Ist »Merkel muss weg« das neue »Wir sind das Volk«?

20. August 2018, von Dushan Wegner; Bild von Cezary Kukowka
Die Zahl der Menschen, die mutig »Nein!« zur Auflösung des Rechtsstaats sagen, wächst. Ich bin dankbar, wenn ich mit meinen Worten und Formulierungen hier und da mithelfen kann. Bedienen Sie sich!
Ist »Merkel muss weg« das neue »Wir sind das Volk«?

Die Griechen und die Römer teilten sich bekanntlich ihre Götter und einer dieser Götter war der Römergott Saturn, der bei den Griechen Kronos hieß. Saturn war der Gott der Aussaat und des Ackerbaus. Und es war Saturn/Kronos, der aus Angst um seine Macht die eigenen Kinder aufgefressen hatte.

Indirekt, als praktische Auslassung kennen die meisten von uns den gefräßigen Gott Saturn aus dem Zitat »Die Revolution frisst ihre Kinder«. Der vollständige Satz lautet:

»Die Revolution ist wie Saturn, sie frisst ihre eigenen Kinder.«

Es sollen die letzten Worte von Pierre Vergniaud gewesen sein, bevor er auf dem Schafott sein Ende fand, doch viele kennen den Satz aus Büchners Drama Dantons Tod. Dort deutet er auf den bevorstehenden Tod Dantons hin. Der Satz ist, unter Auslassung des Mythologievergleichs, heute zur geflügelten Redensart geworden: Die Revolution frisst ihre Kinder.

Hart auf hart

Für Straftaten und für Demonstrationen gilt gleichermaßen: Man kann recht genau vorhersagen, über welche davon im Staatsfunk berichtet und getalked wird – und über welche nicht. Wir sind alle gleich, aber manche sind eben gleicher. Der Schnitt am Hals eines CDU-Politikers wiegt nun einmal schwerer als der x-te brutale Messermord.

Am Wochenende fand in Cottbus eine Demonstration statt, von der Sie im Staatsfunk ganz bestimmt nicht hören werden (und wenn, dann bestimmt nichts Positives oder auch nur Neutrales).

Die Regionalzeitung Lausitzer Rundschau titelt: »Die Rechten üben den Schulterschluss – Bei der Demo von „Zukunft Heimat“ zielten AfD-Politiker, Pegida und rechte Vordenker auf das Wahljahr 2019.« (lr-online.de, 19.8.2018).

Auf dieser Demonstration sprachen unter anderem AfD-Politiker, Jürgen Elsässer, Lutz Bachmann und auch der Blogger Dr. David Berger, der schlicht richtig sagte:

»Dieses Land ist unter Merkel auf einem zuvor nicht gekannten moralischen Tiefpunkt angekommen.«
David Berger, 20.8.2018

Ich habe die Namen wie Elsässer und Bachmann hier ganz bewusst erwähnt. Ich weiß, dass es »Reizfiguren« sind. Auch mich »reizen« sie. Ich weiß, dass sie auch Dinge sagen, die ich selbst nicht sagen würde. Doch, und bei diesem »doch« sind wir an einem entscheidenden Problem angelangt: Sie sind eben auch Menschen, die sich getraut haben, auszusprechen, was auszusprechen notwendig war, als andere noch wie Schafe mit Todeswunsch das »Wir schaffen das!« blökten.

Mit Merkel steuern schon jetzt Teile von Deutschland auf Zustände zu, die nicht nur wie das Mittelalter sind, sondern die buchstäblich aus dem Mittelalter stammen und das Mittelalter selbst sind, inklusive Faustrecht und Theokratie.

Es gilt weiterhin: Wenn die Wahrheit zu sagen bedeutet, alles verlieren zu können, dann werden nur noch diejenigen die Wahrheit sagen, welche nichts zu verlieren haben, und das sind selten die glattesten unter den Kieselsteinen.

Sicher, es gibt auch diese Gelegenheitsprotestler, die in Berliner Salons in weniger rustikalen Worten wiederholen, was sie heimlich hier bei uns gelesen haben, doch der Bürger fragt sich, auf wen er zählen kann, wenn es hart auf hart kommt.

WARUM?

Bei der Demo in Cottbus wurden deutliche Transparente hochgehalten: »Schluss mit dem Tag der offenen Tür in Deutschland – Macht die Grenzen dicht« und »Wenn eine Regierung ihr Volk austauschen will, muss das Volk die Regierung austauschen«. (Wenn Sätze mit »Wenn« beginnen, haben sie einen allgemeingültigen, scheinbar universell wahren Klang, ohne technisch die Aussage getroffen zu haben – ein Effekt, den ich ebenfalls gelegentlich nutze, nicht immer mit bewusster Absicht.)

Unter den Plakaten auf den Fotos fiel mir eins auf, das mich geradezu mit Vaterstolz erfüllte.

