bunt

Das politische Wort »bunt« will ein Gegenentwurf sein. »Bunt statt braun« trägt man auf Plakaten. Man schwärmt von »Vielfalt« und »Diversität«. Menschen, für die Verschiedenheit in Einkommen, Essgewohnheiten und politischer Ausrichtung eine auszurottende Pein ist, entdecken bei Werten und Kulturhintergrund endlich die Freude an der Vielfalt. Dem politischen (und ideologischen) Gegner wird vorgeworfen, er selbst wolle es dagegen »braun«, »rechts« oder »rassistisch«.

Das Problem am »bunt«-Begriff: »Bunt« beschreibt eine Utopie, einen gedachten Idealzustand. Die Menschen, die »bunt statt braun« hochhalten, haben ein bestimmtes Menschenbild. Sie glauben an »das Gute im Menschen«, und zwar absolut. Ihre Idealisierung der jungen Männer, die in den Armenvierteln Nordafrikas nach Deutschland kommen, grenzt an das latent rassistische Positiv-Zerrbild vom »edlen Wilden«.

Die »bunt«-Utopie hat viel mit dem Kommunismus gemeinsam. Beide gehen sie von der Grundgüte des Menschen aus und bauen darauf ihr Gesellschaftssystem auf. Sie scheitern beide. Menschen sind auch moralisch »bunt«, sprich: verschieden.

Warum es nicht funktionieren kann

Von »bunt«-Aktivisten wird nie wirklich definiert, was »bunt« als politische Vorgabe bedeuten soll. (Es dient ja vor allem als Kampfansage gegen Kritiker offener Grenzen, sprich »Rechte«.) Impliziert ist aber ein gleichberechtigtes Miteinander verschiedener Kulturen.

Das klingt natürlich zuerst kuschelig. Wer auf der Welt könnte gegen ein »gleichberechtigtes Miteinander verschiedener Kulturen« sein?!

Es gibt nur ein praktisch-logisches Problem: Jede Kultur bringt auch ein Set an Werten mit. – Beispiel: In der US-amerikanischen Kultur etwa ist das Unternehmertum und der Traum, es vom Tellerwäscher-zum-Millionär zu schaffen, deutlich höher bewertet als in Deutschland. (Eine Schräglage dabei: Tatsächlich ist die »social mobility« in Europa höher als in den USA. Der »American Dream« lebt sich derzeit in Europa etwas einfacher als in den USA.)

Der Fisch weiß das Wasser nicht zu schätzen, er schwimmt ja in ihm. Genauso nehmen »bunt«-Aktivisten die westlichen Werte als stabil und gegeben hin. Westliche Werte sind aber fragil. Zusammenleben braucht Harmonie und Struktur. Wie in der Musik feste Regeln gelten, damit es »harmonisch« klingt, so braucht auch das eine Kultur klare Regeln des Zusammenlebens.

Das im »bunt«-Begriff implizierte (und militant durchgesetzte) »gleichberechtigte Miteinander verschiedener Kulturen« muss scheitern, wenn die Werte einer Kultur nicht mit den Werten anderer Kulturen kompatibel sind – aber im Zusammenleben in diese Kultur hineingreifen.

Der unreflektierte »bunt«-Begriff führt zu Unordnung. »Buntheit« als Zerschlagung des Bisherigen, Aufhebung bewährter Normen. Eine konsequente »bunt«-Ideologie führt zu Sozialdarwinismus. Wenn Menschen zusammenleben, wird sich immer eine »Leitkultur« herausbilden, es gibt gemeinsame Werte und Leitlinien von Chinatown und Bronx, eine übergreifende New Yorker Leitkultur. Die Frage ist nicht, ob, sondern welche es sein wird. »Bunt«-Aktivisten definieren sich darüber, keine Vorgaben zu machen – also werden Andere die neue Leitkultur formen.

Zusammenleben erfordert immer Verhandlung über Regeln und Grenzen. »bunt«-Aktivisten gehen an den Verhandlungstisch, und sagen: Wir werfen die hart errungenen Werte und Erfahrungen westlich-europäischer Kultur über Bord und haben keinerlei Forderung – welche Forderung haben Sie?

Es wird nicht funktionieren. Wenn »bunt« bedeutet, keine eigenen Werte und Grenzen durchzusetzen, und jeden von den eigenen Leuten zu verteufeln, der es möchte, werden eben »die Neuen« ihre Werte und neuen Grenzen einsetzen. Diese Werte, die einige von ihnen mitbringen, sind jedoch gelegentlich solche, die zu den Zuständen führten, welche sie bewegten, ihre Heimat zu verlassen. Diese alten Werte werden dann, dank »bunt«-Ideologie«, auch in der neuen Heimat installiert. Katrin Göring-Eckardt scheint begeistert: »Unser Land wird sich ändern, und zwar drastisch. Und ich freue mich drauf!« – Eine Euphorie, die nicht alle teilen.

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15 Gedanken zu “bunt

  1. „bunt“ wird als durchweg positiv besetzter Bergiff für „Vielfalt“, „Diversität“ verwendet. Negative Aspekte von „Vielfalt“ werden ausgeblendet.

