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Es waren vier lateinische Worte, gestrichen 1965, und der Westen begann, bergab zu gehen. Okay, vielleicht übertreibe ich ein wenig. Aber wenn, dann hatten der Niedergang und die Streichung zumindest eine gemeinsame Ursache.

Gleich vorab, transparent und ehrlich: Ich schreibe hier und heute über meine Interpretation, mein Gefühl an diesem Schnittpunkt von Raum und Zeit. Es ist der Bericht aus dem Inneren, über eine … ach, lasst uns hineingehen!

Es ist ja ein simpler Satz, vier kurze Worte: Introíbo ad altáre Dei.

Im Folgenden will ich die These vorlegen, dass anhand dieser simplen vier Worte der Niedergang des Westens abgeleitet werden kann. Genauer: aus dem Fehlen dieser Worte und dem daraus resultierenden Fehlen ihrer Wirkung.

Der Westen ist müde und verwirrt und die Menschen gehen kaputt. Und es hat mit diesen vier Worten zu tun. Doch nicht alles ist verloren – lasst mich erklären!

Ich gehe hinein

»Introíbo ad altáre Dei« bedeutet wörtlich etwa: Ich gehe hinein zum Altar Gottes.

Es ist ein Auszug aus Psalm 42 und wird in der Praeparatio der Alten Messe gesprochen.

»Das Introíbo« wurde 1570 in der Liturgie von Pius V fixiert – und 1965 wurde es von Annibale Bugnini (siehe Wikipedia) wieder herausgeschnitten. Also recht genau zu der Zeit, als es mit dem Westen rapide bergab zu gehen begann.

Es lässt sich leicht verteidigen, dass das meiste dessen, was (noch) an und in der Welt funktioniert, in christlichen Zeiten und Gegenden entwickelt wurde. Mit christlich meinen wir katholisch, und wenn in Filmen eine katholische Messe gezeigt wird, ist es meist eine Messe, in der noch das Introíbo gesagt wird. Das ist bis heute der Prototyp von Kirche.

Zu Füßen des Kreuzes

Die Messe ist nach katholischem Verständnis (auf metaphysische Weise) identisch mit dem Kreuzesopfer. Wer an der Messe teilnimmt, steht zu Füßen des Kreuzes auf Golgatha. (Das erklärt, warum die Menschen, als sie das noch wussten und glaubten, sich in den Sonntagsstaat warfen.)

Das Kreuzesopfer Jesu ist die Erfüllung der Opferrituale, mit denen die Priester im Alten Testament auf dieses größte und letzte Opfer hinwiesen. Das Opferlamm ist zugleich der Hohepriester, in der Messe vertreten durch einen Priester aus Fleisch und Blut, während Brot und Wein zu Fleisch und Blut des Lammes werden.

So wie der Priester im Alten Testament sich innerlich auf die Opferhandlung vorbereitete, bereiten die Einstiegsverse und Psalmen den Priester auf Opferhandlungen und also die Eucharistie vor.

Auch unsere Aufmerksamkeit

Der Priester steht (in der Alten Messe) mit dem Gesicht nach vorn gerichtet, er schaut aufs Kreuz und nach Osten, zum Tod und zur Wiederauferstehung: ad orientem. Er vollzieht das Opfer, das eben auch für uns dargebracht wird.

»Ich nähere mich dem Altar Gottes«, sagt der Priester in der Vorbereitung des Sakraments, und er tut es an unserer Stelle. Das Sakrament (eine zeichenhafte Handlung mit realer Wirkung) braucht zur Form und Materie auch die rechte Absicht des Ausführenden.

Wenn der Priester sich in Worten bewusst wird, dass er vor dem Altar steht, bündelt dies auch unsere Aufmerksamkeit und Absicht.

Jaja, ein Sakrament kann auch gültig sein, wenn die Aufmerksamkeit und Absicht etwas straucheln oder etwa zu einem früheren Zeitpunkt vorlagen (letzte Ölung). Doch den größten spürbaren Segen wirst du erfahren, wenn du mit »ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüte« – mit dem Priester – nach vorn und auf »den Altar« ausgerichtet bist.

Wir üben es nicht

Introíbo ad altáre Dei – ich werde mich dem Altar des Herrn nähern. Wir übten uns einst darin, am Fuß des Altars zu stehen und dann hineinzugehen. Wir üben es nicht mehr – und die Ergebnisse sind schrecklich greifbar.

Eine Gesellschaft, in der bisweilen nicht einmal die Priester sich als »am Altar des Herrn« stehend wahrnehmen, ist eben eine Gesellschaft fern vom Altar des Herrn.

Die Menschen sind vom Altar weggetreten, die Erinnerung wurde ihnen aus der Liturgie gestrichen – und wenn es richtig übel lief, haben sie dafür Hühner in Windeln und LGBTQ-Messen bekommen.

Es ist alles so ermüdend, und bösen Kräften könnte es durchaus nützlich sein, dass es ermüdend und verwirrend und traurig ist. Eine verwirrte, müde, ruhe- und gottlose Gesellschaft ist leichter zu steuern und leichter am (teils buchstäblichen) Nasenring durch die Manege ihrer Zeit zu führen.

Woher also soll uns neue Kraft kommen, neue Jugend und Frische?

Die Freude meines Jubels

Nun, die Liturgie, aus Psalm 42:4 der Vulgata Clementina zitiert, lässt uns dem Priester antworten: »Ad Deum qui lætificat juventutem meam«.

Das heißt wörtlich etwa: »Zu Gott, der meine Jugend fröhlich macht.«

Ja, wir erinnern den Priester daran – egal, ob er 28 oder 82 Jahre alt ist –, dass eben der Gott, an dessen Altar er tritt, darin und dabei seine Kraft und Jugend neu erweckt.

Statt juventutem steht im originalen Hebräisch ja שִׂמְחַת גִּילִי (simchat gili), was wörtlich »Freude meines Jubels« bedeutet.

Wir spüren es ja in den Knochen, wenn wir innehalten und ehrlich sind; wir vermissen beide, die Freude unseres Jubels wie auch die Kraft unserer Jugend. Wir vermissen sie jeder einzeln, und wir vermissen sie alle zusammen.

Was also tun?

Unsere Väter kannten einen Weg, und ich höre, dass der noch immer an sein Ziel führt (und zwar so zuverlässig, dass gewisse Autoritäten ihn versperren und verbieten wollen): Introíbo ad altáre Dei.

Der Essay Introíbo ad altáre Dei von Dushan Wegner ist auch online zu lesen: https://www.dushanwegner.com/essays/introibo-ad-altare-dei/, und auf dushanwegner.com finden sich noch viele weitere Texte, Bücher und sogar T-Shirts zum Thema!

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