsche Golem (das Wort heißt übrigens „formlose Masse; ungeschlachter Mensch“) sollte und soll die Deutschen davor bewahren, ein weiteres Mal solches unvorstellbare Leid über Welt und Menschheit zu bringen. Die Deutschen sollen ja nicht gänzlich gelähmt werden, ihre Arbeitskraft und Geistesleistung ist ja noch immer wertvoll (wie wertvoll wäre sie, wenn sie nicht einige ihrer Besten getötet oder verjagt hätten) – aber dieses Monster in ihnen, das zu jenem Allerdunkelsten führte, das musste und muss noch immer in Schach gehalten werden – von einem anderen Monster.

Den Lehm des deutschen Golems bilden hunderte Stiftungen, Vereine, Initiativen, Behördenanhänge, TV-Sender und Bildungs-Initiativen, allesamt mit dem einen Ziel: den Deutschen davor zu bewahren, ein weiteres Mal ein solches Verbrechen zu begehen.

Der Lehmklumpen

Der Golem ist – und das sollten wir nie vergessen – zuerst ein dummer Klumpen einfachen Lehms. Er hat eine Aufgabe, aber gerade so viel Verstand, wie es braucht, diese Aufgabe zu erfüllen. Es ist die magische Beseelung und seine Aufgabe, die ihm zusammen seinen Sinn und Wert geben.

Den Golem ficht nicht an, ob sich die Natur der Aufgabe in der Zwischenzeit geändert hat, ob er implizite Anweisungen nicht bedacht haben könnte – etwa dass der Sinn des Wasserholens nicht das Wasserholen selbst ist, sondern der Zielzustand „genug Wasser im Haus“ – der Golem tut, was sein Auftrag ist.

Wasserholen

Der deutsche Golem sollte einst einen Feind bekämpfen, genau genommen eine Idee, eine Idee, welche zuvor mit dem deutschen Wahnsinn einherging.

Man hat dem deutschen Golem nun – entgegen allen demokratischen Regeln – einen neuen Auftrag gegeben, eine Art „verbotenes Wasserholen“. Der deutsche Golem wird missbraucht, um gegen Kritik am suizidalen Kurs der Regierung zu kämpfen.

Der deutsche Golem ist ein selbsterhaltendes System. Eigentlich wäre es seine Aufgabe, seine eigene Notwendigkeit zu verringern. Doch das würde, nüchtern betrachtet, bedeuten, dass tausende Propaganda-Mitarbeiter ihre eigene Arbeitslosigkeit beschließen müssten – eine wenig wahrscheinliche Aussicht. Dieser Golem wird stärker. Die ARD – geführt vom ehemaligen Regierungssprecher – will mehr Geld. Die Antifa wird immer aggressiver und macht den Protest gegen die Regierung zur Gefahr für Leib und Leben.

Der deutsche Golem bleibt ein Golem, ein Stück Lehm, mit einem Auftrag, vollständig taub und blind ob aller auch um ein Zehntel Winkelgrad anders gerichteter Gefahr. Während der Golem die Nebensätze in Bierzeltreden auf möglichen Rassismus doppelt und dreifach siebt, ist er so-blind-wie-möglich für den Anti-Semitismus und Rassismus von Leuten, die kritisch zu sehen er nicht angewiesen wurde.

Der Tod des Golems

Der Prager Golem diente dazu, einen äußeren Feind in Schach zu halten. Der deutsche Golem sollte sicherstellen, dass wir unsere eigenen Dämonen nicht wieder aus ihren Löchern und Abgründen steigen lassen – derweil aber steigen die Schwestern und Brüder dieser Dämonen (neudeutsch: importierter Antisemitismus) nach oben und jagen uns und unseren Opfern von damals neue Angst ein.

Als es den Prager Golem nicht mehr brauchte (unter anderem, weil der Kaiser zusagte, gegen Falschbeschuldigungen vorzugehen), beschloss Rabbi Löw, den Tönernen durch ein entsprechendes Ritual zurück in seinen Urzustand zu verwandeln. Manche sagen, dass die Reste des Golems auf dem Dachboden der Prager Altneu-Synagoge als Lehmklumpen liegen. Andere sagen, dass der Golem entfloh.

Der deutsche Golem dagegen wird ja noch immer gebraucht; die deutschen Dämonen leben ja noch immer. Doch während er missbraucht wird, um Wasser über Regierungskritiker zu schütten, kommt er nur mühsam in Fahrt, eine neue Gefahr als solche anzuerkennen.

Justiert euren Golem neu!

Der deutsche Golem wird nach wie vor gebraucht, doch es wäre wohl eine gute Idee, ihn neu zu justieren. Meinten wir „nie wieder – punkt“, oder wirklich nur „nie wieder wir, aber wenn jemand anders es tut, in unserem Land und von uns finanziert, dann ist es kulturelle Eigenheit“? Meinten wir „gleiche Rechte für Frauen – punkt“, oder „gleiche Rechte für Frauen, außer sie wurden in eine Religion geboren, die eben Unterwerfung verlangt“.

All die Stiftungen und Medienanstalten, die Vereine und Verbände, sie sind der Lehm unseres Golems. Dieser Golem wächst täglich, doch die meiste Zeit bringt er Wasser ins Haus. Eine neue Gefahr, die jener ähnelt, gegen die er ursprünglich vorgehen sollte, bedroht uns, doch der dumme Golem nimmt sie nicht wahr.

Wir sollten unserem Golem einen neuen Auftrag geben, so wie er sich jetzt aufführt, wird er bald vom Beschützer der Demokratie zu einer eigenen Gefahr für die Demokratie.

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