Ist »Merkel muss weg« das neue »Wir sind das Volk«?
Quelle: philosophia-perennis.com

Zwei Herren, die ich nicht kenne, trugen ein Plakat mit den ausgedruckten Worten: »Die Regierung hofiert Menschen, die Deutschland verachten! WARUM?«

»Ha!«, rief ich, »den Satz kennst du doch!«

Am 25.7.2018 veröffentlichte ich den Text »Deutschland hofiert Menschen, die das Land verachten – warum?«, am Folgetag übernahm epochtimes.de den Text. – Und jetzt finde ich den Satz wieder, leicht abgewandelt als Banner-Spruch auf einer Demo, hochgehalten von Menschen, die noch nicht die Hoffnung aufgegeben haben.

Dereinst wird gefragt werden: Was hast du getan, als Merkel das Land vor die Klippen manövrierte? Was hast du verändert, was hast du zu verändern versucht? Ich bin kein Unternehmer oder Konzernmanager, der durch Spenden diese oder jene »Inspiration« nach Berlin tragen kann. Ich bin kein Anwalt und kein Politiker. Ich denke nach und ich schreibe, und es gibt mir ein Gefühl von Nützlichkeit, wenn Menschen meine Worte nutzen und weiterentwickeln. Dafür danke ich jedem einzelnen von Ihnen!

Moralrichter aller Zeiten

Die heutigen Moralrichter und -henker (okay, wahrscheinlich die Moralrichter aller Zeiten), legen den allerschärfsten Maßstab an ihre politischen Gegner – und den laxesten an ihre Freunde und Vorbilder – und an sich selbst sowieso. Wir haben Martin Luther und Gandhi und Mohammed Ali ihre schattigeren Momente vergeben – hey, wir tun sogar, als hätte Jesus nicht Kanaanäer mit Hunden verglichen (Mt 15:26). Licht – Schatten.

Wir müssen nicht mit jedem übereinstimmen, der das Land aufrütteln will. Man muss kein Heiliger sein, um das Land zurück auf dem Weg zu Rechtsstaat und Vernunft sehen zu wollen.

Man muss nicht einmal »normal« sein, um die Welt besser machen zu wollen. Ein »normaler« Mensch steht nicht auf der Straße und ruft danach, die Kanzlerin abzuwählen – ein »normaler« Mensch sitzt mit Freunden zusammen, in der Noch-Sicherheit seines Zuhauses, und murmelt beim Weißwein kritische Anmerkungen zur politischen Wetterlage. Die »Normalen« bewegen nichts.

Die, die verrückt genug sind, zu glauben, dass sie die Welt verändern können, sind diejenigen, die es für gewöhnlich tun.
– Steve Jobs

Wir sind zu oft zu spät dankbar. Vergessen wir nicht: Einige der Parteien, die heute am 3. Oktober große Reden schwingen, waren lange Zeit gegen die Wiedervereinigung. Einige der Menschen, die damals auf die Straße gingen, gehen heute wieder auf die Straße. »Merkel muss weg!«, hört man, ist das neue »Wir sind das Volk«. (Einige rufen auch heute wieder »Wir sind das Volk«, es ist ja nicht weniger wahr.)

Schuld

Die Herrschaften vom Haltungsfunk, die einander Orden und Preise verleihen (wenn sie nicht gerade bei Pharma- und Glücksspielfirmen dazuverdienen) sind verständlicherweise irritiert von Bürgern, die in den Straßen und in freien Medien das Land aufrütteln wollen.

Ich bin mir sicher, dass 99% der Anti-Merkel-Demonstranten kein Problem mit »Multi-Kulti« haben, solange es wirklich das Miteinander von Kulturen bei klar definierter Leitkultur bedeutet (zum Beispiel in der Türkei die türkische, in Kenia die kenianische, und so weiter), und nicht eine als »Toleranz« verkleidete Aufgabe von Rechtsstaat, Demokratie und hart erarbeiteten Werten.

Was wollen wir denn mehr?

Es ist ungerecht, dass Revolutionen ihre Kinder verschlingen. Die Revolution, die so viele Menschen sich heute wünschen, ist tatsächlich eine Re-volution (also Rück-Wälzung im Wortsinn): Was wollen wir denn mehr, als dem Recht und der Vernunft wieder zur Geltung zu verhelfen?

Im Ruf »Merkel muss weg!« geht es doch nicht um Merkel! Es geht darum, dass der Rechtsstaat wieder durchgesetzt wird, dass die Grenzen wieder konsequent geschützt werden, oder – kurz gesagt – die Regierung endlich wieder erkennbar ihren Amtseid einhält und das Wohl des Volkes nachvollziehbar allen anderen »Interessen« voranstellt.

Von den Staatsfunklern, die täglich neu hanebüchene Ausflüchte finden, warum sie nicht sagen, dass passiert, was passiert, von denen sollten wir keine Hilfe erwarten. Von Journalisten, die ihresgleichen bei einem Anfall von Vernunft und Gewissen öffentlich mit Worten und Moral auspeitschen, ebenfalls nicht.

Die Zahl der Menschen, die mutig »Nein!« zur Auflösung des Rechtsstaats sagen, wächst. Ich bin dankbar, wenn ich mit meinen Worten und Formulierungen hier und da mithelfen kann. Bedienen Sie sich!

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