Bekenntnisse eines Mansplainers

Ich widerspreche manchmal und ich erkläre Dinge, mit denen ich mich auskenne. Und ich bin ein Mann. Kurz: Ich bin ein Mansplainer.

Ich bin nicht nur ein weißer Mann mit Frau und Kindern, und damit Hassfigur für Buntsternchen, ich erkläre auch noch gern Dinge. Ich bin ein Mansplainer.

Mein Fachgebiet ist politische Sprache und auch zur Logik gesellschaftlicher Debatte insgesamt wage ich Kommentare. Wenn ich mansplaine, dann meist in diesen Gebieten.

Mansplainen bezeichnet angeblich herablassendes Erklären, häufig von Männern gegenüber Frauen. (In der Praxis sind aber mit Männer hier wieder nur als Mann geborene Männer gemeint.)

Es ist tatsächlich so, dass wenn ich etwas sehe, was mir wie ein Irrtum scheint, es mich in den Fingern juckt, dieses zu korrigieren.

Traditionellerweise hätte eine solche Intervention meinerseits zu einem von drei Ergebnissen geführt:

  1. Ich habe Recht und wir sehen das beide ein.
  2. Ich irre und wir sehen das beide ein.
  3. Wir stimmen nicht überein und gehen getrennter Wege – zumindest haben wir aber über das Problem nachgedacht.

Mit dieser neuen Mode, Widerspruch generell als herablassend und Angriff zu deuten, und durch einen Mann ausgeführt auch noch als Mansplaining abzutun, werden alle drei Möglichkeiten zunichte gemacht.

Warum sollte ich aber diskutieren, wo kein Widerspruch gilt, nur das ewige Aufblasen der eigenen bunthaarigen Filterblase?

Was bezweckt die Sternchenkultur mit ihrer täglich offener zur Schau getragenen Debatten- und Faktenfeindlichkeit? Ich weiß es nicht. Es wird etwas mit safe spaces zu tun haben. Wie will man aber dazulernen, wenn verbaler Widerspruch in der Sache bereits als Angriff auf die Sicherheit gilt?

Ich streite mich auch weiterhin. Ich widerspreche gern und, ja, bei Gelegenheit widerspreche ich ungefragt. Doch ich widerspreche und streite mich lieber dort, wo es eine reale Chance gibt, dass alle Seiten, also auch die Zuschauer und ich, dazulernen.

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