10.6.2019

Sicherheit gegen Klimamaßnahmen – wäre das ein Deal?

von Dushan Wegner, Lesezeit 6 Minuten, Bild von Tattyan
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Ob eine Frau im Park vergewaltigt wird oder ein Prügelopfer sein Leben lang Pflegefall bleibt – sowas kümmert die »Guten« eher wenig, die berauschen sich am fantasierten Weltuntergang.
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Einst nannten wir es Vertrag, Geschäft oder Kompromiss – alles wird moderner – heute nennen wir es einen Deal.

Wie erfolgreich seine Deals am Ende sein werden, das wird sich noch herausstellen, doch zumindest der Versuch von Deals ist jetzt bereits ein Markenzeichen der Präsidentschaft Donald Trumps; das Buch, das ihn verstehen hilft, ist ja sein – von wem auch immer geschriebenes – Schlüsselwerk »The Art of the Deal« (1987).

In einem wirklich guten Deal bekommen zwei Seiten, was sie jeweils vom Deal-Partner erhalten möchten – und was sie ohne diesen Deal nicht bekommen hätten. Der einfachste, klassische Deal ist das Geschäft, bei dem man Geld gegen ein Produkt tauscht, welches selbst wiederum aus Waren, einer Dienstleistung oder einer Kombination bestehen mag, mit dem der Zahlende selbst wieder Geld verdienen kann. Andere Deals sind komplizierter, vor allem wenn politische oder nur psychologisch erklärbare Interessen ins Spiel kommen.

Ich möchte heute selbst einen neuen Deal vorschlagen (keine Angst, nicht den »Green New Deal«, der ja erstens crazy und zweitens kein Deal ist), nein, mein Deal wäre tatsächlich »Win-Win«, wie man früher sagte!

In meiner Amtszeit nicht zu lösen

Im Düsseldorfer Hofgarten wurde laut Polizei eine 51-Jährige brutal vergewaltigt (so berichtet etwa bild.de, 9.6.2019).

Ja, auch als Kölner kennt man den Düsseldorfer Hofgarten. Unsere Tochter hat dort, als sie ein Baby war, im grünen Gras gespielt, wenn wir Freunde in Düsseldorf besuchten. Das Land wird seinen Kindern fremd.

Solche Meldungen, die man sonst aus zum Glück fernen und – seien wir ehrlich – hoffnungslosen Regionen kennt, sie wecken ein mulmiges, hilflos wütendes Gefühl, wenn sie an Orten geschehen, die man selbst kennt. Wer, wie ich, in Köln und NRW aufwuchs, den ergreift dieses traurige Gefühl häufiger in den letzten Jahren.

Wir lesen:

Das Opfer beschreibt die Täter so: Etwa 24 bis 26 Jahre alt, circa 1,70 Meter bis 1,85 Meter groß, nordafrikanisches Aussehen. Einer habe krauses schwarzes Haar. – Die Polizei sucht Zeugen… bild.de, 9.6.2019

Es ist nicht die einzige Meldung der letzten Tage, Wochen, Monate, oh nein. Rentner Detlef J. (75) wird womöglich sein Leben lang ein Pflegefall bleiben (bild.de, 8.5.2019). Aus NRW lesen wir zur Clan-Kriminalität: »Es gilt das Recht des Stärkeren. Wer nicht durchsetzungsfähig ist, habe verloren« (so zitiert ksta.de, 9.6.2019 Thomas Jungbluth, den Abteilungsleiter für Organisierte Kriminalität im Landeskriminalamt). – Der NRW-Innenminister (CDU) klingt, als habe er aufgegeben: »Problem ist in meiner Amtszeit nicht zu lösen«. – Was genau war mit »Wir schaffen das« gemeint?!

Jemand fängt an zu schluchzen.

Letztens stellte ich die These auf, dass es »zwei Deutschlande« gibt; der Text ist so eingeleitet:

Die einen werden von Vogelgesang geweckt, trinken Bio-Kaffee und fahren Justus-Jonas in den Waldkindergarten. Die anderen wachen auf, weil nebenan das SEK bei irakischen Rockern anklopft. Zwei Deutschlande, und die, die Glück hatten, nennen sich »gut«. (Zwei Deutschlande)

Eigentlich könnten ja jene Guten und Glücklichen, welche morgens auf der sonnigen Seite des deutschen Bettes aufwachen, sich zufrieden zurücklehnen. Sicher, Menschen leiden und werden getötet in Folge gutmenschlicher Politik; sicher, Tiere sterben und die Umwelt wird verschandelt für die Herstellung von »Ökostrom«; doch da es andere sind, die den Preis gutmenschlicher Moral zahlen, könnte man ja ruhig schlafen als selbsterklärter Guter.

Aus Gründen, deren Erklärung ich den Experten für Seelenverkabelung überlasse, ertragen die deutschen Wohlhabenden nicht, wie gut es ihnen geht; etwas frisst an ihnen, und sie steigern sich aktuell (wieder) in eine Panik, die Welt würde bald untergehen.