    • Stimmt. Eine Metapher (Talking Point) wird verwendet um die Sinne blumig-heiter zu stimmen. Ich versuche mal mit einem Gegenbild die Lücke aufzuzeigen: Ein wunderschönes Kirchenglasmosaik, schon ausgestattet mit einer gewissen Vielfalt. Jetzt mit dem Hammer ordentlich drauf und maximale Buntheit entsteht.
      Was fehlt ist Harmonie und Struktur. Das verletzliche Zusammenspiel versiegt. Eine neue Ordnung nicht in Sicht. Wir müssen uns ja nicht so ähnlich werden wie die Amish People; aber einen stärkeren Zusammenhalt hatten wir früher schon.

  2. Bei diesem Begriff wird derzeit häufig Soll- mit Ist-Zustand verwechselt. Eine vielfältige Gesellschaft, in der Menschen unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlicher kultureller Hintergründe in gegenseitigem Wohlwollen und Respekt miteinander umgehen, wäre bunt. Zu behaupten, dieser Zustand sei erreicht oder ließe sich ohne Bemühung erreichen, ist zumindest momentan nicht selbstevident.

  3. „Bunt“ ist zunächst einmal eine Generalisierung. Die „Erfahrung“ von Bunt ist dann subjektiv, da ein jeder diesen Begriff mit der Repräsentation seiner Erfahrung füllt (transderivale Suche). Damit wird vermieden, eine tiefere Ebene bzw. die tatsächlicher Erfahrung abzufragen. Die Vorannahme von „Bunt“ könnte sein, dass damit eine positive Erfahrung „getriggert“ werden soll, um den Ist-Zustand nicht benennen zu müssen. Jeder spricht subjektiv (jenseits von Fakten) und in der Nutzung der Generalisierung meint man vermeintlich einen allgemeinen „faktischen“ Konsens zu erkennen.

  4. Eine bunte Gesellschaft ist nur durch klare Regeln möglich, sie ergibt sich nicht zufällig. Alles was Menschen unterschiedlicher Wertesystem ohne Absprahe erschaffen, sind Parallelgesellschaften, was auch ein normaler Vorgang ist. Gegen Vorbehalte helfen nur klare Absprachen.
    Wie soll ich es als westlich geprägter Mensch ertragen, dass Frauen und Homosexuelle in anderen Wertegemeinschaften unterdrückt werden. Wie soll ein islamisch geprägter Mensch ertragen, dass eine Frau in einem anderen Wertesystem auch mehr zu sagen haben kann als ein Mann?
    Nur durch Strukturen und Grenzen ist ein nebeneinander möglich. Oder sollen wir alle auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zurückfallen? Das wäre dann brauner Sumpf. Der aber nicht von Rechts, die Vertreter von Grenzen und Strukturen, sondern von Linksgrün kommt.

  5. Bunt ist es nur im Licht. Geht in Deutschland das Licht aus wird aus bunt böse.

  6. Ich würde auch sagen, dass die Forderung nach einer „bunten Republik“ selbst latent rassistisch ist, da sie davon ausgeht, dass die eine Kultur der „Bereicherung“ durch eine andere bedarf. Das Problem ist wie so oft, dass es sich bei der „bunten Republik“ um eine (ggf. mit staatlichen Mitteln) zu erreichende Zielvorstellung handelt, und dass es sich somit um eine Besser-Schlechter-Abwägung von Kulturen handelt – um eine Wertung von Kulturen.

  7. Schnell schon mal zwei zusätzliche Aspekte:

    1. Kollektivierung

    „Buntheit“ entsteht durch die Ersetzung des Individuums durch dessen Zuordnung zu einer bestimmten Gruppe, die ihrerseits durch äußerliche Merkmale mehr oder weniger willkürlich definiert wird. Somit ist es auch keine Seltenheit, dass jemand, der sich in diesem Sinn für eine „bunte“ Gesellschaft ausspricht, andere Meinungen als seine auf keinen Fall geäußert sehen will.

    2. Feindbild

    „Bunt“ ist eher definiert durch das, was es nicht sein soll, als das, was es sein soll. „Bunt“ ist alles, was nicht weiß, männlich, heterosexuell, alt und deutsch ist – egal, welch widersprüchliches Gemisch sich daraus dann ergibt: Das Gegenbild reicht aus, um das Unvereinbare (z.B. Feminismus und Islam) zu vereinen.

  8. Bunt wird auch als Gegenteil zu Schwarz-Weiß benutzt, um die Anderen gleichsam zu pathologisieren. Denn Schwarz-Weiß-Denken ist Ausdruck psychischer Krankheit.

  9. Das Changieren zwischen Diagnose und Utopie oder Ideologie in Begriffen wie „Buntheit“, „Vielfalt“ und „Diversität“ führt auch zu Problemen im Bildungssektor:Pädagogische Projekte wie „Inklusion“, „Jahrgangsübergreifendes Lernen“ usw. sollen zum einen auf gesellschaftliche Fragen reagieren, zum anderen aber die Gesellschaft gestalten. Widersprüche und Verwirrungen werden gern in Kauf genommen: Vielfalt gilt einerseits als „Normalität“ (https://www.dkjs.de/themen/alle-programme/vielfalt-in-schulen/ ), gleichzeitig aber auch als „Lernziel“ (http://vielfalt-lernen.zum.de/wiki/Lernziele ).

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