Im Blatt, das Relotius groß machte (und das demnächst vom vermutlich letzten Reflektierten dort, Jan Fleischhauer, verlassen wird), lesen wir aktuell einen Text mit dem Titel »Drohende Klimakatastrophe – Vor dem Absturz« (spiegel.de, 9.6.2019). In der Kolumne wird als Metapher von einem Flugzeug mit Leck im Tank gesprochen. Es soll für die Klimaveränderung stehen. Treibstoff laufe aus, und wenn man nicht sofort zur Notlandung ansetzen würde, so Pilot und Kopilot, dann würde es wahrscheinlich zur Katastrophe kommen. – Es wird erzählt, wie Pilot und Kopilot (die Experten) zur Notlandung raten, doch dass die Flugpassagiere dies in Zweifel zu ziehen beginnen. (Der Geist von Relotius hat mitgeschrieben: »Jemand fängt an zu schluchzen.« – Welche Dramatik!)

Im Text wird, unter anderem, eine fiktive Politikerin verächtlich gemacht:

Da steht eine Frau auf und sagt, sie könne hier sicher helfen: Sie sei Berufspolitikerin und deshalb geübt darin, in Konfliktsituationen eine für alle Beteiligten akzeptable Lösung auszuhandeln. Einige Passagiere lachen bitter, mehrere fangen an, unflätige Beleidigungen zu brüllen. Die meisten starren bedrückt vor sich hin. (spiegel.de, 9.6.2019)

Ich bin nicht sicher, was ich erschreckender finde: Dass deutsche Meinungsmacher in Leitmedien de facto zu einem Ende der Demokratie und der Errichtung einer Öko-Diktatur aufrufen – oder wie selbstverständlich eben dies passiert.

Die durch Schulen und Staatsfunk innerlich weichgekochte Linke nimmt es nicht nur hin, ja, sie scheint geradezu danach zu verlangen, dass Deutschland nach zwei eher problematischen Versuchen im zwanzigsten Jahrhundert nun einen dritten Anlauf zur Diktatur nimmt.

Doch noch eine Brücke

Selbst im kalten Krieg und sogar im heißen Krieg gab und gibt es Kommunikationen zwischen den verfeindeten Parteien. Selbst über den heutigen Graben zwischen den Fühlenden und den Bewahrenden hinweg ließe sich heute vielleicht eine Brücke bauen. (Ich schlug es 2017 vor und es ist mir genauso ernst wie damals; siehe dazu »Eine Brücke über den großen Graben«, 15.12.2017.)

Ich will einen neuen Versuch wagen – vielleicht klappt es ja mit ungewöhnlichen Ideen, wenn die »gewöhnlichen« wie Debatte und Demokratie bei den Guten und Gerechten inzwischen auf Abscheu und Ablehnung stoßen!

Dass wir es eher erreichen

Lassen Sie uns, liebe Besorgte und Bewegte, einen Deal schließen!

Wir, die wir »einfach nur leben« wollen, schauen uns an, welche von Ihren Vorschlägen einer kritischen Prüfung standhalten (und nicht der Umwelt mehr schaden als ihr nutzen) – und Sie erlauben dafür uns und dem Rechtsstaat, Ihr und unser Leben zu schützen vor jenen, die Ihr und unser Leben nicht so sehr wertschätzen, wie ich mein Leben und das Leben meiner Kinder wertschätze.

Wäre das nicht ein fairer Deal? Sie, liebe Linke, müssen ja nur erlauben, das Land sicher zu machen und die Menschen zu prüfen, die hineinkommen (wollen) – und im Gegenzug helfen wir Ihnen, einige Ihrer Ziele realistischer zu erreichen.

Es ist ein Test. Wie ernst ist es denen? Wenn den Linksgrünen wirklich am Umweltschutz gelegen ist, und wenn sie wirklich glauben, dass ohne schnelle Maßnahmen die Welt bald untergeht, dann werden sie auch mit uns, den bösen Realitäts-Populisten, einen Deal machen wollen.

Was nutzt es dir, wenn du am moralischsten aller Ziele angekommen bist, und auf jeden Deutschen zwanzig Asylbewerber kommen, wenn die Erde eh in 12 Jahren untergeht, weil nicht genug CO2-Steuer erhoben wurde?

Und andersrum: Messertote kaufen keine Elektroautos. (Clan-Mitglieder übrigens wohl auch nicht, die fahren eher Ferraris und goldfarbene Lamborghinis – siehe etwa bild.de, 9.6.2019.)

Ich halte die von Gesinnungsenthusiasten gepredigte Dummheit für ein weit größeres Problem als dass wir demnächst Palmen an der Nordsee haben (siehe auch: »Umweltpanik? Nein, danke!«), doch ich bin gern bereit einen Deal einzugehen. Liebe Umweltbewegte, Sie erlauben Sicherheit und Rechtsstaat (und hören auf, die Demokratie verächtlich zu machen!), dafür setze ich mich für einige Ihrer Ziele ein – mit meinen Mitteln und Methoden. Wenn Umweltbewegte wirklich glauben, was sie sagen, müssten sie auf so einen Deal eingehen – wenn es ihnen aber nur um Geld, Macht und die Aushöhlung des bestehenden demokratischen Systems gehen sollte, dann werden sie wahrscheinlich den Deal ablehnen.

Aber, ich bin ja bereit einen Deal zu machen, liebe Linke: Ich schaue, was ich tun kann, um »das Klima zu retten«; und, unter uns: Da Leute wie ich realistischer denken als manche eurer Freunde, besteht sogar die Chance, dass wir es eher erreichen!

In einem wirklich guten Deal bekommen beide Seiten, was sie jeweils wollen – in diesem Deal verhindern wir die Katastrophe, die in X Jahren passieren soll, und wir mindern das Leid, das schon heute Realität ist – das wäre doch »Win-Win«!

»Weiterschreiben, Wegner!«

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